Der Kletterfelsen von dem DAV-Kletterzentrum in Stuttgart-Degerloch ist ein besonders beliebtes Ausflugsziel in der Region Stuttgart. Foto: DAV Kletterzentrum

Für viele heißt es in den Sommerferien ab in den Urlaub. Doch auch den Daheimgebliebenen muss nicht langweilig werden. In Stuttgart und der Region gibt es zahlreiche Sport- und Freizeitangebote für Tagesausflügler, die darauf warten, ausprobiert zu werden. Wir stellen einige davon vor.

Stuttgart - Rund 120 000 Besucher kommen nach Angaben von Geschäftsführer Georg Hoffmann alljährlich zum DAV-Kletterzentrum Stuttgart im Waldaupark. Dort kann man seit 1994 an einem 14 Meter hohen künstlichen Kletterfelsen unter freiem Himmel üben und seit 2005 in einer noch zwei Meter höheren Halle mit 320 Kletterrouten. „In der Größe gibt es in Baden-Württemberg nichts Vergleichbares“, sagt der 54-Jährige, weshalb Kletterfreunde auch aus größerer Entfernung den Weg zum Zentrum unweit des Fernsehturms finden. „Unter der Woche fahren unsere Besucher bis zu 30, 40 Minuten an, am Wochenende gibt es auch Kletterer, die eine Stunde Anfahrt in Kauf nehmen“, sagt Hoffmann. Die meisten kommen aber aus dem Raum Stuttgart, so Hoffmann, die wenigen aus Heilbronn oder Ulm „spielen zahlenmäßig keine Rolle“.

Eine Rolle spielen die Kletterer dagegen als Umsatzbringer auch außerhalb der Halle. Laut Hoffmann kommen viele von ihnen in Gruppen, aus denen dann nur einer oder zwei klettern – etwa die Kinder –, „und die Eltern dann einkaufen gehen, auf den Fernsehturm fahren oder was anderes machen“. Auch die Einkaufsmöglichkeiten in der City und die gastronomischen Angebote abseits des eigenen Bistros würden von der Kundschaft genutzt. Die Nähe zur Innenstadt birgt viele Möglichkeiten.

Nur im Raum Köln/Düsseldorf ist mehr los

Die Besucher des DAV-Kletterzentrums stehen stellvertretend für viele Menschen mit Bewegungsdrang in der Region Stuttgart. Das Deutsche Wirtschaftswissenschaftliche Institut für Fremdenverkehr (DWIF) mit Sitz in München und Berlin hat 2016 im Auftrag von Stuttgart-Marketing in einer großen telefonischen Befragung herausgefunden, „dass die Region Stuttgart in Bezug auf den Tagesausflugsverkehr einen der Spitzenplätze in Deutschland belegt“. So fasst das der Geschäftsführer von Stuttgart-Marketing, Armin Dellnitz, zusammen. Nur im Raum Köln/Düsseldorf wuselt es deutlich mehr. Im Raum Stuttgart waren es im Jahr 2015 rund 99 Millionen Tagesgäste, die sich aus einem Umkreis von rund 100 Kilometern in die Region oder auch innerhalb der Region Stuttgart bewegten – auf jeden Fall aber über die Grenzen ihres Wohnortes hinaus. Dazu gehören zwar auch Tagesgeschäftsreisen und Besuche bei Verwandten und Bekannten, nicht aber Fahrten zur Arbeit, zum Einkauf des täglichen Bedarfs, zum Verein oder andere regelmäßig wiederkehrende Wege etwa zu Behörden oder ­Gottesdiensten.

„Reiseanlass sind vor allem freizeitorientierte Tagesausflüge zu über 100 anspruchsvollen und erlebnisreichen Kultur- und Freizeiteinrichtungen sowie zu Angeboten aus den Bereichen Wandern, Radfahren, Weinerlebnisse, Shopping und mehr“, sagt Annegret Bey, Pressesprecherin von Stuttgart-Marketing. Einen Trend zur Aktivität in ­diesem Zusammenhang macht der Chef-Tourismusförderer Dellnitz ebenso aus wie Matthias Klopfer. „Die Motive, sich in der Natur zu bewegen und sich gesund zu erhalten, nehmen von Jahr zu Jahr extrem zu“, beobachtet der Schorndorfer Oberbürgermeister Klopfer, der auch Vorsitzender der Sportregion Stuttgart und zudem selbst Sportwissenschaftler ist. „Die Bevölkerung wächst immer mehr“, stellt Klopfer fest, „weil aber die Kommunen nicht gleichermaßen wachsen, sondern immer kompakter werden, drängt es die Menschen stärker nach draußen.“ Allerorten entstünde Neues wie die BMX-Strecke in Stuttgart, die Mountainbike-Strecke in Urbach (Rems-Murr-Kreis) oder die neuen Wanderwege für die Remstal-Gartenschau 2019. Die Infrastruktur wird ebenso rege genutzt wie das Drumherum.

In Stuttgart gibt ein Tagesausflügler etwa 35 Euro aus

26 Euro gibt ein durchschnittlicher Tagesausflügler in den Kreisen rund um Stuttgart, abgesehen von der Anfahrt, zusätzlich aus, in der Landeshauptstadt selbst sind es etwa 35 Euro. Die Tagesgeschäftsreisen eingeschlossen, kommen so mehr als drei Milliarden Euro zusammen, was 2015 mehr war als bei den Touristen, die übernachteten (2,1 Milliarden Euro). Dazu tragen zum Beispiel auch Gleitschirmflieger bei. Beim Deutschen Hängegleiterverband (DHV) sind in Baden-Württemberg rund 10 000 gemeldet, etwa 3000 davon in der Region Stuttgart. Die gehen gerne an die zugelassenen Fluggelände am Kleinheppacher Kopf unweit von Waiblingen, nach Neidlingen oder Neuffen (beide Kreis Esslingen) und werden laut Björn Klaassen vom DHV in Gmund am Tegernsee kontinuierlich mehr. „Flachlandfliegen, wie wir das über der Schwäbischen Alb nennen, ist für viele interessant, weil man da gut fliegen können muss“, sagt der Referatsleiter Flugbetrieb, da kämen an einem schönen Tag schon mal bis zu 100 Flieger etwa nach Neuffen. „Und die gehen hinterher auch noch irgendwo zum Wirt und trinken ein Landebier“, sagt Klaassen.

Ein noch größeres Einzugsgebiet hat die Freestyle Academy an der A 8 in Rutesheim (Kreis Böblingen). Die 2015 eröffnete Halle, in der man unter anderem von vier unterschiedlich hohen Schanzen mit dem Scooter – wie man Tretroller heutzutage nennt –, mit BMX-Rad oder Snowboard auf ein riesiges Luftkissen springen kann, besuchen pro Jahr bis zu 30 000 Actionsport-Begeisterte. Die kommen laut Inhaber Cliff Rohrbach hauptsächlich aus der Region Stuttgart, aber auch darüber hinaus. „Wir haben Kunden aus Frankfurt, Mannheim, Karlsruhe, Ulm oder München, die zumindest einmal im Monat kommen“, sagt der 48-Jährige, „und dann haben wir immer wieder auch Gäste aus dem Ausland.“ Aus Frankreich sind schon mehrfach Schulklassen angereist, von dort und aus England, Holland, Polen oder Tschechien kommen immer wieder Gäste, und einmal, erinnert sich Rohrbach, „kam ein Jugendlicher aus Italien mit seiner Mutter, sie quartierten sich in einem Hotel ein, und der Jugendliche trainierte die ganze Woche mit dem Wakeboard auf der Schanze“. Das Konzept ist so erfolgreich, dass der Architekt an der Expansion arbeitet – Ableger in Frankfurt und in Oberstdorf sind im Gespräch.

Ob in Stuttgart oder anderswo: Jeden Tag machen sich Menschen auf den Weg, außerhalb ihres Wohnorts Sport zu treiben oder sich generell aktiv zu bewegen. In der Serie „Aktiv im Sommer“ stellen Ihnen Redakteure ab Montag täglich ihre Empfehlungen vor.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: