Forscher sehen in den derzeitigen Jugendlichen eine Generation, die gehört werden will. Foto: dpa/James Ross

Eine neue Studie zeigt: Das politische Engagement junger Menschen wächst. Die Mehrheit ist aber immer noch wenig an Politik interessiert. Und die Skepsis gegenüber Parteien und Regierung ist groß.

Berlin - Seit Monaten gehen in ganz Deutschland beharrlich junge Menschen auf die Straße, um für konsequenten Klimaschutz zu demonstrieren. Ist die „Fridays for Future“-Generation politisch aktiv wie lange nicht mehr? Ja, lautet das Fazit der Shell-Jugendstudie, für die von Januar bis Mitte März mehr als 2500 Zwölf- bis 25-Jährige befragt wurden. Doch die Mehrheit von ihnen zeigt immer noch wenig Interesse an Politik.

Wovor haben junge Leute am meisten Angst?

Nichts macht jungen Menschen so viel Angst wie eine drohende Zerstörung des Planeten: Für sieben von zehn Befragten ist die Umweltverschmutzung die größte Sorge, gefolgt von Terroranschlägen (66 Prozent) und dem Klimawandel (65 Prozent). In der letzten Shell-Studie von 2015 rief die Bedrohung durch den Terrorismus noch die größte Angst unter Jugendlichen hervor. Die Mehrheit blickt dennoch eher positiv in die Zukunft. Ihre Botschaft an Politik und Gesellschaft laute: „Wir bleiben zuversichtlich, aber hört auf uns und achtet jetzt auf unsere Zukunft“, sagte Studienleiter Mathias Albert bei der Vorstellung der Ergebnisse in Berlin.

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Wie viele interessiert Politik überhaupt?

Gut vier von zehn Befragten interessieren sich für Politik, das sind etwas weniger als vor vier Jahren. Im Gegenzug sind also knapp 60 Prozent der Jugendlichen wenig oder gar nicht an Politik interessiert. Der Anteil derjenigen, die politisches Engagement wichtig finden, ist leicht gestiegen und liegt bei gut einem Drittel. Die Mehrheit der jungen Menschen will also nicht demVorbild von Klimaaktivistin Greta Thunberg nacheifern. Die Forscher haben ihre Studie jedoch mit dem Zusatz versehen „Eine Generation meldet sich zu Wort“. Sie verweisen einerseits auf einen deutlichen Anstieg im Interesse an der Politik gegenüber den Befragungen der Nullerjahre. Es sei zudem eine deutliche Politisierung zu beobachten, sagte Albert. „Aber Politisierung heißt bei der gegenwärtigen jungen Generation, dass diejenigen, die bereits bisher politisch interessiert waren, sich noch intensiver mit Politik auseinandersetzen und sich zunehmend engagieren.“

Wie sehen Jugendliche die Demokratie?

Das Vertrauen der jungen Generation in die Demokratie ist gewachsen: 77 Prozent sind mit dem politischen System zufrieden, im Jahr 2002 hatte dieser Wert nur 60 Prozent betragen. Besonders im Osten ist der Zuspruch gestiegen, dort äußern sich zwei Drittel der Jugendlichen positiv (2002: 40 Prozent). Dem grundsätzlichen Zuspruch zur Demokratie steht jedoch ein tiefes Misstrauen entgegen, das die Politikprofis betrifft. Mehr als die Hälfte der Befragten stimmt der Aussage zu: „Die Regierung verschweigt der Bevölkerung die Wahrheit.“ Sieben von zehn Jugendlichen äußerten zudem die Meinung, dass Politiker sich nicht darum kümmerten, „was Leute wie ich denken“. Die junge Generation sei zufrieden mit den politischen Strukturen, „aber nicht mit der handwerklichen Arbeit der Parteien und der Politiker“, sagte der Co-Autor der Studie, Klaus Hurrelmann.

Was ist mit Populismus?

Auch in der jungen Generation verfangen populistische Aussagen und finden Zustimmung. Ein Drittel der Befragten stimmte solchen Positionen in unterschiedlichem Maße zu. 39 Prozent identifizierten die Studienautoren als überwiegend weltoffen, 28 Prozent konnten sie nicht eindeutig zuordnen. Eindeutig stellten die Verfasser aber fest: Je höher der Bildungsgrad, desto geringer ist die Anfälligkeit für Populismus.

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Was für ein Weltbild haben junge Menschen?

Insgesamt bescheinigen die Verfasser der jungen Generation ein offenes und tolerantes Weltbild. Gesellschaftlichen Minderheiten steht sie mit großer Mehrheit positiv gegenüber. Mehr als jeder zweite Befragte befürwortet, dass Deutschland viele Flüchtlinge aufgenommen hat. Einem Drittel macht die Zuwanderung nach Deutschland zwar auch Angst, mehr als die Hälfte der Jugendlichen gab jedoch an, dass sie Furcht vor Ausländerfeindlichkeit in der Gesellschaft haben. 56 Prozent sagten zudem, dass sie Angst vor wachsender Feindlichkeit zwischen Menschen mit unterschiedlichen Meinungen haben.

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