In vielen Städten des Landes ist das Konzept „nette Toilette“ inzwischen etabliert. Foto: Claudia Barner

„Nette Toilette“ heißt ein Konzept, bei dem Lokale, Geschäfte und Institutionen ihre Klos für Bürger öffnen. Der Pilotversuch in vier Bezirken war erfolgreich. Nun schlägt die Verwaltung vor, das Angebot auf andere Stadtteile auszuweiten.

Stuttgart - Es ist seit Jahren immer wieder ein Thema in der Stadt, nicht nur zum Jahresende, wenn der Weihnachtsmarkt die Massen in die Stadt zieht: die Klage über zu wenige öffentliche Toiletten. Auch in einigen Außenbezirken war und ist die Lage prekär. Deshalb hatten Verwaltung und Rat 2017 beschlossen, mit einem Pilotprojekt in vier Bezirken das Konzept nette Toilette in Stuttgart einzuführen. Und der Versuch ist so gut gelaufen, dass die Verwaltung vorschlägt, es auf andere Bezirke insbesondere auch in der Innenstadt auszuweiten.

Begonnen hat man 2018 in den Stadtbezirken Möhringen, Stammheim, Vaihingen und Untertürkheim. Dort haben die Bezirksvorsteher und der Stadtseniorenrat insgesamt 30 Cafés, Geschäfte und Einrichtungen gewinnen können (elf in Möhringen, sieben in Vaihingen, zehn in Stammheim und eine in Untertürkheim), die bereit waren, ihre Klos für Bürger zu öffnen. Sie erhalten dafür eine monatliche Entschädigung von 50 Euro. So errechnet sich das Jahresbudget von 18 000 Euro. In ihrer Ratsvorlage für die Sitzung des Sozialausschusses am Montag stellt die Verwaltung fest, aufgrund der Rückmeldungen könne man sagen, „das Pilotprojekt wird in allen Stadtbezirken gut angenommen“. Es habe keine Beschwerden etwa wegen der Sauberkeit der Toiletten gegeben. Auch die Betriebe und Einrichtungen äußerten sich „durchweg positiv“.

Durchweg positive Resonanz

Aufgrund dieser guten Erfahrungen schlägt die Verwaltung „die Fortführung und Etablierung des Projekts ‚nette Toilette’ in Stuttgart“. Dieses soll „auf die Innenstadtbezirke und auf interessierte äußere Stadtbezirke“ ausgeweitet werden. Nach der Beigefügten Kostenberechnung müsste die Stadt dann jedes Jahr rund 50 000 Euro ausgeben. Die Entscheidung trifft der Rat in den Haushaltsberatungen Ende des Jahres.

In 270 Städten etabliert

Teil der Kosten ist auch die Erweiterung der Öffentlichkeitsarbeit mit Flyern, Plakaten und Aufklebern. Die Verwaltung hat bereits für das Pilotprojekt die Nutzungsrechte „nette Toilette“ auch auf Werbemitteln für einmalig 3680 Euro erworben. Die Idee stammt von der Stadt Aalen, Lizenzgeber ist die dortige Firma Studioo. Das Konzept haben mittlerweile 270 Städte und Gemeinden bundesweit übernommen.

Die Entscheidung, ob Stuttgart das Projekt ausweitet, trifft der Rat in den Haushaltsberatungen Ende des Jahres. Die Stadt macht keinen Hehl daraus, dass dies „eine kostensparende Möglichkeit ist, der Bevölkerung mehr Toiletten zur Verfügung zu stellen, ohne eigene öffentliche Anlagen einrichten und unterhalten zu müssen“.

Andere Lösungen sind viel teurer

Andere Lösungen kämen deutlich teurer, hat die Stadt errechnet. Laut dem Abfallwirtschaftsbetrieb kostet eine behindertengerechte Automatiksäule 300 000 Euro, wobei dieser Toilettentypus bei Senioren nicht sonderlich beliebt ist. Die Kosten für ein WC in Fertigbauweise kommen auf 200 000 bis 300 000 Euro, ohne Unterhaltskosten. Diese betragen zwischen 15 000 und 30 000 Euro, wenn kein Personal gebraucht wird. Wenn eine Toilette betreut wird, kommen nochmals 200 000 Euro im Jahr dazu.

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