Sabine Alber vom SV Fellbach, früher mehrmals deutsche Vizemeisterin, ist immer noch regelmäßig im Max-Graser-Stadion. Foto: Michael Käfer

Großartige Erfolge, großartige Momente: Fellbachs Sportler(innen) haben in den vergangenen Jahrzehnten viel erlebt. Wir wollen ihre Geschichte und ihre Geschichten wieder aufleben lassen. Heute: die Bundesliga-Leichtathletinnen der LG Kappelberg.

Fellbach - Im Fellbacher Max-Graser-Stadion kennt Sabine Alber fast jeden Grashalm. Die 55-Jährige ist seit rund drei Jahrzehnten Cheftrainerin des Leichtathletik-Nachwuchses beim SV Fellbach. Zuvor allerdings hat die Sportwissenschaftlerin und Germanistin für jenen Verein, bei dem sie nun lange schon hauptamtlich arbeitet, selbst geworfen, ist gesprungen und hat schnelle Läufe absolviert. „Ich habe mit Mehrkampf angefangen“, sagt Sabine Alber. Das Talent für den Mehrkampf war bei der nach wie vor sportlichen Frau offenbar vorhanden. Von der Jugend- bis zu den Erwachsenen wurde sie mehrfach baden-württembergische Meisterin im Siebenkampf, belegte bei den Juniorinnen Platz fünf bei nationalen Titelkämpfen. Die ganz großen Erfolge feierte Sabine Alber jedoch im Langsprint mit und ohne Hürden. 1987 wurde sie deutsche Vizemeisterin in der Halle über die 400-Meter-Strecke. In den beiden Folgejahren holte sie bei den deutschen Meisterschaften jeweils Silber über 400 Meter Hürden.

Von 1983 an stellte die Leichtathletikgemeinschaft für ein Jahrzehnt ein Frauenteam in der Bundesliga

Zu verdanken hat sie das neben dem eigenen Talent und Trainingsfleiß auch dem damaligen Bundestrainer Roland Kromer. „Der hat um mich geworben. Zuerst habe ich mich gewehrt, bin dann aber doch gelaufen und direkt in den B-Kader gekommen“, sagt Sabine Alber, die ihre Bestzeit von 56,72 Sekunden bei einem Länderkampf gegen die DDR erzielte. Wie stark diese Zeit ist, zeigt ein Blick in die nationale Bestenliste des laufenden Jahres über die 400 Meter Hürden. Sabine Alber belegte darin hinter Jackie Baumann, der Tochter von 5000-Meter-Olympiasieger Dieter Baumann, die vor kurzem überraschend vom Leistungssport zurückgetreten ist, den zweiten Platz.

Neben den Einzelerfolgen waren Sabine Alber – das merkt man im Gespräch recht schnell – die Mannschaftserfolge mit der LG Kappelberg besonders wichtig. Von 1983 an stellte die Leichtathletikgemeinschaft, der neben dem SV Fellbach auch der ESV Rot-Weiß Stuttgart und der TB Untertürkheim angehören, für ein Jahrzehnt ein Frauenteam in der Bundesliga.

18 Mannschaften kämpften alljährlich um den Teamtitel, jeweils sechs von ihnen trafen sich an einem der drei Austragungsorte. Zwölf Disziplinen galt es zu absolvieren, darunter ein Staffellauf über 4-x-100 Meter. Pro Übung starteten drei Athletinnen, von denen die besten zwei in die Wertung kamen. Entsprechend der Mehrkampftabelle errechneten sich daraus die Punkte, von denen die LG Kappelberg im Regelfall eine beachtliche Anzahl einsammelte.

Dabei mussten die Frauen vom Kappelberg nach einem starken Beginn zwischenzeitlich zittern

„Das beste Jahr war 1988“, erinnert sich Sabine Alber an den Auftritt in Ludwigshafen. 19 686 Zähler sammelte das Frauenteam damals ein, gerade einmal 21 Punkte weniger als der württembergische Rekord des VfL Sindelfingen: „Es war schon toll, dass wir da als absolute Amateurmannschaft praktisch gleichauf waren.“ In ihrer Gruppe belegte die LG Kappelberg damit unter den Augen von LGK-Präsident Erich Theile und in den Ausdünstungen eines nahen Chemiewerks hinter dem siegreichen LAC Quelle Fürth und der LG Frankfurt Rang drei und landete bundesweit auf dem neunten Platz.

Dabei mussten die Frauen vom Kappelberg nach einem starken Beginn zwischenzeitlich zittern: Der 4-x-100-Meter-Staffel mit Petra Schienle, Silke Fischer, Sabine Alber und Carola Reiner wurde erst nach bangen Minuten des Wartens der einwandfreie Ablauf aller Wechsel bescheinigt. Die herausragende Einzelleistung gelang an diesem Tag der Diskuswerferin Ingrid Belz, die mit 57,98 Meter am meisten Punkte einsammelte. Starke Auftritte hatten zudem Cornelia Uthe, Astrid Rinklef, Monika Wegenast, Susanne Würthner, Ines Maiwald, Silke Herb, Tanja Stooß und Susan Bense, die inzwischen das SVF-Bewegungszentrum Loop leitet.

Im Max-Graser-Stadion hatte das Frauenteam der LG Kappelberg nie einen Bundesliga-Auftritt

Zu den Mitgliedern der Bundesliga-Auswahl, ohne dass diese Aufstellung einen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt, gehörten außerdem die nach wie vor beim SV Fellbach als Trainerin engagierte Heike Bek (jetzt Warth), die viel zu früh verstorbene ehemalige FZ-Mitarbeiterin Ursula Kaiser sowie Martina Neininger, Susanne Ferretti, Elke Stahl, Regine Baumann, Annette Würthner, Antje Lüth, Susanne Meinecke, Birgit Stephan, Andrea Mesch, Sabine Nestel, Karin Rebernig, Renate Hofmann, Christine Kößer, Britta Dziubany, Elvira Haas, Bettina Schlude, Isabell Mödinger, Sabine Stein, Sabine Sautter, Karin Baumhauer genauso wie die hochklassigen Speerwerferinnen Eva Helmschmidt (Deutsche Meisterin 1987) und Manuela Alizadeh, die Elftplatzierte der 1986 im Stuttgarter Neckarstadion ausgetragenen Europameisterschaften.

Zu verdanken sind diese Erfolge auch der engagierten Arbeit von Suse Schulze und ihrem Trainerteam bei der LG Kappelberg. „Suse Schulze war das Herz der Mannschaft“, sagt Sabine Alber und verweist auf deren enormes Engagement im Training und anlässlich der fast jedes Wochenende stattfindenden Wettkämpfe. Zugleich formte die Übungsleiterin eine Gemeinschaft, die sich zu großen Teilen bis heute regelmäßig trifft.

Im Max-Graser-Stadion hatte das Frauenteam der LG Kappelberg nie einen Bundesliga-Auftritt. Allzu groß wäre der organisatorische Aufwand an der heimischen Wirkungsstätte gewesen. Andernorts stehen Fellbacher Namen dagegen bis heute in den Annalen. Im Sportpark Ellental beispielsweise, der sportlichen Heimat der LG Neckar-Enz, hält Sabine Alber seit dem 19. Juli 1989 mit 58,48 Sekunden über 400 Meter Hürden den ältesten Stadionrekord. Jene Sabine Alber, die beim SVF noch immer als Trainerin vorangeht.

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