Stoffwindelberaterin Nadja Weiß hilft Familien dabei, das passende Stoffwindel-System für sich zu finden. Foto: Claudia Barner

Immer mehr junge Eltern interessieren sich für Stoffwindeln. Die Beraterin Nadja Weiß hilft dabei, im Informationsdschungel das richtige Modell zu finden.

Waldenbuch - Stoffwindeln haben kein gutes Image. „Sie gelten als supereklig, aufwendig und teuer“, sagt Nadja Weiß. Die Stoffwindelberaterin ist unterwegs, um diese Vorurteile auszuräumen. „Wer auf industriell gefertigte Wegwerf-Windeln verzichten möchte, hat heute viele Möglichkeiten, sie durch gut durchdachte, einfache und günstige Systeme zu ersetzen. Auch im Hinblick auf Nachhaltigkeit ergibt das Sinn“, bekräftigt sie. Wie’s funktioniert und wo die Vor- und Nachteile liegen, zeigt die gelernte Erzieherin und zweifache Mutter bei einem Stoffwindel-Workshop im Waldenbucher Mütterzentrum.

Welche Stoffwindeln gibt es?

Die gute alte Mullwindel spielt keine große Rolle mehr. „Die Hersteller bieten eine Vielzahl unterschiedlicher Wickelsysteme, die genau auf die Bedürfnisse der jeweiligen Familie abgestimmt werden können“, sagt Nadja Weiß. Die Stoffwindel 2.0 ist bunt, handlich und bietet einen hohen Tragekomfort. „Auch hier gibt es All-in-One Komplettwindeln, die aus einem Stück gefertigt sind“, erklärt die Stoffwindelberaterin. Zweiteilige Systeme (All in Two) bestehen aus einem wasserdichten Höschen und können mit Saugkernen aus Materialien wie Baumwolle, Hanf, Bambus oder Mikrofaser bestückt werden. Hier muss das Höschen nicht jedes Mal mitgewaschen werden. Die All-in-Three-Windel besteht aus einer weichen, gemusterten Außenwindel aus Baumwolle (nicht wasserdicht), einer wasserfesten Innenwindel und saugendem Einlagesystem.

Wie groß sind die Wäscheberge?

„Bei voll gestillten Babys kann man die Windel komplett mit Inhalt in die Maschine stecken. Der Stuhl ist wasserlöslich und es bleiben keine Rückstände“, empfiehlt die Stoffwindelberaterin. Wird später zugefüttert, sieht das anders aus. Dann wird ein dünnes Vlies auf den Saugkern gelegt und die festen Bestandteile können bequem in der Toilette oder im Mülleimer entsorgt werden. Nadja Weiß hat die Erfahrung gemacht: „Da Stoffwindeln keine chemischen Zusätze enthalten, stinken sie viel weniger als Wegwerfwindeln. Ich sammle sie in einer Nasstasche und wasche sie alle drei Tage in der normalen Wäsche bei 60 Grad mit.“

Wie hoch sind die Kosten?

Wer sich für ein Stoffwindel-System entscheidet, braucht eine Grundausstattung. Nadja Weiß empfiehlt bei Komplettwindeln einen Vorrat von 25 bis 30 Stück. Beim zweiteiligen System benötigt man eine entsprechende Anzahl Saugmaterial und sechs bis acht Überhosen. Wer keine hohen Ansprüche stellt, kommt mit einer Einmal-Investition von rund 300 Euro aus. Eine Ausstattung im gehobenen Segment kostet zwischen 800 und 1000 Euro. Dafür können später Ausgaben wie Einkaufsfahrten oder Müllgebühren gegengerechnet werden. Unter dem Strich bleibt nach den Berechnungen von Nadja Weiß für Stoffwindel-Familien bis zum Ende der Wickelphase ein Plus von 1000 Euro.

Wie ist die Ökobilanz?

Sind Stoffwindeln tatsächlich ökologischer als Wegwerf-Windeln? Dazu gibt es nur wenige Studien und sie kommen je nach Vergleichsanordnung zu ganz unterschiedlichen Ergebnissen. Fakt ist: Wer Stoffwindeln benutzt, hat einen höheren Waschmittel- und Wasserverbrauch. Im Gegenzug kann pro Kind während der Wickelperiode etwa eine Tonne Windelmüll eingespart werden. Wer auf Öko-Produkte setzt, kann einen weiteren Beitrag zur Nachhaltigkeit leisten. Außerdem verbessert sich die Öko-Bilanz mit jedem weiteren Kind, das die Windel-Systeme nutzt. Soll komplett auf Kunststoffe verzichten werden, kann man ein gefettetes Wollhöschen über die Saugeinlagen ziehen. „Auch das ist wasserdicht“, versichert Nadja Weiß.

Was ist für wen geeignet?

Grundsätzlich gibt es für jede Lebenslage ein geeignetes Stoffwindel-System. Wenn das Kind bei der Oma übernachtet oder die Familie mit dem Wohnmobil durch Australien fährt, sind andere Eigenschaften gefordert als im Alltag. Auch Höschen für besondere Situationen wie zum Beispiel den Besuch im Schwimmbad gibt es. Damit Familien das richtige Windelsystem finden, bieten Stoffwindelberater Mietpakete zum Ausprobieren an.

Ein Problem gibt es allerdings. „In vielen Kitas stehen die Erzieherinnen der Stoffwindel kritisch gegenüber und bestehen auf Wegwerfwindeln“, hat Nadja Weiß beobachtet. Sie empfiehlt: Das Windelsystem einfach mal mitnehmen und vorführen. „Viele sind überrascht, wie einfach das ist und sträuben sich dann nicht mehr“, stellt sie fest.

Zwei Seminare und private Beratungen

Wer eine Stoffwindelberatung in seiner Nähe sucht, kann im Internet-Suchportal www.stoffwindelberaterin.de entsprechende Angebote finden. Nadja Weiß bietet private Beratungen über ihre Website www.windel-piraten.de oder Telefon 0157/87 74 61 75 an.

Im Auftrag des Anbieters die-besten-stoffwindeln.de veranstaltet die Schönaicherin am Freitag, 29. November, und Montag, 16. Dezember, Workshops im Mütterzentrum an der Hindenburgstraße. Beginn ist jeweils um 15.30 Uhr. Den Link zur Anmeldung gibt es unter www.windel-piraten.de.

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