Maxi Frei aus Freiburg hat das Publikum überzeugt. Foto: Lichtgut/Julian Rettig

Der Science-Slam in Stuttgart zeigt: Wissenschaft kann Spaß machen. Sechs Forscher haben sich einen spannenden Wettstreit geliefert. Am Ende siegten zwei Wissenschaftler aus Freiburg.

Stuttgart - Freiburg ist gerade in. Im Fußball mischt der Sportclub derzeit ganz oben in der Bundesliga mit, und bei den süddeutschen Science-Slam-Meisterschaften gab es gar einen Freiburger Doppelsieg. Zwei Physiker aus der Breisgau-Metropole qualifizierten sich in Stuttgart für die deutsche Meisterschaft Ende November in Leipzig.

Es soll Menschen geben, die mit dem Projekt NaLuWiLeS, das für „Nano-Strukturen zur Lumineszenzverstärkung für die Wirkungsgradsteigerung von LEDs und Solarzellen“ steht, nicht besonders viel anfangen können. Und das eigentlich auch gar nicht anstreben. Dass sich am Mittwochabend trotzdem tausend Leute im ausverkauften Saal T1 des Stuttgarter Theaterhauses diesem Thema zumindest ein Stück weit annäherten und dabei sogar großen Spaß hatten, muss an der Form der Darbietung liegen.

Beim Science-Slam, von Moderator Rainer Holl als „Rockkonzert der Wissenschaft“ umschrieben, wird die Brücke zwischen Wissenschaft und Unterhaltung geschlagen.

Teamzusammenbrüche und der Mensch als Brennzelle

Der Rahmen ist schnell erklärt: Sechs Wissenschaftler haben jeweils zehn Minuten lang Zeit, ein Thema aus ihrem Forschungsgebiet vorzustellen. Bei ihrem Vortrag auf der Bühne dürfen sie technische Hilfsmittel wie an die Wand projizierte Bilder oder Grafiken verwenden. Aber das ist alles bloß Beiwerk zur großen Kunst, die richtigen Worte zu finden und Wissenschaftliches so rüberzubringen, dass auch normale Menschen folgen können und im besten Fall dabei noch bestens unterhalten werden. Die Wirkung aufs Publikum hat an einem solchen Abend eine entscheidende Bedeutung, schließlich bestimmen am Ende die Zuhörer auf den Rängen, welcher Vortrag der beste war und zum Sieger erklärt wird. Diesmal versuchten sich zwei Frauen und vier Männer. Die Münchner Sportpsychologin Vanessa Wergin nahm das Fußball-WM-Halbfinale 2014 Brasilien gegen Deutschland (1:7) als Forschungsinhalt für „Teamzusammenbrüche“. Maxi Frei, Mikrosystemtechnikerin aus Freiburg, präsentierte mit ihrem „Diät-Gerät“ den Menschen als lebende Biobrennstoffzelle, der bei seiner Verdauung so viel Strom produziert, dass man damit ein Handy aufladen kann. Dass das menschliche Gehirn eine „Fehlergegend“ beinhalte, führte der Eichstätter Psychologe Robert Steinhauser aus und sprach dabei ganz unverblümt von der „Fuck-Zentrale“. Der Münchner Raumfahrttechniker Lukas Pfeiffer stellte Parallelen zwischen dem Aufsammeln von Weltraumschrott und dem Dating von Frauen her. Mithilfe von durchsichtigen Solarzellen und gläsernen Sandwiches versuchte der Freiburger Physiker Fabian Spallek, Licht einzufangen. Und schließlich machte sich der Karlsruher Biologe Jens Rudat Gedanken über Mikroben im Weltall.

Abstimmungstechen um den zweiten Platz

Am Ende klatschte und johlte das Publikum am lautesten über Fabian Spalleks Licht-Theorien („Der Energieerhaltungssatz ist unsere Bibel“). Als Sieger erhielt er noch ein paar goldene Boxhandschuhe. Über den zweiten Platz musste ein Abstimmungsstechen entscheiden, aus dem Maxi Frei als Siegerin gegen Jens Rudat hervorging.

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