Der Gemeinderat (links) hat selbst das Werbeplakat aufgestellt. Foto: Breit, Schwabo

Empfingen hat mit einem Schild an der Autobahn einen Bürgermeister gesucht.

Empfingen - Am Sonntag wählt die 4000-Einwohner-Gemeinde Empfingen einen neuen Bürgermeister. Außerhalb des Kreises Freudenstadt, zu dem die Kommune gehört, wäre das wohl keine Nachricht, hätte sich der Gemeinderat im Vorfeld nicht so sehr ins Zeug gelegt. Man habe es eben nicht dem Zufall überlassen wollen, ob sich geeignete Kandidaten fänden, sagt der stellvertretende Bürgermeister Xaver Kleindienst. Deshalb hatte man nicht nur ein Inserat im „Staatsanzeiger“ geschaltet, sondern an die Autobahn ein riesiges Plakat gestellt: „Empfingen sucht Bürgermeister“. Alles Weitere war auf einer gleichnamigen Webseite und in einem eigens hergestellten Internetzeichentrickfilm zu erfahren.

Wer die 13 Bewerber sind

Der Erfolg der Aktion lässt sich an der Länge des Wahlzettels für den Sonntag ablesen. 13 Kandidaten stehen darauf, die das Erbe von Albert Schindler antreten wollen, der nach vier Amtszeiten und dem Erreichen der Altersgrenze nicht mehr weitermachen darf. Somit ist Empfingen weit und breit das am heißesten umkämpfte Pflaster. Doch die Hoffnung, durch die Aktion mehrere Kandidaten mit Verwaltungserfahrung auf den Wahlzettel zu bekommen, habe sich nicht erfüllt, räumt Kleindienst ein. Stattdessen liest sich das Kandidatentableau eher wie ein Querschnitt derer, die tagtäglich auf der A 81 an Empfingen vorbeibrausen: Ein Unternehmensberater ist darunter, ein ehemaliger Bundeswehrsoldat, eine Diplom-Mathematikerin, ein IT-Manager, eine Pflegefachkraft, ein Polizist, dazu der örtliche Fußballtrainer, ein angeblicher Reichsbürger und die Vorsitzende des Elternbeirats eines Wuppertaler Kindergartens. Ein wenig überraschend ist allerdings die Kandidatur eines Lokführers, schließlich hatte das Empfinger Riesenplakat nicht an den Gleisen der Gäubahn gestanden.

Einer hat auf alle Fälle nicht auf das Schild geschaut

Nach dem Verlauf der offiziellen Kandidatenvorstellung werden die besten Chancen aber doch dem einzigen Fachmann eingeräumt. Der 28-jährige Ferdinand Truffner arbeitet als Ortsvorsteher im Kirchheimer Ortsteil Nabern (Kreis Esslingen). Ob er bei einer Autobahnfahrt auf die Gemeinde aufmerksam wurde? „Nein.“ Immerhin: Es sei auch nicht der Stellenmarkt im „Staatsanzeiger“ gewesen. „Ich hatte die Gemeinde schon länger im Blick.“

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