Nach Schüssen auf einen Werkstattbesitzer sicherten Einsatzkräfte der Polizei den Tatort im Waiblinger Eisental. Foto: dpa/Sven Kohls

Die Staatsanwaltschaft wertet den brutalen Angriff von vier Brüdern auf einen Werkstattpächter im Waiblinger Eisental als einen gemeinschaftlichen Mordversuch. Ihnen wird seit Dienstag der Prozess vor dem Stuttgarter Landgericht gemacht.

Waiblingen/Stuttgart - Die Schüsse auf den 33-jährigen Pächter einer Autowerkstatt im Waiblinger Gewerbegebiet Eisental und die anschließende Fahndung nach den Tätern haben Anfang Januar für großes Aufsehen im Rems-Murr-Kreis und darüber hinaus gesorgt. Seit Dienstag wird vier Brüdern der Prozess vor der Ersten Großen Strafkammer des Stuttgarter Landgerichts gemacht. Die Anklage lautet auf versuchten Mord. Zweien der Brüder wird vorgeworfen, auf ihr Opfer eingeschlagen, -getreten, -gestochen und auf ihn geschossen zu haben, um ihn zu töten, während die anderen beiden draußen Schmiere gestanden haben sollen.

Tätern gelingt zunächst die Flucht

Am 7. Januar, kurz vor Mittag, war ein Notruf bei der Polizei eingegangen. Anwohner meldeten, einen heftigen Streit und danach Schüsse gehört zu haben. Mehrere Streifen rückten aus, sie fanden den inzwischen 34-Jährigen schwer verletzt in seiner Mietwerkstatt liegen. Er war offenbar von mehreren Kugeln getroffen worden, unter anderem am Kopf. Den Tätern gelang zunächst die Flucht – trotz einer groß angelegten Fahndung, an der zahlreiche Beamte teilnahmen und bei der unter anderem auch ein Hubschrauber eingesetzt wurde.

Auch wenn das lebensgefährlich verletzte Opfer nicht vernehmungsfähig war, hatte die Polizei allerdings offenkundig eine Spur. Es sei wohl nicht von einem zufälligen Ereignis auszugehen, hieß es schon kurz nach den Ereignissen. Täter und Opfer hätten sich gekannt, es gebe eine Vorgeschichte.

Nach vier Tagen stellt sich ein 27-Jähriger der Polizei

Durchsuchungen von drei Häusern in Waiblingen, Korb sowie in Stuttgart-Wangen durch Spezialkräfte brachten zunächst keinen Erfolg, jedenfalls keine Festnahme. Die Polizei richtete eine Sonderkommission ein, der in der Folge im Schnitt 50, teilweise sogar noch mehr Ermittler angehörten. Vier Tage nach den Hausdurchsuchungen stellte sich einer der Brüder freiwillig bei der Polizei, nach den drei anderen Tatverdächtigen wurde mit einem internationalen Haftbefehl gesucht. Eine Woche später wurden die Fotos und Namen der Männer im Alter zwischen 23 und 29 Jahren veröffentlicht. Kurze Zeit später meldeten auch sie sich bei der Polizei – offenbar in Bielefeld, wie schon ihr 27-jähriger Bruder.

Das Opfer schwebte noch mehrere Tage nach den Schüssen in Lebensgefahr. Es gehe ihm gut, sagte der Mann jetzt auf Nachfrage am Rande der Verhandlung, die im Landgerichtsgebäude neben der Justizvollzugsanstalt Stammheim abgehalten wurde. Sein Stuttgarter Rechtsbeistand Christian Arnsberger, der die Nebenklage vertritt, betonte jedoch, dass sein Mandant „dem Tod noch gerade mal so von der Schippe gesprungen“ sei.

Insgesamt sind 16 Verhandlungstage angesetzt

Am ersten Prozesstag wurde in Stammheim lediglich die Anklage verlesen. Die Staatsanwaltschaft Stuttgart beschuldigt demnach alle vier Brüder des versuchten Mordes. Der 27-Jährige, der sich zuerst der Polizei gestellt hat, soll die Schüsse abgegeben haben. Die Aktion soll Rache für eine Auseinandersetzung gewesen sein, die sich mutmaßlich zwei bis drei Wochen zuvor ereignet hat. Letztlich soll es dabei um Geld gegangen sein.

Von einem umfassenden Geständnis der Angeklagten ist wohl nicht auszugehen. Die Kammer hat bereits 15 weitere Termine anberaumt, sodass sich der Prozess bis in den Februar des kommenden Jahres ziehen könnte. Der Rechtsbeistand des 27-jährigen mutmaßlichen Schützen, Thomas Raich aus Backnang, hat auf Nachfrage allerdings durchblicken lassen, dass sich sein Mandant möglicherweise zu einem späteren Zeitpunkt des Verfahrens zu den Vorwürfen äußern werde.

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