Der Einsatzleiter Christoph Rottner zeigt die gefährliche Bombe. Foto: 7aktuell.de/Marc Gruber

Die am Sonntag entschärfte Bombe dürfte nicht die einzige ihrer Art im Wald bei Böblingen gewesen sein, sagt der Experte. Spaziergänger müssten sich aber keine Sorgen machen.

Schönaich/Böblingen - Auch für die Experten des Kampfmittelbeseitigungsdienstes war der Einsatz am Sonntag im Wald zwischen Schönaich und Böblingen ein ganz besonderer. Denn sie haben eine Bombe entschärft, die als sehr gefährlich gilt: eine mit einem chemischen Langzeitzünder. Die Gefahr, dass sie hochgeht während die Fachleute versuchen, den Zünder zu ziehen, ist groß. Mehrere tödliche Unfälle hat es in vergangenen Jahren gegeben.

Entsprechend vorsichtig arbeiteten die Bombenräumer am Sonntag. Mit einem Team von sechs Leuten waren sie vor Ort, Doch immer nur zwei, maximal drei waren direkt am Sprengkörper. „Meine Devise ist: immer sowenig Leute wie möglich,“ sagt Christoph Rottner, der Einsatzleiter.

Seit dem Kriegsende wurden neun Bomben im Wald geborgen

Eher zufällig waren die Experten auf die Bombe gestoßen, nachdem ein Spaziergänger einen verdächtigen Fund gemeldet hatte. Es ist vermutlich nicht die einzige Bombe, die dort im Wald lagert. Rottner hat die Unterlagen der Alliierten. Diese notierten, dass sie bei einem Angriff am 1. März 1945 insgesamt 172 Bomben in dem Gebiet abgeworfen haben, davon 22 mit chemischem Langzeitzünder. Ihr Ziel war die nahe Panzerkaserne, wo die Wehrmacht saß.

„Seit dem Krieg haben wir dort im Wald neun Bomben geborgen, davon sechs mit Langzeitzünder“, sagt Rottner. Auch wenn er nicht wisse, wie viele während des Kriegs noch geborgen worden seien, geht er davon aus, dass dort noch einiges an explosivem Material im Waldboden lagert. Spazierengehen könne man aber schon, meint er. „Es gab im Kreis Böblingen noch keine Selbstdetonation einer Bombe.“ Anderswo freilich schon. „Aber das kommt in Deutschland selten vor.“

33 Leute sind beim Kampfmittelbeseitigungsdienst im Sindelfinger Wald beschäftigt. Die Truppe ist für ganz Baden-Württemberg zuständig. Zum Stab gehören auch sechs Mitarbeiter, die ausschließlich damit beschäftigt sind, Luftbilder der Alliierten aus den Zweiten Weltkrieg auszuwerten, die diese vor und nach Bombenabwürfen gemacht haben. Daran können die Experten erkennen, wo vielleicht eine Bombe liegt, die nicht explodiert ist.

Vier Großeinsätze 2017 im Kreis Böblingen

Zum Einsatz kommen die Bildauswerter vor allem bei Bauvorhaben. Dann prüfen sie, ob im Baugrund vielleicht eine Bombe schlummert. Christoph Rottner sagt aber, um betroffene Gebiete systematisch auszuwerten, habe man „weder die Zeit noch das Personal.“. Im Schönaicher Wald würde das auch nichts helfen. „Da sieht man auf den Bildern wegen der Bäume nichts.“

Insgesamt 1500 Einsätze habe man pro Jahr, sagt Rottner, darunter aber auch viele kleinere Einsätze wie die Funde von Granaten. 19-mal mussten die ausgebildeten Feuerwerker und Munitionsvorabeiter in diesem Jahr bei heiklen Bombenentschärfungen ran, davon allein viermal im Kreis Böblingen. Hier lag auch die gefährlichste: die mit dem chemischen Langzeitzünder.

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