Schneechaos auf A 8 Richtung Stuttgart Rettungskräfte schildern ihren dramatischen Einsatz

Von Christine Keck 

Wegen Schnee und Eisglätte steckten Auto- und Lastwagenfahrer in der Nacht zum Donnerstag auf der A 8 zwischen Ulm und Mühlhausen im Täle fest. Liegengebliebene Lastwagen hatten die Straßen blockiert.

Mühlhausen im Täle - Auf der Autobahn hat Stefan Kiemel die Nacht von Mittwoch auf Donnerstag verbracht. Der 49-Jährige saß am Steuer eines 14 Tonnen schweren Einsatzfahrzeuges des Technischen Hilfswerks (THW) und schleppte zusammen mit seinen Kollegen Lastwagen von der A 8. „Die LKW standen auf vier Spuren, selbst die Standspur war blockiert“, erzählt der THW-Dienststellenleiter aus Ulm, so etwas habe er noch nie gesehen. Zwei leichte Steigungen und reichlich Glatteis bei der Raststätte Aichen und bei Hohenstadt hätten gereicht, um den gesamten Verkehr zu stoppen. „Da ging nichts mehr“, sagt Kiemel. Er hatte sich über eine Behelfsausfahrt mit Blaulicht und Allradantrieb mühsam den Weg gebahnt zu den Festsitzenden. „Wir mussten teilweise durch Schneewehen, die einen halben Meter hoch waren.“

Schneefall und Eisglätte

Wegen des starken Schneefalls und Eisglätte staute sich von 20 Uhr an der Verkehr auf der A 8 in Richtung Stuttgart zwischen Ulm und Mühlhausen im Täle auf 35 Kilometer Länge. Stundenlang war Stillstand, Hunderte Auto- und Lastwagenfahrer mussten die Nacht bei Minusgraden im Wagen verbringen. Fahrzeuge waren ins Rutschen gekommen, standen quer auf der Straße oder hingen wegen der spiegelglatten Fahrbahn auf Steigungen fest. „Das war der schlimmste Stau bisher in diesem Winter“, sagt Claudia Kappeler vom Polizeipräsidium Ulm. „Es fing mit zähem Verkehr an, stockte immer mehr“, schließlich sei gar nichts mehr gegangen.

Auf der Höhe von Dornstadt starb gegen 22  Uhr eine Frau in ihrem Auto. Ein Fremdverschulden schließt die Polizei aus. Der Wagen der 54-Jährigen stand auf dem Mittelstreifen im Stau. Als der Verkehr sich kurzfristig etwas entspannte und die Autos weiterfahren konnten, blieb der Wagen als einziger stehen. „Das ist einem anderen Autofahrer aufgefallen“, sagt Polizeisprecherin Kappeler. „Er sah die Frau reglos auf der Fahrerseite sitzen und alarmierte die Rettungskräfte.“ Woran die Frau genau gestorben ist, wird noch ermittelt.

Reichlich Kaffee und Zigaretten

„Die Zusammenarbeit der Rettungskräfte hat insgesamt gut funktioniert“, betont Kappeler. Es seien am Abend und in der Nacht mehrere Polizeifahrzeuge im Einsatz gewesen. Der Räumdienst der Autobahnmeisterei habe die Straßen von Schnee befreit und gestreut. Helfer des Deutschen Roten Kreuzes hätten Decken und heiße Getränke an die Wartenden verteilt. Auch etliche Anrufe von Autofahrern aus dem Stau seien bei der Polizei eingegangen. „Wir haben die Anrufer beruhigt und ihnen gesagt, dass Rettungskräfte unterwegs sind“, beschreibt Kappeler die Lage. Aufgelöst habe sich der Stau erst am Donnerstagmorgen gegen fünf Uhr.

Ebenfalls um den Schlaf gekommen ist Tobias Fischer, Zugführer beim THW Gruibingen. Er koordinierte vom Autobahnpolizeirevier in Mühlhausen im Täle aus die Arbeit seiner Kollegen. Mit reichlich Kaffee und Zigaretten hielt er sich wach, über Funk war er die ganze Nacht über in Kontakt mit den rund 30 THW-Einsatzkräften. „Wenn ein Lastwagen auf glatter Fahrbahn zum Stillstand kommt, hat er es oft schwer, wieder anzufahren“, sagt Fischer. Da könne man dem Gros der Fahrer keinen Vorwurf machen, das Problem sei vor allem witterungsbedingt. Immer wieder hätten seine Kollegen schlafende Lastwagenfahrer auf der Autobahn wecken müssen. Um ihre gesetzlich vorgeschrieben Ruhezeiten einzuhalten, hätten die sich für ein Nickerchen hingelegt.

Bis zum Wochenende bleibt es winterlich

Bei Winterwetter rät der ADAC zu gedrosselter Geschwindigkeit, der Abstand zum Vordermann sollte groß genug sein. Niedertouriges Fahren im hohen Gang erleichtert das Weiterkommen auf glatten Straßen – am besten im zweiten Gang anfahren. Ist die Fahrbahn mit Eis überzogen, hilft nur eins: das Auto stehen lassen und auf den Straßendienst warten. Die Haftung zwischen Reifen und Straße ist gleich null. Autofahrer sollten keine ruckartige Lenkbewegungen auf rutschigen Straßen machen. Kommt das Fahrzeug auf gerader Strecke trotzdem ins Schleudern, auskuppeln, bremsen und schnell, aber gefühlvoll gegenlenken.

Das winterliche Wetter wird in Baden-Württemberg nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes (DWD) Bestand haben. Es müsse auch in den kommenden Tagen mit Schnee und Glatteis gerechnet werden, sagte ein Sprecher. Die Polizei rief Autofahrer dazu auf, nur noch mit Winterausrüstung unterwegs zu sei. Erst am Wochenende wird den Meteorologen zufolge der Schnee allmählich in Regen übergehen

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