Die Polizei wartet auf Ergebnisse der DNA-Untersuchung. Foto: dpa

Die Polizei weiß noch nichts über die Identität eines Menschen, dessen Schädel unterhalb der Wangener Höhe gefunden wurde. Experten stellen erstaunlich präzise Erkenntnisse in Aussicht.

Stuttgart - Bei der Identifizierung eines bei Wangen gefundenen menschlichen Schädels setzt die Polizei ihre Hoffnung auf die Ergebnisse einer DNA-Analyse. Diese genetische Spur kann viel über den Menschen verraten. Zunächst jedoch werde sie mit Vermisstendatenbanken abgeglichen, meldet die Polizei.

Am Dienstag hatte ein Spaziergänger auf einem Pfad zwischen Gartengrundstücken unterhalb der Wangener Höhe einen Schädel gefunden, der völlig skelettiert war. Die Polizei fand beim Absuchen des Gebiets auch noch einen Unterkiefer. Der Rest des Skelettes fehlt.

„Es ist höchst spannend, was man aus einer DNA-Spur heute alles lesen kann“, sagt Alexander Bosse, Ärztlicher Direktor des Instituts für Pathologie am Katharinenhospital. Seine Abteilung untersucht solche Fälle. Im Prinzip könne man eine Personenbeschreibung des oder der Toten erstellen: Hautfarbe, Augenfarbe, Haarfarbe und Herkunft – etwa Eurasier, Afrikaner oder Asiate –, all das könne man aus dem genetischen Fingerabdruck herauslesen, erläutert Bosse. Nicht in allen Fällen dürfe man solche Merkmale abfragen, sagt ein Sprecher der Stuttgarter Polizei. Dafür müsse ein begründeter Ermittlungsansatz bestehen.

In Zähnen wird das Material gut bewahrt

Der aktuelle Fall erinnert den Fachmann an den Fund eines Skelettes in Heilbronn vor ein paar Monaten: „Da konnte man eine DNA-Spur gewinnen“. Das Skelett habe zwar auf einer Geldbörse gelegen, in der noch ein Ausweisdokument steckte. Absolute Sicherheit, dass diese Papiere auch zum Toten am Neckarufer gehörten, gab dann aber erst die DNA-Analyse. „Da der Mann vorbestraft war, war sein genetischer Fingerabdruck in unserer Datei hinterlegt“, sagt Alexander Bosse. Der Mann war drei Jahre vor dem Skelettfund verschwunden.

So könnte man auch im vorliegenden Fall auf die Identität kommen. Die Chancen stünden gut. Denn Zähne seien die besten Konservatoren für DNA, die seien auch beim Wangener Schädel erhalten. Wenn der Mensch vermisst wäre, könnte man auch hier über die DNA-Spur auf die Identität kommen, da mit dieser Methode auch in solchen Fällen gearbeitet werde. DNA-Spuren können zum weiteren Vergleich auch aus Haarbürsten oder Zahnbürsten gewonnen werden.

Ein ähnlicher Fall einer Vermissten im Schwarzwald-Baar-Kreis wurde nun nach 19 Jahren aufgeklärt: Die Polizei geht nach dem Fund von Skelettteilen vom Tod der Frau aus. Laut Polizeiangaben fand ein spielendes Kind in Niedereschach an einem Bachufer einen menschlichen Kiefer. Bei diesem handelt es sich um den Unterkiefer der Vermissten. Die damals 27-Jährige verließ an Heiligabend 1999 zu Fuß ihr Zuhause und kehrte nicht mehr zurück. Mehrere Suchaktionen waren erfolglos geblieben. Von einem Gewaltverbrechen ging die Polizei 1999 nicht aus. Vermutlich habe es sich um ein Unfall oder einen Suizid gehandelt, so ein Polizeisprecher.

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