Die Oper in Stuttgart ist sanierungsbedürftig – doch das wird teuer. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Stadt und Land haben am Dienstagabend eine Kostenkalkulation vorgestellt. Demnach werden allein die Modernisierung des historischen Littmann-Baus und der Neubau des Kulissengebäudes auf bis zu 960 Millionen Euro geschätzt.

Stuttgart - Nun liegen die Zahlen auf dem Tisch. Mehr als eine Milliarde Euro könnten die Sanierung und Erweiterung der Staatsoper nach Informationen unserer Zeitung kosten. Am Dienstagabend haben Stuttgarts Oberbürgermeister Fritz Kuhn und Finanzstaatssekretärin Gisela Splett (beide Grüne) dem Verwaltungsrat der Württembergischen Staatstheater erstmals eine belastbare Kostenkalkulation präsentiert.

Die Modernisierung des historischen Littmann-Baus sowie der Neubau eines Kulissengebäudes entlang der Konrad-Adenauer-Straße schlagen demnach mit 740 Millionen bis 960 Millionen Euro zu Buche. Hinzu kommen 104 Millionen Euro für den Bau einer Ersatzspielstätte nördlich der Wagenhallen.

Die Kostenschätzungen schwankten zuletzt zwischen 500 Millionen und einer Milliarde Euro. Zu Beginn der Diskussion über die Sanierung der Staatsoper 2014 war man noch von mehr als 300 Millionen Euro ausgegangen. Schon im Jahr 1999 hatte der Verwaltungsrat der Staatstheater grundsätzlich Sanierungsbedarf an Kleinem und Großem Haus erkannt.

Die Stadt will den Modulbau nördlich der Wagenhallen nach der Opern-Interimszeit weiterveräußern und rechnet dabei mit einem Wiederverkaufswert von knapp 20 Millionen Euro. Die Gesamtkosten teilen sich Stadt und Land als Träger der Staatsoper jeweils zur Hälfte auf.

Zeit „reif, sich festzulegen“

Die Werkstätten, Verwaltung und technischen Einrichtungen für Oper und Ballett sollen separat in zwei fünfgeschossigen Gebäuden untergebracht werden. Diese würden von der Landeshauptstadt auf eigene Kosten (84 Millionen Euro) im Vorgriff auf das geplante Rosensteinquartier auf dem C-1-Areal des Bahnprojekts Stuttgart 21 errichtet und später als Bestandteil der sogenannten Maker-City – eines überwiegend für die Kreativwirtschaft gedachten Quartiers – weiter genutzt werden. Kunstministerin Theresia Bauer nannte die Zeit „reif, sich festzulegen“. Stuttgarts Oberbürgermeister Fritz Kuhn nannte das Dreispartenhaus einen „Schatz“, um den er kämpfen werde.

Bis zur nächsten Sitzung des Verwaltungsrats im März 2020 braucht es nun einen Grundsatzbeschluss des Stuttgarter Gemeinderats über das Gesamtprojekt, damit vor allem der Bau der Interimsspielstätte zügig angegangen werden kann. Nur dann lässt sich der ehrgeizige Zeitplan halten, wonach Oper und Ballett 2025 umziehen und der Umbau des Littmann-Baus angegangen wird.

Ob es im Stuttgarter Gemeinderat ­angesichts der Großinvestition eine Mehrheit für das Vorhaben geben wird, ist ­keineswegs ausgemacht, aber auch die grün-schwarze Landtagsmehrheit gerät möglicherweise in Rechtfertigungszwang.

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