Einer der von Rosswag eingesetzten 3-D-Drucker. Foto: Rosswag

Die Firma Rosswag aus Pfinztal bei Karlsruhe, der diesjährige Sieger beim Rudolf-Eberle-Innovationspreis des Landes, verbindet Schmiedetechnik mit 3D-Druck.

Stuttgart - Alt und neu, Tradition und Moderne. Der diesjährige Hauptgewinner des Rudolf-Eberle-Preises verbindet exakt, was die Innovationsauszeichnung des Landes Baden-Württemberg würdigen soll. Die 1911 gegründete Firma Rosswag aus dem 18 000-Einwohner-Ort Pfinztal bei Karlsruhe ist ein Familienunternehmen in fünfter Generation. Mit nur 200 Mitarbeitern besetzt das Unternehmen eine hochtechnologische Nische und ist im seinem Bereich der Weltmarktführer – also einer der im Südwesten typischen, mittelständischen „hidden Champions“, der versteckten Champions im Land. Die in maßgefertigten Einzelexemplaren oder Kleinserien hergestellten Produkte von Rosswag reichen von Bauteilen für den Flugzeugbau, für die Raumfahrt oder für Züge bis hin zu Klöppeln für Kirchenglocken. Schmiedeteile von Rosswag findet man im Airbus A 380, dem ICE oder auch bei der Formel 1.

Althergebrachte und moderne Fertigungstechnologie in einem

25 000 Euro Preisgeld sind nun der Lohn für ein „Verfahren zur Herstellung von hybriden Schmiede-/3-D-Druck-Bauteilen“, wie es in der Beschreibung der Finalisten heißt. Sven Donisi, einer der drei Geschäftsführer des Familienunternehmens beschreibt dies so: „Wir verbinden das althergebrachte Schmiedehandwerk mit modernster Fertigungstechnologie.“

Bei dem innovativen Verfahren wird ein Basisteil in Schmiedetechnik hergestellt. Weitere Komponenten kommen hingegen aus dem 3-D-Drucker. Bei dem seit einigen Jahren die Fertigungstechnologie revolutionierenden 3-D-Druck können vom Kunststoff bis zum Metall unterschiedlichste Materialen äußerst flexibel zu Objekten und Bauteilen geformt werden. Das Ausgangsmaterial wird als Pulver in den Drucker eingefüllt und kommt dreidimensional und perfekt geformt aus einer speziellen Druckerdüse heraus. Rosswag kombiniert nun erstmals alte und neue Herstellungsmethoden bei demselben Bauteil.

Völlig neue Bauteileigenschaften werden möglich

Mithilfe der preisgekrönten Technologie können nun beispielsweise Hightech-Turbinen hergestellt werden. Die Turbinenschaufeln kommen aus dem 3-D-Drucker und werden schon beim Druckvorgang mit dem geschmiedeten so genannten Grundkörper verbunden – ohne dass sie extra angeschweißt werden müssen.

Alles laufe in einem ganzheitlichen Prozess ab, sagt Donisi: „Sie können dank des 3-D-Drucks das Bauteil komplexer formen und gestalten.“ Wenn man etwa Rillen und Kanäle im Bauteil haben wolle, dann könne man die so nun einfacher produzieren. „Das ergibt dann Produkte mit ganz neuen Möglichkeiten“, erklärt der Geschäftsführer von Rosswag. Während aber in der klassischen Schmiedetechnik Bauteile mit einem Gewicht von bis zu mehr als vier Tonnen produziert werden, ist die Kombination mit dem 3-D-Druck auf Bauteilgröße von maximal knapp 30 Zentimeter Kantenlänge beschränkt.

Schmiedeabfälle werden zu 3D-Druckmaterial

Ein weiterer Clou der Methode von Rosswag ist die Tatsache, dass man für das Material, das dann beim 3D-Druck verwendet wird die Reste verwenden kann, die beim Schmieden anfallen. Diese werden dann in ein Metallpulver verwandelt und in den 3-D-Drucker eingefüllt. Das hat eher nebenbei ökologische Gründe. Es führt vor allem dazu, dass das traditionell geschmiedete und das modern gedruckte Bestandteil aus absolut demselben Material besteht. „Das führt dann etwa zu homogenen Materialeigenschaften, was die Weiterverarbeitung einfacher macht“, sagt Donisi.

Bei dem neuen Verfahren profitiere man von einem typisch baden-württembergische Kompetenzvorsprung: der langjährigen Erfahrung mit Produktionstechnologien, sagt der Rosswag-Geschäftsführer. 3-D-Drucker würden heutzutage vielerorts entwickelt. Aber es gebe eben nur wenige Konkurrenten, die diese Erfahrung hätten. Und bei der Kombination von 3-D-Druck und Schmiedetechnologie habe man sogar ein Alleinstellungsmerkmal. „Und nur durch Schmieden können Sie ganz bestimmte Materialeigenschaften erreichten – das stirbt nicht aus“, sagt Donisi. Und so wird es in der Fabrik auch weiter glühend heiße Schmelzöfen und laute Schmiedegeräusche geben. „Unsere 3-D-Drucker stehen natürlich woanders“, sagt Donisi lachend.

Freiraum für neue Gedanken

Innovationen müssten schneller in den Markt gelangen sagte die Landeswirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut bei der Preisverleihung in Stuttgart: „Es braucht ständig neuen Anlauf, wenn wir die die führende Innovationsregion Europas bleiben wollen.“

Es sei eine langfristige, strategische Entscheidung gewesen, diese neue Technologie zu entwickeln: „Wir denken da als Familienunternehmen nicht in Quartalen“, sagt Donisi. Rosswag hat für Innovation den nötigen Freiraum geschaffen: „Wir wollen, dass sich unsere Ingenieure zu zwanzig Prozent ihrer Arbeitszeit mit neuen Bauteilen und Prozessen befassen, die unser Tagesgeschäft nur streifen.“

Abheben wird man in Pfinztal aber mit der neuen Technologie auch nach der Preisverleihung nicht. Massives Wachstum, gar der Einstieg von Investoren ist kein Thema: „Eile mit Weile, Wachsen mit Bedacht“ – das soll laut Donisi auch künftig das Prinzip bleiben.

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