Die „School of Rock“ in ihrem Probenraum. Foto: Annegret Jacobs

Sie lernen Instrumente und auf Englisch zu singen: Die Schüler der Schulband „School of Rock“ der Vaihinger Bodelschwinghschule für Schüler mit Behinderung lassen seit mehr als 15 Jahren im Probenraum die Saiten krachen.

Vaihingen - Erstmal eine Pressekonferenz. So gehört es sich für eine Rockband. Die Musiker von School of Rock haben sich dazu im Keller der Bodelschwingh-schule versammelt: die alte Garde, die die Vaihinger Schule für Schüler mit Behinderung bereits verlassen haben und diejenigen, die aktuell jeden Donnerstag im Proberaum an der E-Gitarre, am Keyboard und am Schlagzeug zum Rockmusiker werden.

„Was wollen Sie von uns wissen?“, fragt Mustafa. Der 20-Jährige gehört zu alten Garde, hat die Cajón gespielt, eine Kistentrommel aus Holz. Weit weg waren sie schon; bis auf ein Straßenfest in die Stuttgarter Partnerstadt Brünn in Tschechien hat eine Tournee die School of Rock geführt. So weit weg war das, dass nicht mal mehr der Lehrer Andreas Bernhardt die dortige Sprache sprechen konnte.

Skepsis zu Beginn

1995 hatte Bernhardt die Idee, mit den behinderten Schülern an der Bodelschwinghschule eine Rockband zu gründen. Skepsis schlug ihm damals entgegen. Wie lernen Schüler mit Behinderung das Spielen mit Instrumenten? An der Bodelschwinghschule wird kein Englisch unterrichtet – wie schaffen es die Schüler, englische Texte zu singen? Wenn schon, dann soll es auch nach etwas klingen.

Die Auftritte sollen gut sein, das sieht Andreas Bernhardt genauso. Seine Zweifel waren aber viel geringer. „Da kam direkt so viel an Begeisterung von den Schülern zurück.“ Das war der Motor für sein Engagement. Ein Instrument konnte vorab tatsächlich keiner der Schüler spielen. Der ersten Formation brachte Bernhardt den Umgang mit E-Gitarre und Schlagzeug nach und nach während den Proben bei. Die meisten Bandmitglieder heute haben den Umgang mit den Instrumenten während der Schulzeit in der Schulband-AG gelernt. Wer weitermachen will und Selbstfahrer ist, also alleine mit den öffentlichen Verkehrsmitteln nach Hause kommt, darf bei School of Rock mitmachen. Denn die Proben im Schulkeller finden außerhalb der Schulzeit statt. „Das ist für die Schüler eine unheimliche Motivation, Selbstfahrer zu werden“, sagt Bernhardt.

Die Instrumente werden speziell präpariert

„So“, sagt der Lehrer und stemmt im Probenraum die Hände in die Hüften. „Wollen wir heute das Licht aufbauen?“ Lautstarke Zustimmung von den Schülern. Bernhardt schraubt an den Ständern fürs Licht herum; die Schüler greifen nach den Gitarren. Eine ganze Bandausrüstung ist mit den Jahren zusammengekommen. Manches hat sich die Band aus ihren Auftrittshonoraren zusammengekauft; ausrangierte Gitarren von Musikschulen und anderen Spendern hat Bernhardt für School of Rock umgebaut. Manche Gitarren haben weniger Saiten, auf allen kleben hinten – auf dem Bundstab – bunte Punkte: kleine Hilfen, um den richtigen Akkord zu greifen. Bunte Punkte kleben auch auf den Keyboard-Tasten. Und die Lieder, die Bernhardt für die Schüler arrangiert, teilt er nicht auf Notenblättern aus. Auch hier zeigen farbige Punkte den Musikern, welche Taste es zu greifen gilt.

„Manche Stücke sind einfach zu schwierig“, sagt Bernhardt. Oder sie kommen nicht so recht an. Dann arrangiert er sie neu – oder lässt sie ganz weg. „Wenn aber ein Stück den vollen Rückhalt der Schüler hat, proben sie so lange, bis es sitzt.“

Auch Texte von Casting-Sternchen

Deswegen lässt er zumeist die Schüler bestimmen, was gespielt wird. Wer eine CD von daheim mitbringt, darf Vorschläge machen. Das führt dazu, dass Bernhardt – ein eingefleischter Rock-Fan – im vergangenen Jahr mehrfach Stücke von Casting-Sternchen wie Pietro Lombardi arrangiert hat. Und Liedtexte in Englisch? „Kein Problem“, sagt der Sänger Marco, 21 Jahre alt. „Ich höre mir das ein paar Mal an, dann kenne ich den Text auswendig.“ Ähnlich versiert in der fremden Sprache ist auch die 18-jährige Susanne. Sie ist in der Band die Nachfolgerin von Marco. Ein Beweis? Es wird kurz eingezählt, dann wummert das Stück „An Angel“, im Original von der Kelly Family, aus den Boxen.

Der nächste Auftritt ist fix: Im Mai tritt die Band beim Frühlingsfest der Nachbarn, der Freien Evangelischen Schule, auf.

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