Revolverheld-Sänger Johannes Strate macht Party im Wizemann. Foto: Lichtgut-Oliver Willikonsky

Die vier Revolverhelden haben für die erste Generation, die nach der Jahrtausendwende studierte, eine Handvoll Hymnen geschrieben. Heute sind die Musiker und ihre Fans lange schon weit über 30 und teilten sich im Wizemann Erinnerungen, die sie feiern können.

Stuttgart - „Wir haben uns noch nicht vorgestellt!“ ruft Johannes Strate hinaus, ins Wizemann. Strate ist der Sänger von Revolverheld, und vorstellen müssen die sich längst nicht mehr. Das Wizemann ist voll am Mittwochabend, rund 550 Fans drängen sich darin, kennen die Band, kennen die Lieder, sind in bester Stimmung. Revolverheld gründeten sich 2002 unter anderem Namen, heißen Revolverheld seit 2004, wurden Stars 2005. 2018 sind sie eine deutsche Band mit einer Geschichte. „Wir sind richtig, richtig alt!“, verkündet Strate mit viel Ironie. Die vier aus dem Norden, gefördert einst von der Pop-Akademie Baden-Württemberg, haben eine Handvoll Hymnen geschrieben für die erste Generation, die nach der Jahrtausendwende studierte. Heute sind Revolverheld und ihre Fans lange schon weit über 30 und teilen sich Erinnerungen, die sie feiern können.

Johannes Strate wurde 1980 geboren, Gitarrist Kristoffer Hünecke schon 1978. Sie wuchsen auf in einer Zeit, in der der Grunge aus allen Boxen drängte; ihren Deutschrock hat er deutlich mitgeprägt. Zwischen den jungen Popbands des Landes kommen Revolverheld daher als kleine Dinosaurier; Strate wispert nicht ins Mikrofon wie manch ein neuer deutscher Songwriter, sondern singt mit voller Stimme, sein Publikum nur singt noch viel lauter. Die Refrains laden ein dazu, die Gitarren hämmern, die Melodien packen und die Texte kommen aus dem Bauch.

Und der Saal tanzt

„Wir wollten wieder einmal in den kleinen Clubs spielen“, verrät der Sänger – die Termine für die größeren Hallen stehen schon, im nächsten März treten Revolverheld in der Hanns-Martin-Schleyer-Halle auf. Vier Jahre ließ die Band sich Zeit für ihr neues Album, ein Jahr lang war sie nicht auf Tour. „Zimmer mit Blick“ wurde zum bestplatzierten Album in Revolverhelds Laufbahn – viel geändert hat sich dabei aber nicht an ihrer Musik. Das alte Rezept funktioniert noch bestens, die neuen Songs, die zu einem guten Drittel das Konzert bestimmen, fügen sich nahtlos an die bekannten Hits. „Immer noch fühlen“ und „Sieben Seelen“ sind aktuelle Stücke, mit denen die Band einsteigt, dann folgt mit „Spinner“ ein Klassiker, dann „Das Herz schlägt bis zum Hals“, der Song aus dem Kinohit „Dieses bescheuerte Herz.“

Strate, Hünecke, Niels Kristian Hansen an der zweiten Gitarre, Jakob Sinn hinterm Schlagzeug, sind lockere Typen geblieben, hemdsärmlig und bodenständig, selbstsicherer denn je; sie grinsen, schäkern, witzeln über Chris de Burgh und bringen den Saal zum Tanzen. „Scheiß auf Freunde bleiben“ hieß ein früher großer Hit, der alle meint, den alle singen, der alle wieder jünger macht. „Ich werde nie erwachsen“ heißt ein anderer, und gibt acht Jahre später noch immer die selbe Richtung vor – „Das kann uns keiner nehmen“, fünf Jahre ist es her, steht auf vielen T-Shirts.

„So wie jetzt wird‘s nie wieder sein“, singen alle im Chor zum trockenen Schlagzeug, dann steigt Johannes Strate wieder ein, mit rauer Kehle, schlichter Zeile, legen Revolverheld wieder los mit ihren elektrisch verstärkten Lagerfeuergitarren. Die Welt nicht retten, aber doch verändern wollten sie schon lange vor Tim Bendzko – und mit mehr Humor. Der geht ihnen ohnehin nicht ab. „Hamburg“, erzählt Johannes Strate seinen Fans im Wizemann, „ist verkehrstechnisch die zweitbescheuertste Stadt in Deutschland“ – auch so kann man Stuttgart Komplimente machen.

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