Selbst auf Stoppsignale der Polizei reagierte der Busfahrer nicht mehr. Foto: Phillip Weingand / STZN

Ein mit mehr als 70 Schülern besetzter Reisebus fährt über die B 14. Am Steuer: Ein Fahrer mit Schlaganfall, der auf nichts mehr reagiert. Selbst die Polizei ist machtlos – Lehrer verhindern schließlich ein Unglück.

Rems-Murr-Kreis - Um ein Haar hätte sich am Freitag auf der B 14 im Rems-Murr-Kreis eine Katastrophe ereignet: Der Fahrer eines mit 73 Reisenden besetzten Doppeldeckerbusses hatte einen Schlaganfall erlitten und hielt nicht an – das Fahrzeug konnte nur mit größter Mühe gestoppt werden.

Der Bus war gegen 6 Uhr bei der Gewerblichen Schule Backnang losgefahren. Die 16- bis 25-jährigen Schüler wollten anlässlich eines Wintersport-Tags ins Montafon. Doch kurz nach der Abfahrt wählte ein Lehrer auf seinem Handy den Notruf. Er sagte der Polizei, der Reisebus-Fahrer sei trotz noch geöffneter Klappen am Gepäckraum losgefahren, er reagiere nicht auf Ansprache und fahre immer weiter. Auch Hupzeichen anderer Autofahrer, die die offenen Klappen bemerkt hatten, ließen den Fahrer unbeeindruckt.

Blaulicht und Stoppsignale zeigen keine Wirkung

Die Polizei entdeckte den Reisebus auf der B 14 – doch der Fahrer zeigte auf das Blaulicht und das „Bitte Folgen“-Signal eines Streifenwagens keine Reaktion. Der Bus passierte die Ausfahrten Winnenden, Schwaikheim und Waiblingen-Nord und fuhr mit einer Geschwindigkeit von 60 bis 80 Stundenkilometern in Richtung Stuttgart weiter. Erst bei der Ausfahrt Waiblingen-Mitte gelang es Lehrern, den Fahrer zum Abbremsen zu bringen. Der Bus stoppte auf dem Verzögerungsstreifen.

Während Polizisten den Fahrer sofort nach draußen brachten, setzte sich ein Lehrer ans Steuer und verhinderte, dass der Bus wegrollte. Der Busfahrer wurde notärztlich versorgt und kam in eine Klinik. Ein Ersatzfahrer des Busunternehmens fuhr den Bus weg, die Skiausfahrt wurde laut der Polizei abgebrochen. Die Situation sei sehr gefährlich gewesen, sagt ein Polizeisprecher. Jedoch: „Der Fahrer fuhr trotz des Anfalls kilometerweit unfallfrei. Das ist äußerst kurios.“

Dem Busfahrer geht es dem Umständen entsprechend gut

„Ich bin sehr froh, dass alle Kollegen und die Schüler unverletzt geblieben sind“, sagt die Leiterin der Berufsschule, Isolde Fleuchaus. Die Elten der Jugendlichen hätten gefasst auf die Nachricht reagiert. Dem Busfahrer geht es laut dem Chef des Großaspacher Reiseunternehmens den Umständen entsprechend gut, er habe sich schon mit ihm unterhalten. „Er ist noch im Krankenhaus, ob er irgendwann wieder einen Bus fahren kann, müssen jetzt die Ärzte entscheiden“, meint er. „Wir können froh sein, dass es so ausgegangen ist und niemand zu Schaden kam.“

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