Drei Abiturienten aus Stuttgart und Waiblingen haben einen Flugsimulator gebaut. An diesem testen sie die Stressanfälligkeit von Piloten. Foto: factum/Granville

Teilnahmerekord beim Regionalwettbewerb Jugend forscht, der zum zehnten Mal in der Stadthalle ausgetragen wird: 115 Kinder und Jugendliche präsentieren 56 Forschungsarbeiten und Erfindungen.

Sindelfingen - Wer demnächst einen Trip in die Wüste plant, sollte zuvor mit Admin Loncaric Kontakt aufnehmen. Der Jungforscher hat sich ausführlich mit dem Phänomen des Treibsands beschäftigt, von dem es heißt, dass dieser immer wieder Menschen verschlucke. Der Zehnjährige aus Sindelfingen wollte genau wissen, was es damit auf sich hat. „Im Urlaub am Meer bin ich nur mit den Füßen versunken. Wann wird es denn gefährlich?“, lautete seine Fragestellung. Das Ergebnis: Wind und Wasser können ansonsten harmlosen Sand durchaus zu einer lebensgefährlichen Sache werden lassen. Mit einem einfachen Geräteaufbau demonstriert der Viertklässler der Grundschule Gartenstraße dies. Wird ein mit Sand gefülltes Rohr von einem Fön beweht, versinkt ein Stein, den man hineinwirft, sofort. Wird der Fön ausgeschaltet, bleibt der Stein auf der Sandoberfläche liegen.

Den gleichen Effekt könne auch Wasser erzeugen, sagt Admin. Deshalb sein Rat: „An Flussläufen sollte man sich vorsichtig bewegen.“ Und einen Trost hat er auch noch parat: „Wenn ein Mensch versinkt, dann meistens nicht ganz.“ Für diese anspruchsvolle Forschungsarbeit, für die der Grundschüler an der Sindelfinger Hector-Akademie werkelte, erhielt er den ersten Preis bei den Jüngeren im Wettbewerb Jugend forscht in der Kategorie Geo- und Raumwissenschaften.

Aus dem Stand aufs Siegertreppchen

Mit 115 Kindern und Jugendlichen und 56 Projekten registrierten die Ausrichter des Wettbewerbs, der zum zehnten Mal unter der Regie der Stadt Sindelfingen ausgetragen wurde, einen Teilnehmerrekord. Fast 30 Prozent mehr Jungforscher als im vergangenen Jahr traten an. Admin Loncaric war zum ersten Mal dabei und wurde aus dem Stand Sieger. Aber auch viele Wiederholungstäter tummelten sich, so der Gärtringer Jonathan Kalmbach. Der 13-Jährige vom Sindelfinger Stiftsgymnasium entwickelte gemeinsam mit seinem Freund Jonas Machmer einen mobilen Elektroantrieb für Fahrräder. Dieser kann auf jedes beliebige Rad montiert werden, das somit zum E-Bike wird. Die Idee dazu kam Jonathan, „weil ich selbst lieber gemütlich fahre als auf dem Rad zu strampeln“. Diese kostengünstige Alternative zu einem teuren E-Bike überzeugte nicht nur die Juroren von Jugend forscht, die die Arbeit mit einem ersten Preis im Fachgebiet Technik bedachten. Die beiden Schüler ließen sich ihre Erfindung auch patentieren. „Das war etwas schwierig, weil wir noch nicht volljährig sind“, berichtet Jonathan. Nun hoffen die Jungtüftler auf eine Firma, die aus dem Prototyp eines mobilen Motors ein verkaufsfähiges Produkt macht.

Praktisch ist auch die Erfindung der 14 Jahre alten Hannah Dieterle vom Stuttgarter Königin-Charlotte-Gymnasium. Sie entwarf einen Anti-Verschlaf-Wecker, der erst aufhört zu klingeln, wenn man das Bett verlassen hat. Das funktioniert dank eines Sensors im Bett, der die Information, ob dort jemand liegt, an den Wecker weiterleitet. Auch diese Idee wurde mit einem ersten Preis bedacht.

Besonders gefragt sind bei den Forschern Alltagsfragen. „Warum radiert ein Radiergummi“, lautete ein Thema. „Warum kommen Spinnen nicht am Badewannenrand hoch“, ein anderes. Die älteren Teilnehmer entwickelten zum Beispiel eine Smartphone-App, die bei der Schlüsselsuche hilft oder ein selbstkühlendes Zelt für Campingurlaube.

Fingerabdrücke statt Anwesenheitslisten

Ob eine Idee von drei Leonberger Abiturienten vom Technischen Gymnasium bei Gleichaltrigen so gut ankommt, ist fraglich. Sören Widmaier, Daniel Stähle und Markus Walker entwarfen ein Kontrollsystem, mit dem Lehrer schnell überprüfen können, ob alle Schüler eines Kurses auch anwesend sind. Vor jedem Klassenzimmer werden die Fingerabdrücke der Schüler erfasst und Verspätungen minutiös registriert. Die drei Erfinder sind überzeugt, dass dieses System nicht nur den Lehrern die Arbeit erleichtert, die nicht mehr minutenlang Anwesenheitslisten durchgehen müssen, sondern auch den Schülern hilft. „In einer großen Schule mit vielen Kursen wie bei uns gibt es häufig Verwechslungen. Schüler, die da sind, werden als fehlend eingetragen. Mit unserem Kontrollsystem passiert das nicht mehr“, wirbt Sören für sein Projekt.

Sehr aufwendig ist die Forschungsarbeit von Martin Bamesberger, Turan Karaboga und Jost Homrighausen. Die drei 16-Jährigen aus Stuttgart und Waiblingen bauten einen Flugsimulator nach und nutzten diesen zur Untersuchung der Stressanfälligkeit von Piloten. In welchen Situationen steigen Blutdruck, Herz- und Atemfrequenz an? Diese Situationen sollten die Piloten dann gezielt trainieren. Dafür gab es einen dritten Preis. „Wir sollen weiterforschen und nächstes Jahr wiederkommen, hat die Jury gesagt“, erzählt Sören. Und er lässt keinen Zweifel daran, dass sie diesem Rat folgen werden.

Die besten Nachwuchsforscher aus der Region

Arbeitswelt „Jugend forscht“ hat zwei erste Preise in der Kategorie Arbeitswelt vergeben: Mit dem Rollover guard, einer Überschlagssicherung für das Fahrrad, überzeugten Luca Rapp, Marco Weber und Nils Niemann von der Firma Robert Bosch in Waiblingen die Juroren. Ebenso wie Linus Bantel vom Albertus-Magnus-Gymnasium in Stuttgart, der Möglichkeiten gesucht hat, Kollisionen mit Drohnen zu vermeiden. Im Wettbewerb „Schüler experimentieren“ der jüngeren Nachwuchsforscher freuen sich Laura und Amelie Buddendick vom Sindelfinger Pfarrwiesen-Gymnasium. Sie wollten wissen, warum ein Radiergummi radiert.

Biologie
Der erste Preis in Biologie wurde bei den älteren Schülern nicht vergeben. Den zweiten Preis holte Anja Kobzev vom Stuttgarter Königin-Olga-Stift mit dem Projekt, ein Bewusstsein für einen geringeren Fleischkonsum zu schaffen um das Zwei-Grad-Klimaziel zu erreichen. Die jüngeren Leonie Kalmbach vom Sindelfinger Goldberg-Gymnasium und Ann-Kathrin Ostertag vom Böblinger Otto-Hahn-Gymnasium erhielten den ersten Preis für ihre Arbeit „Dicke Backen mit Hefe“.

Chemie Für
„Schüler experimentieren“ überzeugte Annika Kaupa von der Sindelfinger Grundschule Gartenstraße mit Versuchen zu Käsefäden. Die Jugendlichen Gabriel La Houplière vom Stuttgarter Elly-Heuss-Knapp-Gymnasium, Lia Kruse vom Esslinger Mörike-Gymnasium und Linnea Binder vom Stuttgarter Solitude-Gymnasium haben die Möglichkeiten der Flüssigkeit Dibenzyltoluol als Energiespeicher ausgelotet.

Mathematik/Informatik Katharina Häußler und Annalena Pleß vom Stuttgarter Königin-Charlotte-Gymnasiums haben den ersten Preis für die Entwicklung einer Smartphone-App erhalten, mit der verlegte Gegenstände wie Schlüssel gefunden werden können.

Geo-/ Raumwissenschaften
Zwei erste Preise in dieser „Schüler experimentieren“- Kategorie wurden vergeben. Einen erhielt Clara Deifel vom Otto-Hahn-Gymnasium in Ostfildern (Kreis Esslingen) für eine Arbeit über das Nachglühen von Gammablitzen und die Suche nach der Supernova. Der andere ging an Admin Loncaric von der Sindelfinger Grundschule Gartenstraße für Versuche zu der Frage, ob die Angst berechtigt ist, im Treibsand zu versinken.

Physik Jonathan Weber und Nils Hoyler vom Göppinger Freihof-Gymnasium erkundeten die Erkennungszeichen einer guten Geige und bekamen unter den jüngeren Wettbewerbsteilnehmern den ersten Preis. Bei den älteren sicherten sich Jonas Gaiser von der Sindelfinger Gottlieb-Daimler-Schule 1 sowie Augustin Harter und Philipp Kessler vom Ludwigsburger Friedrich-Schiller-Gymnasium die Auszeichnung für die Entwicklung eines Flammen-Atomessionsspektrometers.

Technik Fabian Buntak, Josua König und Sven Gutmann vom Beruflichen Schulzentrum in Leonberg haben einen Aqua-Window-Cleaner für Aquarien entwickelt, deren Scheiben oft von Algen bedeckt und recht schwer zu reinigen sind. Dafür gab es den ersten Preis. Ein solcher wurde zweimal bei den jüngeren Schülern vergeben, und zwar an Hannah Dieterle vom Stuttgarter Königin-Charlotte-Gymnasium für einen Anti-Verschlaf-Wecker sowie an Jonathan Kalmbach und Jonas Machmer vom Sindelfinger Stiftsgymnasium für einen Fahrrad-Elektroantrieb mit Turbowechseltechnik – kurz: Fett.

Weitere Preise
In allen Kategorien wurden auch an Zweit- und Drittplatzierte Preise verliehen, und es wurden Sonderpreise vergeben.

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