Bisher hatten Protestanten am Karfreitag frei, Katholiken nicht. (Symbolbild) Foto: dpa/Arno Burgi

Nun heißt es Kirche gegen Staat: Die österreichischen evangelischen Christen ziehen vor das Verfassungsgericht. Der Grund: Sie wollen verhindern, dass der Karfreitag als offizieller Feiertag abgeschafft wird.

Bamberg - Die österreichischen evangelischen Christen klagen gegen die Abschaffung des Karfreitags als Feiertag für die evangelischen Christen am österreichischen Verfassungsgerichtshof. Das hat der österreichische evangelische Bischof Michael Chalupka am Montag in einem Grußwort vor der bayerischen evangelischen Landessynode in Bamberg erklärt.

Chalupka sprach von einem „gestohlenen Karfreitag“. Der Karfreitag für die Evangelischen sei eine historisch gewachsene österreichische Besonderheit gewesen und „ein bescheidenes Zeichen der Wiedergutmachung“ für Verfolgungen der Gegenreformation und der Schlechterstellungen im katholischen Ständestaat.

Kritik: Staat mische sich in Kirche ein

Nachdem der Europäische Gerichtshof in einem Urteil dieses Minderheitenrecht als unzulässige Privilegierung untersagt hatte, seien „die Wunden der Vergangenheit“ nun wieder heftig zu spüren. Dass der designierte Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) erklärt habe, die neue Regelung betreffe nur vier Prozent der Bevölkerung, habe das Gefühl verstärkt, Protestanten seien eine vernachlässigbare Minderheit im Land.

Kritik übte Chalupka außerdem an „Glaubensprüfungen“, die österreichische Asylinstanzen in Verfahren für Flüchtlinge durchführten, die zum Christentum übergetreten sind. Die Kirche lehne Glaubensprüfungen durch eine Behörde oder ein Gericht als „staatliche Einmischung in die inneren Angelegenheiten der Kirche ab“, erklärte der Bischof. In negativen Bescheiden werde den Flüchtlingen eine „Scheinkonversion“ unterstellt und damit auch die an der Taufe beteiligten Pfarrer in Misskredit gebracht.

Chalupka kritisierte außerdem, dass die Rechtsberatung für Asylbewerber zukünftig in Österreich von staatlichen Stellen übernommen werden sollen, die dem Innenminister unterstellt seien und nicht mehr von der Diakonie.

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