Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel meint, die USA sollten halt bessere Autos bauen. Foto: dpa

Der deutsche Wirtschaftsminister empfiehlt Gelassenheit nach der Androhung von Strafzöllen für Autobauer. Hingegen ist Außenminister Steinmeier besorgt wegen Trumps Worten zur Nato.

Stuttgart - Der deutsche Vizekanzler und Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) hat angesichts der massiven Kritik des designierten US-Präsidenten Donald Trump an deutschen Autobauern zur Gelassenheit gemahnt. „Ich kann nur raten aufgrund solcher Positionen nicht hektisch zu werden, sondern abzuwarten, was passiert“, sagte der SPD-Chef am Montag bei einer Talkrunde auf „bild.de“. Deutschland sei nicht unterlegen, es sei ein starkes Land und müsse jetzt selbstbewusst sein.

Trump hatte in einem Interview mit den Zeitungen „Bild“ und „Times“ mit Blick auf deutsche Autobauer gesagt: „Sie können Autos für die USA bauen, aber sie werden für jedes Auto, das in die USA kommt, 35 Prozent Steuern zahlen.“ Gabriel sagte zu möglichen Strafzöllen auf importierte Autos: „Die amerikanische Autoindustrie wird dadurch schlechter, schwächer und teurer.“ Außerdem würden sich die USA ziemlich umgucken, wenn Trump auch die Zulieferteile mit Strafzöllen belege. Trump hatte zudem dem Autobauer BMW, der 2019 eine Fabrik in Mexiko eröffnen will, nahe gelegt, die Fabrik in den USA zu bauen. Europäische Autobauer investieren gerne in Mexiko, da es mit den USA das Freihandelsabkommen Nafta geschlossen hat, das einen zollfreien Export in die USA erlaubt.

Nato ist irritiert über die Äußerung, sie sei „obsolet“

Der künftige US-Präsident hatte außerdem mehr amerikanische Autos auf deutschen Straßen gefordert. Minister Gabriel erwiderte, dafür sollten die USA bessere Autos bauen. Trump hatte auf die Marke Mercedes verwiesen, die in einigen US-Straßen vor jeder Haustür stehen würden. Man sehe aber nicht allzuviele Chevrolets in Deutschland, „vielleicht gar keine“. Tatsache ist, dass Chevrolet den Verkauf seiner Autos Ende 2015 in Deutschland eingestellt hatte.

Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) sowie Nato-Diplomaten zeigten sich irritiert über die Äußerungen, die Trump zur Nato gemacht hatte. Der neue US-Präsident hatte das westliche Militärbündnis als überaltetes Modell und obsolet bezeichnet, da es vor vielen Jahren entworfen worden sei. Die Nato habe die Erklärung, dass sie „obsolet“ sei, „mit Besorgnis aufgenommen“, sagte Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) am Montagmorgen nach einem Treffen mit Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg in Brüssel. Generell hätten Trumps Interview-Aussagen zu EU und Nato nicht nur in Brüssel „für Verwunderung und Aufregung gesorgt“.

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