Kanzlerin Merkel äußert sich in China zum Blutbad in einem Nachtklub in den USA Foto: dpa

Nach dem schrecklichen Terrorakt in Orlando hat sich auch Angela Merkel zu Wort gemeldet. Man werde „ein offenes und tolerantes Leben weiterführen“, sagt die Kanzlerin.

Berlin/Peking - Mit Erschrecken“ hat Bundeskanzlerin Angela Merkel auf die Nachrichten von dem politisch motivierten Amoklauf im US-Bundesstaat Florida reagiert. „Unser Herz ist schwer“, sagte sie im Namen der deutschen Regierung, die sich derzeit zu Gesprächen mit der chinesischen in Peking aufhält. Sie verurteilte den „Hass und die Boshaftigkeit“, dem in einem Nachtlokal in Orlando mindestens 50 Menschen zum Opfer fielen. „Wir sind fest entschlossen“, so die Kanzlerin, trotz solcher Taten „unser offenes und tolerantes Leben weiterzuführen.“ Sie dankte den Helfern vor Ort sowie den Blutspendern, die nun den zahlreichen weiteren Verletzten zur Seite stünden – und kündigte ein Kondolenzschreiben an US-Präsident Barack Obama an. Auch Chinas Ministerpräsident Li Keqiang drückte zu Beginn einer gemeinsamen Pressekonferenz den Angehörigen der Opfer von Orlando seine „tief empfundene Anteilnahme“ aus: „China ist gegen Gewalt und Terror jeglicher Art.“

Beck kritisiert die Debatten

Der religionspolitische Sprecher der Grünen, Volker Beck, kritisiert die bisherigen Debatten über das Blutbad in einem bekannten Schwulenclub in Orlando: „Es verwundert etwas, wenn in der Berichterstattung der homophobe Hintergrund der Tat als Alternative zum islamistischen oder terroristischen Hintergrund der Tat diskutiert wird“, sagte Beck am Montagmorgen in Berlin: „Die Homophobie ist ein integraler Bestandteil des Islamismus.“

Aus Becks Sicht war es „sicher kein Zufall, dass in Orlando ausgerechnet ein Gay-Club Ziel des Attentats wurde“. Zwar müssten die genauen Hintergründe des Täters und seine Beziehungen zum IS noch aufgeklärt werden, doch „Antisemitismus und Homophobie sind in der Gedankenwelt des IS tief verankert“.

Juden und Homosexuelle als „Symbole einer offenen und pluralistischen Gesellschaft“ seien für die Terrororganisation herausragende Ziele ihres Terrors und ihrer Propaganda, betonte Beck. Dies hätten auch Hinrichtungen von Schwulen im Herrschaftsbereich des IS und die Anschläge von Paris auf den jüdischen Supermarkt und auf das Satire-Magazin „Charlie Hebdo“ gezeigt.

Bundespräsident Joachim Gauck drückte Obama sein Beileid in einem Kondolenzschreiben aus. „Die Nachricht von den vielen Opfern des menschenverachtenden Mordanschlags in Orlando hat mich tief erschüttert. Kaum zu ermessen ist die Tragweite einer solchen Tat, menschlich wie politisch“, schrieb Gauck. „Ich wünsche Ihnen und den Menschen in den USA viel Kraft und Entschlossenheit, damit Ihr Land beieinanderstehen möge, um die Trauer und den Schmerz über dieses Attentat zu bewältigen.“

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