Die Rainbow-Tour des Unnützen Stuttgartwissen führt unter anderem zum Opernhaus. Foto: ubo

Zum CSD in Stuttgart weht die Fahne des Regenbogens auf dem Dach des Opernhauses. Das Staatstheater ist eine von mehrerer Stationen der Rainbow-Tour, deren Premiere das Unnütze Stuttgartwissen am Freitagabend gefeiert hat.

Stuttgart - Mirjam Dienst trägt Ohrringe in den Farben des Regenbogens. Regelmäßig macht sie Stadtführungen, etwa die „Besserwisser-Tour“ für Einheimische oder für Touristen die „City-Tour“. Die neue „Rainbow-Tour“ des mit über 40 000 Facebook-Fans erfolgreichen Stadtblogs Unnützes Stuttgartwissen wird sehr schwer für sie, weil sie auf dem zweistündigen Stadtspaziergang emotional gefordert ist. Wenn sie etwa vor dem Hotel Silber, der einstigen Gestapo-Zentrale, über die Verfolgung von Homosexuellen spricht oder am Denkmal für die Aids-Opfer steht, das sich vor der Oper befindet, wenn sie im Leonhardsplatz auf einen kleinen, fast unscheinbaren Stolperstein deutet, der Will Karl App gewidmet ist, der mit 23 Jahren aufgrund seiner sexuellen Orientierung im Jahr 1942 im Konzentrationslager Sachsenhausen ermordet worden ist – dann gehen ihr die Schicksale und all das Unrecht, dass Schwule erleiden mussten, sehr nahe.

Gleich zwei Rainbow-Führungen an einem Abend

Am Abend vor der großen Politparade in Stuttgart ist Premiere einer neuen Tour, die an Orte führt, die in der Geschichte der CSD-Bewegung sehr wichtig sind. Auf ein so großes Interesse ist das neue Angebot des Unnützen Stuttgartwissen (USW) gestoßen, dass zum Auftakt gleich zwei Führungen an einem Abend stattfinden. Auf dem oft auch unterhaltsamen Rundgang mit der quirligen und voller Leidenschaft sprechenden Mirjam Dienst wird eines klar: Der Weg zu Toleranz und Akzeptanz war in Stuttgart sehr weit.

Wochenlang hatte Autor und USW-Gründer Patrick Mikolaj, recherchiert, mit Zeitzeugen gesprochen, in Archiven geblättert, um für eine anekdotenreiche Tour „unnützes Wissen“ auszugraben, das in der Regenbogen-Community noch nicht so bekannt ist. Es geht um zwei württembergische Könige, die bei Historikern als schwul gelten, um König Friedrich I und König Karl, um den Goldenen Heinrich im Rotlichtviertel, die mit einem Alter von über 100 Jahren die älteste, noch heute existierende Schwulenbar in Deutschland ist, und um vieles mehr.

Wirtin Laura spendiert Erdbeerlimes

Weitere Stationen sind das Hotel Marquardt, in dessen Café sich in den 1920ern selbstbewusst „Homoeroten“ trafen, der Palast der Republik, der ein Klohäuschen war, in dem sich Schwule zur Kontaktaufnahme trafen, das einstige Ladengeschäft von Designer Harald Glööckler und viele mehr. Zwischendrin gibt’s ein Gläschen Erdbeerlimes in Tom’s Bar, von Laura Halding-Hoppenheit spendiert, der „Mutter der Schwulen“.

Freddie Mercury war oft in der Stuttgarter Szene unterwegs

Was viele nicht wissen: Bei der Oper befindet sich eine Gedenkstätte für Aids-Tote. Die Steine, von denen einige Namen tragen, wurden 1994 zunächst auf dem Schillerplatz verlegt. 2002 erfolgte der Umzug in die Nähe des Theaters und des Eckensees, weil die Gedenksteine am alten Standort bei Demonstrationen zum Welt-Aids-Tag aufgrund des Wochenmarktes gar nicht zu sehen waren.. Wofür die Steine stehen, kann man aufgrund der Namen erahnen. Freddie Mercury, der 1991 an Aids gestorben ist, steht auch drauf. Wenn er Auftritte in Stuttgart hatte, war er oft in der Szene unterwegs.

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