In Stuttgart protestierten Frauen der Bewegung Maria 2.0. Vonseiten der katholischen Kirche zeigt man sich gesprächsbereit. Foto: Lichtgut/

Bei einer Protestaktion der Bewegung Maria 2.0 in Stuttgart kam es zu einem Dialog zwischen Protestierenden und Bischöfen. Es geht dabei um mehr als die Position von Frauen in der katholischen Kirche.

Stuttgart - Organistin, Lektorin, Jugendgruppenleiterin, Rosenkranzvorbeterin, Chorleiterin und Ministrantin. Diese und zahlreiche andere Kirchenämter haben die Frauen der Protestbewegung Maria 2.0 am Samstagvormittag auf gut sichtbare Tafeln geschrieben, und sie zwischen Damenschuhen auf einem weißen Leintuch positioniert, das sich die Stufen der Domkirche St. Eberhard an der Königstraße hinunterschlängelt.

Mit dieser Schuhinstallation möchten sie auf die Position der Frauen in der katholischen Kirche aufmerksam machen – denn bei der Auflistung der Ämter fehlen nach wie vor einflussreiche Positionen. „Es ist Zeit für Gleichberechtigung in der Kirche. Wir Frauen sind schließlich alle aktiv ehrenamtlich in der Kirche tätig“, erklärt eine Frau aus Wendlingen, die seit vielen Jahren aktives Mitglied in ihrer Kirchengemeinde ist.

Und auch die anderen Anwesenden engagieren sich größtenteils seit vielen Jahrzehnten für die katholische Kirche. „Wir tragen so viel in der Kirche. Ohne uns Frauen würde vieles in der Kirche nicht mehr gehen. Ohne uns Frauen wäre die Kirche nicht vollständig“, sagt Christine Göttler-Kienzle aus Stuttgart, eine der Organisatorinnen der heutigen Protest-Aktion.

Auch Passanten werden auf die Aktion aufmerksam

Dabei gehe es ihnen aber nicht nur um das Mitspracherecht für sich, sondern auch darum den Ruf der Kirche zu stärken und die Teilhabe in der Gesellschaft für die Zukunft weiter auszubauen, erklärt eine der Protestierenden: „Es geht uns heute auch um die Zukunft der Kirche, denn schließlich hat sie in letzter Zeit oft an Glaubwürdigkeit verloren und ohne Glaubwürdigkeit keine Zukunft“.

Der Zeitpunkt dieses Anliegen vorzutragen ist von den Frauen klug gewählt, denn während sie sich vor den Türen der Kirche aufstellen, findet in der Domkirche die Bischofsweihe von Gerhard Schneider statt. „Wir streben heute auch ein Gespräch mit dem Bischof an, denn wir brauchen seine Solidarität. Nur dann kann sich was verändern“, so Christine Göttler-Kienzle. Ein weiterer Nebeneffekt der Orts- und Zeitwahl ist, dass neben den bei der Bischofsweihe anwesenden rund 500 geladenen Gäste, auch die Stuttgarter Passanten auf die Aktion aufmerksam werden und im Vorbeigehen darüber diskutieren.

Bischof Fürst lädt Frauen zum Gespräch ein

Gegen 12.30 Uhr neigt sich der Pontifikalgottesdienst im Inneren der Kirche schließlich dem Ende zu, die Bischöfe verlassen die Kirche und suchen das Gespräch mit den Frauen. Bischof Gebhard Fürst schüttelt zahlreiche Hände, unterhält sich mit den Anwesenden und lädt sie am Ende schließlich zu einem Gespräch über ihre Belange ein.

„Ich wünsche mir, dass sich die Frauen weiter mit viel Begabung und Kraft einbringen und ich bin natürlich auch bereit, dafür etwas zu tun“, begründet er seine Einladung. Einen Termin legen Bischof und die protestierenden Frauen an diesem Samstag zwar noch nicht fest, aber beide Parteien geben sich optimistisch, dass es bald dazu kommen wird.

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