Georg Niedermeier verschuldet in Augsburg den entscheidenden Gegentreffer. Foto: dpa

Die Mannschaft von Trainer Jürgen Kramny macht es ihren Gegnern immer wieder zu leicht, zu Toren zu kommen. Mit Pech ist das kaum zu erklären – dafür schon viel eher mit fehlender Qualität.

Stuttgart - Wahrscheinlich weiß Georg Niedermeier (30) heute nicht mehr, was ihn in diesem Moment am Samstag geritten hat. Auf jeden Fall wäre es für den Innenverteidiger des VfB Stuttgart ein Leichtes gewesen, die harmlose Flanke von Caiuby abzufangen und den Ball aus der Gefahrenzone zu befördern. Aber sogar diese Übung aus dem einfachen Fußball-einmal-eins misslingt. Statt irgendwo an der Mittellinie landet der Ball bei Alfred Finnbogason, der wenig Mühe hat, den entscheidenden Treffer zu markieren (36.). Niedermeier winkt frustriert ab. Der VfB hat sich selbst geschlagen – wieder einmal. „Das Ding gestern geht natürlich klar auf meine Kappe. Es tut mir für die gesamte Mannschaft leid“, entschuldigte sich Niedermeier am Sonntag auf Facebook.

60 Gegentreffer hat sich die nach Werder Bremen (61) größte Schießbude der Liga in dieser Saison schon eingefangen. „Die Tore fallen viel zu billig“, wiederholt der Trainer Jürgen Kramny seit Wochen. Mit Pech ist das kaum zu erklären – dafür schon viel eher mit fehlender Qualität. Doch wo soll diese Klasse denn auch herkommen?

Niedermeier und Daniel Schwaab (27) spielen schon ziemlich lange beim VfB. Zuletzt saßen sie unter den Trainern Alexander Zorniger, Huub Stevens und Armin Veh aber meistens draußen auf der Bank. Bei Kramny schienen sie zunächst aufzublühen, doch der Schein erwies sich als trügerisch. Das zeigte sich zuletzt mehr und mehr.

Fest steht weiter, dass die Abwehr im Vergleich zur vergangenen Saison einen Eckpfeiler verloren hat. So wechselte Antonio Rüdiger (23) zu AS Rom – zunächst auf Leihbasis für vier Millionen Euro. Demnächst werden die Italiener dann wohl ihre Kaufoption ziehen und noch mal neun Millionen Euro an den VfB überweisen. Zusammen sind das 13 Millionen Euro – ein Schnäppchenpreis für einen aktuellen jungen deutschen Nationalspieler. Schon hat der FC Chelsea sein Interesse an Rüdiger angemeldet. Bei einem Weiterverkauf im Sommer würde AS Rom rund 25 Millionen Euro kassieren.

Obwohl lange klar war, dass Rüdiger geht, gestaltete sich die Suche nach einem Nachfolger schwierig. Schließlich wurde Toni Sunjic (27) aus Krasnodar für 3,5 Millionen Euro verpflichtet, der zuvor von den Stuttgarter Scouts aber nur einmal vor Ort beobachtet worden ist. Die Bedenken vieler Experten außerhalb und sogar innerhalb des Clubs bewahrheiteten sich schnell. Sunjic hat vom Tempo her große Probleme, mit seinen Gegenspielern mitzuhalten. Zudem wirkt er unbeweglich.

Als Folge dieser Defizite wurde der VfB im Winter auf dem Transfermarkt erneut aktiv. Für eine Leihgebühr von einer Million Euro kam Federico Barba (22) aus Empoli. Der Italiener verletzte sich zwar gleich, doch inzwischen ist er wieder fit – und spielt trotzdem nicht. Deshalb fragen sich jetzt viele Experten, wie schlecht Barba sein muss, wenn er noch schlechter als Sunjic und Co. ist? Die Antwort folgt, wenn er mal eingesetzt wird – eventuell am Samstag gegen Dortmund.

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