Das Stück „Troja Macht Krieg“ spielt in einer Turnhalle. Foto: factum/Jürgen Bach

Premierenfieber in der Karlskaserne: Das Ludwigsburger Bürgertheater bringt am Donnerstagabend eine ausdrucksstarke Collage auf die Bühne: Eine von der Antike inspirierte Geschichte mit viel Musik, gesprochen, gesungen, geklopft und mit Springerstiefeln gesteppt.

Ludwigsburg - Wie ein Wachhund steht es vor der Reithalle der Ludwigsburger Karlskaserne: ein trojanisches Pferd. Ein Requisit für das neue Stück des Ludwigsburger Bürgertheaters, „Troja Macht Krieg“? „Auf der Bühne kommt es gar nicht zum Einsatz. Aber so gibt es für die ganze Spielzeit ein Symbol auf dem Kasernenhof“, sagt Produktionsleiterin Bettina Gonsiorek. Sie hält die Fäden zusammen, wenn – wie bei der neuesten Produktion des Bürgertheaters – rund 80 Mitwirkende koordiniert werden müssen und über eineinhalb Jahre verschiedene Themen zur Abstimmung kommen – vom Abschließen der Verträge mit den Künstlern bis hin zur Pressearbeit kurz vor der Premiere.

Antike Themen, die immer noch aktuell sind

„Troja Macht Krieg“, das ist ein Stück über die Mechanismen des Krieges, das den Bogen von der Antike bis in die Gegenwart spannt. Im Mittelpunkt der Geschichte steht der Kampf um Troja, der Mythos, nach dem die Griechen zehn Jahre lang die Stadt belagerten und ihre Bewohner bekämpften. Sie wollten die geraubte und dort gefangen gehaltene Helena rächen und befreien.

„Für das Bürgertheater schließt sich damit gewissermaßen ein Kreis: Das erste Stück war 1988 die ‚Odyssee‘“, erläutert der Gründer und Dramaturg Rainer Kittel seine Motivation. Schon immer habe er ein Faible für die Texte der Antike gehabt. Ein Fernsehbericht über den Krieg in Syrien habe schließlich den Ausschlag gegeben, sich noch einmal näher mit dem Stoff zu beschäftigen: „Die Texte in Homers Ilias, seine sprachgewaltigen und detailreichen Schilderungen der Kämpfe vor Troja, sind noch heute aktuell. Sie haben eine große Kraft, obwohl sie viele Jahrhunderte vor Christus entstanden sind“, sagt Kittel. Auch Euripides‘ Drama „Die Troerinnen“ mit seinen starken Frauengestalten bot Inspiration.

Profis und Laien Seite an Seite

So erarbeitete der Dramaturg einen neuen Sprechtext, zusammen mit dem Regisseur Axel Brauch, in Ludwigsburg bereits bekannt durch „Urban Prayers“, vom Bürgertheater 2017 zur Aufführung gebracht. Das Ergebnis der Zusammenarbeit: eine Collage, in der Teile aus den antiken Stücken mit eigens für das Bürgertheater geschriebenen Texten verwoben sind.

Die Regiearbeit überlässt Kittel mittlerweile ganz dem Kollegen Brauch: „Es ist Zeit, den Stab weiterzugeben“, sagt der 64-Jährige. Brauch, gelernter Regisseur, Schauspieler und Sänger, ist in den vergangenen eineinhalb Jahren immer wieder von seinem Wohnsitz Frankfurt nach Ludwigsburg gereist. Er hat mit mehreren Gruppen eng zusammengearbeitet – von den Percussion-Künstlern „Stahl Fatal“ über die Hip-Hop-Stepper der Tanz- und Theaterwerkstatt bis hin zur Theater-AG des Ludwigsburger Schillergymnasiums: „Durch die regelmäßigen Treffen konnte ich meine Ideen mit den Mitwirkenden besprechen“, sagt Brauch.

Wettkampf, Schweiß und Tränen

Was auf der Bühne so spielerisch aussieht, ist das Ergebnis einer intensiven Probenarbeit – zunächst mindestens einmal pro Woche in den Einzelgruppen, dann später mit allen zusammen. „Jetzt in der heißen Phase vor der Premiere sehen wir uns natürlich öfter und auch am Wochenende“, berichtet Phil Albrecht aus der Theater-AG des Schillergymnasiums. Wie im antiken Drama sprechen die Jugendlichen häufig im Chor; sie finden es spannend, mit Profis auf der Bühne zu stehen. Fünf gelernte Schauspieler sind für „Troja Macht Krieg“ gecastet worden: „Die Rollen sind anspruchsvoll: Teilweise spielt ein Darsteller auch zwei verschiedene Figuren“, erläutert Brauch. In einer Turnhalle, Ort von Wettkampf, Schweiß und Tränen, lässt Bühnenbildnerin Gesine Mahr die Protagonisten aufeinandertreffen.

Weitere wichtige Gestaltungselemente des Stücks sind Musik und Rhythmus. „Wir schlagen auch musikalisch einen Bogen bis in die Gegenwart und konfrontieren hämmernde Marschrhythmen mit einsamer Singstimme“, erläutert Ute Kabisch, für die musikalische Leitung verantwortlich. Die Gruppe „Stahl fatal“ steuert harte gleichmäßige Blechtonnen-Beats bei. Die Hip-Hop-Stepping-Tanzgruppe bearbeitet den Boden rhythmisch mit Springerstiefeln. Den Gegenpol bildet die kurdische und türkische Volksmusik, in den leisen Passagen des Stücks melodisch vorgetragen von Serpil Aktas und Güney Yildiz. Die beiden singen und spielen die traditionellen Zupfinstrumente Saz und Baglama, auf einer Empore über der Bühne sitzend. Was mancher nicht weiß: Die Ausgrabungsstätte, die viele Archäologen für das antike Troja halten, liegt in der heutigen Türkei.

Künstler aus aller Welt

Ein wohl verwobenes, vielschichtiges Gesamtkunstwerk kommt also auf die Bühne der Reithalle in der Karlskaserne – man kann sich keinen besseren Ort für ein solches Stück vorstellen. Viele verschiedene Menschen arbeiteten in den von 1889 bis 1903 erbauten Gebäuden, die einen riesigen Exerzierplatz umrahmen: deutsche Soldaten der Kaiserzeit, Zwangsarbeiter, Flüchtlinge, die US-Besatzungsmacht. Seit Beginn der neunziger Jahre gibt die Karlskaserne nun Künstlern aus aller Welt Heimat. Auch Regisseur Brauch ist für die Dauer der Proben auf dem Gelände untergekommen: „Manchmal stehe ich am Fenster meiner Wohnung und schaue hinunter auf den Platz. Dann bin ich froh, dass es heute hier so friedlich ist.“ Irgendwo aber ist immer Krieg.

Aufführungen Erstaufführung ist am Donnerstag, 19. September, um 20 Uhr in der Reithalle der Ludwigsburger Karlskaserne. „Troja Macht Krieg“ wird nach der Premiere bis zum 5. Oktober 2019 acht weitere Male aufgeführt.

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