Das Hotel Haghof wird nach seinem Umbau kaum wiederzukennen sein. Einziehen soll ein Kongresszentrum. Foto: Gottfried Stoppel

Zwei Hotels im Rems-Murr-Kreis wurden vom Landkreis angemietet und als Flüchtlingsunterkünfte genutzt. Das Hotel Haghof soll ein Kongresszentrum werden, das Gebäude in Winterbach wird abgerissen und weicht dem Neubau einer Firma.

Alfdorf/Winterbach - Weil die Flüchtlingszahlen zurück gehen, werden im Rems-Murr-Kreis weniger Unterkünfte zur Erstunterbringung benötigt. Das betrifft auch zwei ehemalige Hotels, die der Kreis für diesen Zweck angemietet hatte: das Hotel Haghof in Alfdorf sowie das ehemalige Best-Western-Hotel in Winterbach. Aus ersterem sind die Flüchtlinge bereits im vergangenen Sommer ausgezogen, das letztere wird in den nächsten Wochen geräumt.

Ein Kongresszentrum mit Blick zum Hohenstaufen

Die Zukunft der beiden Gebäude könnte unterschiedlicher nicht sein. Das ehemalige Golf- und Landhotel im Gehöft Haghof soll von einem Investor wiederbelebt werden: Im Gemeinderat von Alfdorf wurde die Bauvoranfrage für ein Kongresszentrum mit Hotelbetrieb gestellt. Die Pläne des Architekten Martin Bühler sehen vor, das Gebäude bis zum Erdgeschoss abzutragen. Auf dieses sollen zwei Geschosse mit Flachdach gesetzt werden, die so gedreht sind, dass der Blick aus den Konferenzräumen in Richtung Hohenstaufen geht. Im bestehenden Erdgeschoss soll das Catering unterkommen, der eigentliche Hotelbetrieb in einem weiteren Gebäude.

Haghof punktet mit Golfclub, Reitställen und der Hagmühle

„Wir haben dem Investor in Gesprächen signalisiert, dass die Verwaltung die Pläne positiv begleiten wird, weil wir finden, dass diese große Potenzial haben“, sagt Michael Segan, der Bürgermeister von Alfdorf. Dies gilt aus touristischer Sicht, aber auch weil die größte Firma am Ort Bedarf an solchen Räumen gemeldet habe. „Das Hotel war früher schon ein Tagungszentrum, allerdings wurde lange nichts investiert – da wurde noch mit Flipcharts gearbeitet“, sagt Segan, der sich auch interessante Kooperationen mit dem benachbarten Golfclub, den zwei Reitställen oder der Hagmühle vorstellen könnte. Der Gemeinderat hat die Pläne mehrheitlich befürwortet. Allerdings müsse für die Parksituation noch eine Lösung gefunden werden, sagt Segan. Zudem muss beim Landratsamt geklärt werden, ob der Bebauungsplan, der ein Satteldach vorsieht, geändert werden muss. „Wenn nicht, dann könnten die Pläne relativ schnell umgesetzt werden“, erläutert Segan.

Das Winterbacher Hotel wurde an einen Unternehmer aus dem Ort verkauft

Zügig wird es nun auch in Winterbach gehen: Bis Ende April sollen die letzten Flüchtlinge ausziehen. Dort läuft die Zeit für das ehemalige Hotel allerdings endgültig ab. Der Landkreis hat das Gebäude noch bis Ende nächsten Jahres gemietet. Wenn die Flüchtlinge ausgezogen sind, soll das Gebäude zunächst als gewerbliche Unterkunft genutzt werden – in den Zimmern sollen Saisonarbeiter oder reisende Handwerker unterkommen. Grundstück und Gebäude gehören mittlerweile nicht mehr der Arcadia-Hotelbetriebsgesellschaft, sondern seit vergangenem September Volker Nonnenmann. Der Winterbacher Unternehmer plant dort ein Gebäude für seine gleichnamige Firma, die weltweit 3000 Kunden im Werkzeug- oder Maschinenbaubereich mit zum Teil selbst hergestellten Komponenten beliefert. „Das ist die Chance, den Standort Deutschland wieder zusammenzuführen“, sagt Volker Nonnenmann, der 70 Mitarbeiter beschäftigt.

Volker Nonnenmann plant einen Neubau für Logistik, Fertigung und Büros

Mangels Platz in Winterbach musste er bisher auf drei Hallen in Schorndorf ausweichen. Die Hoffnung, eine geeignete Fläche in Winterbach oder zumindest in der Nähe zu finden, hatte er eigentlich schon aufgegeben: „Im ganzen Remstal gibt es kaum Platz in Industriebereichen“, sagt Nonnenmann, der glücklich darüber ist, nun an seinem Wohnort ein perfektes Gelände direkt an der Bundesstraße bekommen zu haben.

Der Landkreis sei noch zuständig für den Abriss des ehemaligen Hotels. „Wir wollen im April mit den Planungen des Neubaus anfangen“, sagt Volker Nonnenmann. Unterkommen sollen Logistik, Fertigung und Büros. „So ein Gebäude baut man nicht in vier Wochen.“

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: