Die Polizei setzte gegen Aktivisten Tränengas ein. Foto: Getty Images Europe

Seit 2003 gibt es den „Marsch des Stolzes“, der Gouverneur hatte die diesjährige Veranstaltung in Istanbul verboten. Kleine Gruppen widersetzten sich dem Verbot und wurden von der Polizei auseinandergetrieben.

Istanbul - Mit Tränengas und Personenkontrollen hat die Istanbuler Polizei am Sonntag das Verbot einer Parade von Schwulen und Lesben durchgesetzt. Kleinere Personengruppen widersetzten sich dem Verbot des Marschs von Homo-, Bi- und Intersexuellen sowie Transgendermenschen mit spontanen Demonstrationen und wurden von Polizisten vertrieben.

Der Gouverneur von Istanbul hatte die auf dem zentralen Taksim-Platz geplante Parade das dritte Jahr in Folge verboten und dies mit der öffentlichen Ordnung und Sicherheit begründet. Die Polizei hinderte am Sonntag Gruppen daran, die zu dem Platz führende Istiklal-Straße zu betreten. Die Beamten wiesen Personen ab, von denen sie glaubten, dass sie mit der Parade in Verbindung stehen.

Mindestens 100 Protestierende versammelten sich in der Nähe des Platzes und riefen Parolen wie „Seid nicht still, ruft laut, Schwule gibt es.“ Aktivisten zufolge setzte die Polizei auch Gummigeschosse ein, um die Menge aufzulösen. Die Beamten nahmen laut einem Bericht der amtlichen Nachrichtenagentur Anadolu „schätzungsweise 20 Personen“ fest. Unter ihnen war auch ein AP-Reporter. Die private Nachrichtenagentur Dogan berichtete, sieben Gegendemonstranten seien festgenommen worden.

Homosexualität steht nicht unter Strafe

Seit 2003 hatte der „Marsch des Stolzes“ für die Rechte von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Transgender und Intersexuellen in Istanbul jeweils Zehntausende Menschen angezogen, 2014 kamen bis zu 100 000 - eine der größten derartigen Veranstaltungen in der muslimischen Welt. Seither haben die Behörden den Marsch nicht mehr genehmigt.

Anders als in anderen muslimischen Ländern steht Homosexualität in der Türkei nicht unter Strafe. LGBTI-Aktivisten kritisieren aber, sie seien rechtlich nicht geschützt und würden verbreitet gesellschaftlich stigmatisiert. Die türkische Regierung hat erklärt, es gebe im Land keine Diskriminierung von Menschen wegen ihrer sexuellen Orientierung.

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