Vom 1. Dezember an bekommt man im Parkhaus Österfeld ein Kombiticket, das zur Nutzung des VVS berechtigt. Foto: Archiv Michele Danze

Mit Kombitickets für Parken und den ÖPNV sollen die Stellplätze im Parkhaus Österfeld nahe der S-Bahn und dem Step den Umstieg auf die Öffentlichen attraktiver machen. Am 1. Dezember soll das neue System in Betrieb gehen.

Vaihingen - Regelmäßige Nutzer haben es vermutlich schon gemerkt: Das Parkhaus Österfeld wird umgebaut. Die Einfahrt wird beschrankt, an den Terminals kann man sich ein Kombiticket für das Parken und die Nutzung von Bus und Bahn im Verkehrsverbunds Stuttgart (VVS) ziehen. Für die Parker, die ihre Fahrzeuge bislang lediglich im Österfeld abstellten, ohne danach auf die Bahn umzusteigen, wird das Parken durch den Umbau teurer. Bislang konnten sie für 1,50 Euro am Tag parken. Künftig werden es 6,90 Euro für bis zu vier Stunden und acht Euro für bis zu 24 Stunden sein. In den Preisen eingeschlossen ist allerdings die Nutzung des VVS für beliebig viele Fahrten in den Zonen 10 und 20. Gruppen bis zu fünf Personen parken für 8,70 Euro für vier beziehungsweise 11,40 Euro für 24 Stunden. Sie können für den Preis den ÖPNV mit einem Gruppenticket nutzen. Bei Feinstaubalarm kosten die Tickets entsprechend weniger.

Die Preise sind die gleichen wie etwa im Park-and-Ride-Parkhaus Albstraße in Degerloch. Dauerparker haben die Möglichkeit, einen Dauerparkvertrag abzuschließen. ÖPNV-Abokunden mit einer Polygo-Card für Zone 20 zahlen dafür pro Monat elf Euro. Diese Chipkarte soll letztlich den Verbundpass mit Wertmarke ablösen und ermöglicht den VVS-Kunden das Zahlen nicht nur von Bus und Bahn, sondern auch von Car-sharingangeboten und der Nutzung von Leihfahrrädern. Die Umstellung ist bereits im Gange. Neue Abokunden bekommen direkt die Polygo-Card und keinen Verbundpass mehr.

Preiswerter Umstieg vom Auto auf den ÖPNV

„Wir möchten im Österfeld eine Möglichkeit für den preiswerten Umstieg vom Auto auf den ÖPNV schaffen“, erläuterte Wolfgang Forderer, der Leiter der Abteilung Mobilität bei der Stadt Stuttgart, in der jüngsten Bezirksbeiratssitzung in Vaihingen. Im Rahmen eines Namoreg-Pilotprojekts wird die Stadt in Kooperation mit der Parkraumgesellschaft Baden-Württemberg (PBW) den Betrieb des P&R-Parkhauses zwei Jahre lang testen. Namoreg steht für nachhaltig mobile Region Stuttgart. Die Initiative wurde gemeinsam vom Land Baden-Württemberg, dem Verband Region Stuttgart und der Stadt gegründet und fördert innovative Mobilitätsideen, die im Raum Stuttgart getestet werden.

Schon am 1. Dezember soll das umgebaute P&R-Parkhaus an der Zusestraße 30 seinen Betrieb aufnehmen. Die schnelle Umsetzung ist deswegen nötig, weil die Fördermittel, die dafür zur Verfügung stehen, sonst am Ende des Jahres verfallen wären, sagte Forderer. „Es war ein Kraftakt, das Projekt nun auf die Schnelle zusammen mit der PBW auf die Beine zu stellen. Aber wenn wir jetzt nicht zugegriffen hätten, wäre die Chance vertan gewesen“, so Forderer. Der Gemeinderat beschließt das Projekt in der nächsten Woche.

Ulrich Bayer von der CDU kritisierte die schnelle Umwandlung. Er meinte, es habe zu wenige Informationen im Vorfeld gegeben. „Das wird ein Chaos geben“, sagte er. Bayer befürchtete, dass die Parker von den Schranken und den höheren Preisen abgeschreckt werden und dann den Grünstreifen vor dem Parkhaus zustellen könnten. Zudem gelange das Parkhaus bei Veranstaltungen wie VfB-Spielen an seine Kapazitätsgrenzen. Die CDU plädierte bereits im vergangenen Jahr für einen Ausbau des über 514 Stellflächen verfügenden Parkhauses, das regelmäßig voll belegt sei. In dem Antrag forderte die Fraktion außerdem ein Kombiticket für Parken und ÖPNV. Das zumindest wird nun umgesetzt. Forderer entgegnete zudem, dass es beispielsweise im Step eine Infoveranstaltung zum P&R-Parken geben würde. „Wenn der Betrieb im Dezember aufgenommen wird, werden wir die ersten Tage vor Ort sein, um die Menschen zu informieren“, ergänzte Simon Schwarz von der PBW.

Parkdruck im Wohngebiet könnte steigen

Sigrid Beckmann (SPD) befürchtete, dass die Autofahrer ihre Fahrzeuge wegen der neuen Preise in den umliegenden Wohngebieten und im Bereich der Uni abstellen könnten. „Wir können nicht jeden Fall von Anfang an abdecken“, sagte Schwarz. Das Projekt sei zunächst auf zwei Jahre angelegt, um Erfahrungen zu sammeln. Volker Weil (FDP) fragte, ob die Nutzung des P&R-Parkhauses auch für Menschen verständlich sei, die der deutschen Sprache nicht mächtig sind. Die Kassenautomaten seien mehrsprachig, bestätigte Schwarz, die beiden Terminals an der Einfahrt zum Parkhaus mit Piktogrammen ausgestattet, die die Nutzung in Bildern erklären.

Neue Hinweistafeln etwa an der B14/A831 sollen auf die P&R-Möglichkeit hinweisen, erläuterte Forderer. Auch das hatte die CDU 2015 angeregt. „Österfeld ist ein idealer Umsteigepunkt vom Auto auf die Öffentlichen“, sagte er. Man sei in Gesprächen mit den Stadtwerken und Stadtmobil, um eventuell Elektroladesäulen und Carsharing im Parkhaus anbieten zu können. „Wir möchten diese Angebote weiter fördern“, sagte Forderer.

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