Otto Baum, Kleiner Elefant, 1950/53 Foto: Galerie Schlichtenmaier

Otto Baum? Wunderbare Lehrsätze sind von dem Bildhauerprofessor an der Stuttgarter Akademie (1946 bis 1965) überliefert. Einer der schönsten: „Eine Plastik muss rund sein.“

Stuttgart - Der Kerl kommt einem bekannt vor. Ja, dieser Elefant erscheint als guter Freund, der immer schon da war. In Handschmeichelgröße ebenso wie als überdimensionales Klettertier. Man lässt sich gern begrüßen von Otto Baums Elefant. Fast steht er Spalier für die Besucher der aktuellen Baum-Schau in der Stuttgart-Dependance der Galerie Schlichtenmaier. Der Blick aber geradeaus zeigt etwas ganz anderes. Kühl und kühn streckt sich eine geschwärzte Sperrholzform nach oben, teilt sich und bleibt doch eins. 1963 entsteht das „Paar“, eine Reduktion, die nur in unbedingter Souveränität möglich ist.

Otto Baum? Wunderbare Lehrsätze sind von dem langjährigen Bildhauerprofessor an der Stuttgarter Akademie – von 1946 bis 1965 – überliefert. Einer der schönsten: „Eine Plastik muss rund sein.“ Baum kommt als gestandene Persönlichkeit auf den Weißenhof. 1900 in Leonberg geboren, hat er ebenso nationale Erfolge erlebt wie auch die Verfemung als „entarteter Künstler“ in Hitler-Deutschland. Baum, dies zeigt diese gerade in ihrer Zurückhaltung ungemein überzeugende Präsentation, nutzt die Verbotsjahre, um der steten Verfeinerung (bis hin zu einer „Taube“ von 1940) zunächst mit überraschender Kombinatorik (wie bei der Reihe der „Elefanten“) zu antworten, dann aber das eigene Schaffen buchstäblich anzurauen.

Folgerichtig führt solches Verfahren ­Otto Baum, der 1977 in Esslingen stirbt, zu einer neuen Auseinandersetzung mit Tier- und Pflanzenformen. Nicht mehr in der sinnbildlichen Erhöhung, sondern in einer sehr feinen Annäherung an das im jeweiligen Material haptisch Mögliche. Ein „Fisch“ von 1960 verrät in einer Skulptur die ganze Entwicklungsgeschichte ­seiner Art und bleibt zugleich eigenwillig distanziert. Fast zu sehr in den Hintergrund tritt so die Studie für eine nicht realisierte Großplastik auf dem Birkenkopf in Stuttgart – „Anrufung - Flüchtende, Große Klage“ von 1957.

Kleiner Schlossplatz, bis 5. September, Di bis Fr 11 bis 19, Sa 11 bis 17 Uhr

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: