Zu den Hauptverkehrszeiten geht es in der Neuhauser Straße zurzeit zu wie auf dem Münchner Stachus. Foto: Horst Rudel

Anwohner der zur Umleitungsstrecke auserkorenen Neuhauser Straße in Nellingen sind über die starke Verkehrsbelastung vor ihrer Haustür verärgert. Da die Körschtalbrücke später fertig wird als geplant, wird ihre Leidenszeit noch länger dauern.

Ostfildern - Wie der Name schon sagt, können in der Bürgerfragestunde der Stadt Ostfildern Fragen an die Stadtverwaltung gerichtet werden. In der jüngsten Sitzung des Gemeinderats ist die Fragestunde jedoch zu eine halbstündigen Beschwerderunde geworden, in der Anwohner der Neuhauser Straße in Ostfildern-Nellingen ihrem Ärger gehörig Luft verschafften. Groß ist für sie die Verkehrsbelastung, denn die Straße dient seit Ende Juli als Umleitungsstrecke für die in der Sanierung befindliche und mit einem Radweg auszustattende Körschtalbrücke, auf der täglich rund 25 000 Fahrzeuge unterwegs sind. Die Ankündigung des Regierungspräsidiums (RP) Stuttgart, wonach die Arbeiten noch bis Ende November und damit sechs Wochen länger als geplant dauerten, verursacht zusätzlichen Unmut. Der wurde gegenüber dem Ostfilderner Oberbürgermeister Christof Bolay deutlich geäußert.

„Sie können gerne mal zu mir ins Schlafzimmer kommen“

Lediglich kurz kam etwas Heiterkeit auf, als ein Anwohner dem Rathauschef vorschlug, dieser könne „gerne mal zu mir ins Schlafzimmer kommen. Das ist der Wahnsinn. Da stehen Sie nachts im Bett.“ So beschrieb dieser die Belästigung durch Verkehrslärm selbst zu nachtschlafender Zeit. Nachbarn des Mannes sind entnervt vom ständigen Stau vor ihren Häusern, von Gehwegen die durch Schilder eingeengt sind und damit eine Gefahr darstellten, von vorbei donnernden Lastwagen und von Rasern, wenn die Strecke zu bestimmten Tages- und Nachtzeiten doch einmal frei ist.

Die Anlieger der Neuhauser- und der Wilhelmstraße empfinden den momentanen Zustand als untragbar, zumal vor ihren Haustüren normalerweise zu den Hauptverkehrszeiten am Vormittag und am Nachmittag ein Durchfahrtsverbot gilt, um einen Schleich- und Ausweichverkehr des in Stoßzeiten überlasteten Körschtalviadukts zu verhindern. Die Durchfahrtssperre gilt von der A 8 kommend in der Zeit von 7 bis 9 Uhr für Motorräder, Autos und Lastwagen ab 3,5 Tonnen. Von Nellingen in Fahrtrichtung Neuhausen ist sie zwischen 16 und 19 Uhr zu beachten.

Dieses Verbot werde nicht ausreichend kontrolliert, kritisierte einer der Redner die Verwaltung scharf. Zudem verstehe er nicht, weshalb die Umleitungsstrecke uneingeschränkt in Richtung Neuhausen befahrbar sei, obwohl der Verkehr über die Körschtalbrücke ebenfalls einspurig in diese Richtung rollen könne. Vor seinem Haus „fahren jetzt Lastwagen, die vorher nicht da gefahren sind“, echauffierte er sich und fordert deshalb einen stationären Blitzer. Denn Pendler aus Nachbargemeinden nutzten die stressfreiere Alternative ohnehin gerne und zahlten, ohne mit der Wimper zu zucken, die 15 bis 20 Euro Bußgeld. Sofern sie überhaupt durch eine der seltenen mobilen Überwachungen ertappt werden. „Die Gefahr, erwischt zu werden, ist sehr gering“, kritisierte er die aus seiner Sicht zu laschen Kontrollen. Aufzeichnungen zufolge wurden im vergangenen Jahr bei insgesamt 38 Durchfahrtsverbotskontrollen in der Neuhauser Straße 744 Verkehrssünder mit einem Bußgeld belegt, weil sie dort unerlaubt fuhren.

Ein Anwohner schlägt Bodenschwellen vor

Für den Oberbürgermeister Christof Bolay ist die zeitliche Verzögerung auf der Brückenbaustelle – die Schäden am Bauwerk sind laut dem Regierungspräsidium schwerwiegender als angenommen – „bedauerlich“. Aber die Stadt sei weder dafür, noch für die Einrichtung einer Umleitung zuständig. Wenn die Arbeiten auf der Brücke beendet seien, werde in der Neuhauser Straße „wieder kontrolliert“. Von einer stationären Überwachung halte er indes nichts. Vielmehr sei bereits eine sogenannte halbstationäre Anlage bestellt worden, die auch dort zum Einsatz kommen werde. Diese wird, wie es auch in Esslingen seit Kurzem der Fall ist, mehrere Tage an einem Standort aufgestellt, um dann an einer anderen Stelle platziert zu werden.

Ein Anwohner schlug vor, Bodenschwellen auf die Fahrbahn zu montieren, um zumindest die Geschwindigkeit der Fahrzeuge auszubremsen. Er beobachte Lastwagen, die mit 50 Stundenkilometern und mehr über die schmale Straße bretterten, obwohl nur Tempo 30 erlaubt sei.

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