Jochen Mayer an seinem Stand auf dem Stuttgarter Wochenmarkt Foto: Lichtgut/Julian Rettig

Die Obsternte fällt in diesem Jahr deutlich höher aus als im vergangenen Jahr. Nachdem der späte Frost im April 2017 große Teile der Ernte zerstörte, sorgte das Wetter in diesem Jahr für viel Obst auf den Bäumen.

Stuttgart - Nicht nur die Bäume biegen sich unter dem vielen Obst, sondern auch die Verkaufstische auf dem Wochenmarkt in Stuttgart. „Es handelt sich um eine überdurchschnittliche Ernte“, sagt Jochen Mayer, der im Weinstädter Stadtteil Großheppach (Rems-Murr-Kreis) ein Obstgut betreibt. Dreimal in der Woche bietet er sein Obst auf dem Markt an. Nachdem der späte Frost im April 2017 große Teile der Ernte zerstörte, sorgte das Wetter in diesem Jahr für viel Obst auf den Bäumen. Vorteile hat die gute Ernte vor allem für die Qualität der Ware: Aufgrund der großen Mengen wird großzügig aussortiert. Davon profitieren die Kunden. Denn Obst, das optische oder andere Mängel aufweist, wird zu Saft verarbeitet. Außerdem ist Mayer, anders als im vergangenen Jahr, nicht auf Importe angewiesen und kann daher die gute Qualität der Ware garantieren. „Alles, was wir hier verkaufen, kommt aus eigener Ernte“, sagt er. Die Menge an Äpfeln reiche aus, um sie über den Winter zu lagern und zu verkaufen, bis 2019 die neue Ernte beginnt. Die Kilopreise für Äpfel seien im Vergleich zum Vorjahr von drei auf zwei Euro gesunken.

Die Preise gehen nach unten

Dennoch habe die diesjährige Wetterlage laut Mayer finanzielle Vorteile: Schädlinge breiten sich in der Trockenheit nicht aus, wodurch weniger Geld für Pflanzenschutzmittel ausgegeben werden musste. Trotz des wenigen Regens hat Mayer seine Obstbäume nicht bewässert. „Wir haben überladene Bäume entlastet und bereits vor der eigentlichen Ernte Obst abgenommen“, sagt er. So kann der Baum auch mit wenig Feuchtigkeit alle Früchte versorgen. Damit hat Mayer zwar Obst verloren, aber dafür bei den restlichen Früchten eine gute Qualität. Ruth Kleinmann von der Gartenbaufirma Kleinmann aus Heumaden berichtet aber auch von den negativen Seiten der ertragreichen Ernte. Sie verkauft Zwetschgen und Mirabellen auf dem Wochenmarkt. „Es gibt so viel, dass die Preise immer weiter nach unten gehen“, sagt sie. Für die derzeit sehr niedrigen Kilopreise von etwa zwei Euro lohne es sich für Kleinmann allerdings gar nicht, alle Früchte zu ernten. Sie könne bei weitem nicht alles Obst verkaufen, das auf ihren Bäumen wächst. Was zu viel ist, wird deshalb erst gar nicht geerntet.

Viele Bäume konnten Last nicht tragen

Allerdings handelt es sich dabei laut Rolf Heinzelmann, dem Vorsitzenden des Landesverbandes für Obstbau, Garten und Landschaft Baden-Württemberg (LOGL), nicht um den „Superertrag, der sich zunächst angekündigt hatte“. Durch das warme Wetter habe es in diesem Jahr ein sehr gutes Fruchtwachstum gegeben und die Früchte wurden früher reif als sonst. Aus diesem Grund begann die Ernte bereits zehn bis 14 Tage früher, etwa Mitte August. Heinzelmann erklärt aber, dass trotz des guten Fruchtwachstums in diesem Jahr nicht das gesamte Obst genutzt werden konnte. „Viele Bäume hatten so viel Obst, dass die Äste das hohe Gewicht nicht mehr tragen konnten“, sagt Heinzelmann. Deshalb sei es häufig zu Fruchtfall gekommen. Außerdem seien die Äpfel in diesem Jahr nicht so groß geworden wie sonst. Dafür habe die Trockenheit zu lange angedauert.

Weniger Saftausbeute durch Trockenheit

Auch Alexander Mayer, der in Uhlbach eine Fruchtsaftkelterei betreibt, bestätigt, dass die lange Trockenheit eher negative Auswirkungen auf die Ernte der Obstbauern hat. „Wir haben zwar sehr viele Äpfel, aber die Saftausbeute beim Pressen ist nicht so gut wie sonst“. Es gebe laut Mayer nicht so viel Saft wie in einem „normalen Jahr“. Für Privatpersonen, die ihre selbst geernteten Äpfel abgegeben wollen, bietet er in Stuttgart und Umgebung mehrere Obstannahmestellen an.

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