Unter anderem bauten die Diebe die Lenkräder der BMW aus. Foto: dpa/Rolf Vennenbernd

Das Landgericht Stuttgart verurteilt ein Paar aus Litauen, dem viele Diebstähle von Lenkrädern und Navis aus BMW angelastet werden, wegen schweren Bandendiebstahls. Auch Aufbrüche in Nürtingen gehen auf das Konto des Duos.

Nürtingen - Die für zahlreiche BMW-Aufbrüche verantwortlichen Hintermänner sind zwar weiterhin unbekannt. Doch hat das Landgericht Stuttgart zwei Mitglieder der Bande – einen 21-Jährigen und dessen 20 Jahre alte Freundin und Komplizin – jetzt wegen schweren Bandendiebstahls verurteilt. Mit deren Festnahme im vergangenen Juli riss laut der Polizei die Serie an BMW-Aufbrüchen ab.

Das Paar aus Litauen hatte während des Prozesses vor der 3. Strafkammer des Landgerichts Stuttgart gestanden, zwischen April und Juli vergangenen Jahres im süddeutschen Raum – darunter auch in Nürtingen – zahlreiche BMW aufgebrochen und daraus die Multifunktionslenkräder und Navigationsgeräte gestohlen zu haben. Der Mann muss dafür drei Jahre und zehn Monate ins Gefängnis. Die 20-Jährige kam mit einer Bewährungsstrafe von einem Jahr davon.

Verfahren wird deutlich abgekürzt

An nur zwei Verhandlungstagen brachte die Kammer den Prozess über die Bühne. Möglich machte das eine Absprache zwischen den Richtern, dem Staatsanwalt und den Rechtsanwälten. Sie einigten sich auf mögliche Strafobergrenzen, sollten die beiden Angeklagten die Taten einräumen. Demnach hatte das Duo gezielt BMW-Autohäuser aufgesucht, dort rund 50 Karossen aufgebrochen und fachmännisch ausgeräumt. Den Gesamtschaden schätzt die Polizei auf rund 200 000 Euro.

Unter anderem waren die Angeklagten in einer Nürtinger Firma zugange, wo sie in der Nacht zum 4. April als Mitglieder einer organisierten Bande die Navigationsgeräte und Lenkräder von sieben BMW ausbauten. Bei einer Tat in Ulm am 16. Juli vergangenen Jahres waren es lediglich der 21-Jährige und seine Freundin, die auf frischer Tat ertappt und von Spezialkräften festgenommen wurden – seitdem saßen sie in Untersuchungshaft. Die Drahtzieher sind der Polizei jedoch nicht ins Netz gegangen.

Der Teilerfolg der Ermittler hat sich aber offenbar positiv auf die Kriminalitätsstatistik im Bereich der Diebstahlsdelikte ausgewirkt. Laut Michael Schaal, einem Sprecher des Polizeipräsidiums Reutlingen, habe die Serie von BMW-Aufbrüchen in den Landkreisen Esslingen, Reutlingen und Tübingen „seit vergangenen Juli aufgehört“. Lediglich mit Einzelfällen seien die Kollegen seitdem noch befasst gewesen. Fälle, bei denen auf Firmenarealen gleich reihenweise Fahrzeuge dieses Herstellers ausgeräumt worden seien, „sind nicht mehr aufgelaufen“.

Beute nach Litauen geschafft

An den Aufbrüchen selbst ist laut der Staatsanwaltschaft neben dem 21-Jährigen auf jeden Fall noch ein weiterer „bislang unbekannter Mittäter“ beteiligt gewesen. Die junge Frau hat unter anderem die BMW-Autohäuser zuvor ausgekundschaftet, den jeweiligen „Tatort abgesichert“ und dabei geholfen, die Beute abzutransportieren. Um das Diebesgut zwischenzulagern, war von den Tätern eine Ferienwohnung in Stuttgart angemietet gewesen. Von dort seien die ausgebauten Autoteile laut der polizeilichen Ermittlungen von anderen Bandenmitgliedern abgeholt und nach Litauen geschafft worden.

Während der 21-Jährige in Haft bleibt, konnte seine Freundin den Gerichtssaal auf freiem Fuß verlassen. Denn sie wurde nach Jugendstrafrecht zu einer Bewährungsstrafe verurteilt.

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