Die Nürtinger sollen drei Wochen lang möglichst viele Wege mit dem Rad zurücklegen. Foto: Stuttgart Marketing

Der neue Oberbürgermeister Johannes Fridrich will den Nürtingern Beine machen. Beim Stadtradel-Wettbewerb sollen sich die Teilnehmer an der bundesdeutschen Spitzengruppe orientieren.

Nürtingen - Böse Zungen behaupten, den Nürtingern bliebe angesichts des schon seit Monaten anhaltenden Dauerstaus in der Stadt gar nichts anderes übrig, als sich aufs Rad zu setzen, wenn sie pünktlich zur Arbeit oder zu einer Verabredung kommen wollten. Johannes Fridrich, seit diesem Sommer neuer Oberbürgermeister in der rund 40 100 Einwohner zählenden Stadt, nähert sich dem Thema von der anderen Seite. Der parteilose Ratschef behauptet, Fahrradfahren und der damit verbunden Klimaschutz könne „richtig Spaß machen“.

In diesem Spannungsfeld zwischen automobilem Ernst und zweiradgetriebenem Spaß legt Fridrich die Latte zu seinem Amtsantritt gleich richtig hoch. Nürtingen, so sein ambitioniertes Ziel, solle bei der Aktion Stadtradeln des Klima-Bündnisses so entschlossen in die Pedale treten, dass die Stadt zur bundesweiten Spitzengruppe im radsportlichen Kilometerzählen aufschließt.

Vereine und Unternehmen in die Pflicht genommen

Wie das gelingen soll, hat Fridrich jetzt in einem an alle Vereine und großen Unternehmen der Stadt versandten Schreiben erklärt. Die Zahl der Radler, die sich im Rahmen des vom 10. bis 30. September anberaumten Stadtradelns 2019 in den Sattel schwingen und ihre Kilometerleistung auf das Nürtinger Wettbewerbskonto gutschreiben lassen, soll demnach auf deutlich über 1000 anwachsen. Unterm Strich soll so eine „erradelte Gesamtstrecke von deutlich mehr als 100 000 Kilometern“ herauskommen.

Zum Vergleich: Im vergangenen Jahr ist die Stadt Nürtingen mit 230 Teilnehmern und zurückgelegten 56 000 Kilometern irgendwo im bundesdeutschen Niemandsland herumpedaliert. Die damals erreichten 1,36 Kilometer pro Einwohner würden im aktuellen Ranking unter den rund 1100 teilnehmenden Kommunen gerade mal für Platz 566 reichen.

Der Termin liegt in diesem Jahr denkbar ungünstig

Im Bemühen, dem Stadtradeln so viel Rückenwind wie möglich zu geben, wirbt Fridrich nicht nur bei Vereinen und Firmen, sondern mithilfe eines Flyers auch bei Organisationen, in Geschäften und bei Privathaushalten. „Ich habe immer einen Stapel der Broschüren auf dem Schreibtisch liegen. Die bekommt jeder mit, der kommt“, sagt der Oberbürgermeister, selbst ein begeisterter Rennradfahrer mit Alpenquerungserfahrung. Bei allem Optimismus schwant Fridrich allerdings, dass seine Ziele zu hochgesteckt sein könnten – vor allem, weil sich das Stadtradeln-Fenster so kurz nach den Sommerferien öffnet. „So haben wir im Vorfeld die Schulen nicht erreichen können“, ärgert sich der Oberbürgermeister.

Nicht böse Zungen, sondern die nackten Zahlen legen den Verdacht nahe, dass der Umstieg aufs Fahrrad nicht nur aus Klimaschutzgründen Sinn macht. Waren bei einer Zählung im Jahr 1995 noch rund 28 000 Verkehrsbewegungen im gesamten Stadtgebiet von Nürtingen erfasst worden, so muss heute allein die zentrale Verkehrsachse entlang des Neckars, die Bundesstraße 313, pro Tag rund 55 000 Autos verkraften.

Startschuss am 10. September

Die Kampagne Stadtradeln ist eine Initiative des Klima-Bündnisses, dem mehr als 1700 Kommunen in Europa angehören. In einem Aktionszeitraum von drei Wochen werden die Kilometer aller Teilnehmer einer Stadt aufaddiert. Am Dienstag, 10. September, fällt der symbolische Startschuss mit einer von Oberbürgermeister Johannes Fridrich angeführten, zwölf Kilometer langen „Jedermann-Tour“, die um 17 Uhr am Rathaus beginnt.

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