Norovirus-Alarm: vorerst ist die Grundschule in Affstätt geschlossen. Foto: factum/Jürgen Bach

Nach einem Virusbefall sind fast die Hälfte der Kinder krank, die Schule ist für Tage geschlossen. Hätte man das verhindern können?

Herrenberg - Wenn ein Norovirus auftritt, geht es meistens Schlag auf Schlag. So auch in dieser Woche in der Grundschule in Herrenberg-Affstätt. Am Montag hatte ein Arzt aus Herrenberg das Gesundheitsamt in Böblingen gerufen und von einem Virusverdacht bei einem Schüler berichtet, der erkrankt ist. Während die Stichprobe im Labor überprüft wurde, meldeten sich am Dienstag neuerlich Ärzte und sprachen über Kinder mit ähnlichen Symptomen: plötzliche Kopfschmerzen, Durchfall, Erbrechen. Am Mittwoch waren schon 46 Schüler krank. „Wir haben darauf der Schulleiterin empfohlen, die Schule zu schließen“, sagt ein Sprecher des Böblinger Gesundheitsamtes. Seit Donnerstag ist die Grundschule nun zu. Fast die Hälfte der 115 Kinder liegt seither entweder krank im Bett oder muss zu Hause bleiben.

„Eine Schulschließung ist nie einfach“, sagt Angela Huber vom Schulamt in Böblingen. Innerhalb weniger Stunden mussten sämtliche Eltern und Lehrer informiert, der Fall mit Behörden, besorgten Müttern und Vätern abgestimmt werden. „Niemand hat Negatives über die kurzfristige Entscheidung geäußert“, berichtet Huber. Hätte man trotzdem den Virusbefall verhindern können?

Kein Patient „null“ bekannt

Für das Gesundheitsamt ist die Sache klar: Nein. Noch sei zwar unbekannt, wie das Norovirus aufgetreten war. Ein Patient „null“, der die Krankheitskette in Gang gesetzt hatte, sei unbekannt. Auch Versäumnisse im Schulbetrieb, wie etwa verunreinigtes Wasser, fehlende Seifen oder ähnliches seien bislang kein Thema, sagt der Sprecher. Tatsächlich sind Noroviruserkrankungen oder die Magen-Darm-Grippe, wie das Virus im Volksmund genannt wird, nichts Ungewöhnliches. Allein im Kreis Böblingen seien in diesem Winter „etliche Fälle“ aufgetreten, teilt die Stadt mit. Eine Kette von Ansteckungen sei dabei jeweils ausgeblieben.

In der Regel ist das Risiko einer Ansteckung besonders in den Wintermonaten groß, vor allem bei Kindern oder älteren Menschen. Nur wenige Viruspartikel reichen aus, um sie über den Mund oder über die Nase aufzunehmen. Die Infektion erfolgt dann durch feinste, infizierte Spuren von Kot oder Erbrochenem, die bei der Benutzung von Gemeinschaftstoiletten übertragen werden, oder wenn Handtücher von mehreren Menschen benutzt werden. Häufig reicht es schon, wenn ein Kind vergisst, sich nach Gang zur Toilette die Hände zu waschen.

Am Montag ist wieder Schule

Um eine weitere Infektionsgefahr in der Grundschule zu verhindern, sollen die Räume in den kommenden Tagen „gründlich“ mit einem speziellem Mittel gereinigt werden. Alle Wasserhähne, Tische und Sanitäranlagen würden geputzt, versichert das Gesundheitsamt. „Wir gehen davon aus, dass diese Maßnahmen ausreichen“. Nicht auszuschließen sei jedoch, dass Familienangehörige der erkrankten Kinder auch in den nächsten Tagen das Norovirus weiterreichten.

Experten zufolge verschwindet das Virus meistens so schnell wie es gekommen ist. Nach etwa zwei Tagen ist die Ansteckungsgefahr häufig gebannt. Auch wenn es nicht ausgeschlossen ist, dass es länger dauern kann. „Wir hoffen, dass die Gefahr danach beseitigt ist“, sagt Angela Huber vom Schulamt. Am Montag sollen die Grundschüler wieder in die Schule kommen. Die, die bis dahin gesund sind.

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