Nico Rosberg gibt sich in Stuttgart die Ehre. Foto: Baumann

Den ehemaligen Formel-1-Piloten Nico Rosberg würde es nicht ausfüllen, von nun an nur noch Vater und Ehemann zu sein – ein bisschen Beruf darf gerne sein.

Stuttgart - Wenn ein Formel-1-Pilot seinen Dienstwagen schiebt, dann geht der erfahrene Reporter davon aus, dass der Bursche danach extrem mürrisch die lästigen Fragen beantwortet. Wenn er es überhaupt tut. Nico Rosberg bewegt am Montag seinen Silberpfeil ebenfalls mit Muskelkraft, allerdings mit einem frohen Lächeln auf den Lippen, und auf die folgenden Fragen hat sich der amtierende Formel-1-Champion gefreut wie ein Kartknirps, der sein erstes Rennen gewonnen hat. „Ich wollte unbedingt mit dabei sein“, sagt der 32-Jährige, „wenn mein Weltmeister-Auto ins Mercedes-Museum kommt. Das ist eine Ehre für mich.“

Der Silberpfeil W07 Hybrid, mit dem Rosberg am 27. November 2016 in Abu Dhabi Champion geworden war, wird in seine neue Heimat in der Rennkurve bugsiert – geschoben, mit einer 40-Tonnen-Hebebühne in die erste Etage verfrachtet, erneut geschoben und zuletzt mit einem vierarmigen Kran vor die Weltmeister-Autos von Mika Häkkinen (1998) und Lewis Hamilton (2008) gehievt. „Wenn mir einer, als ich 2001 als Gokart-Junior bei Stars & Cars war gesagt hätte, dass ein Auto von mir bei dem von Mika Häkkinen steht – Wahnsinn“, sagt Rosberg, „Häkkinen war der Held meiner Jugendtage.“

Freier Terminplan

Nico Rosberg besitzt seit seinem Rücktritt den Luxus eines recht frei gestaltbaren Terminplanes, Pflichtveranstaltungen sind rar. Die Familie hat oberste Priorität, Gattin Vivian erwartet bald das zweite Kind, zudem verbringt der Papa gerne Zeit mit Tochter Alaia, die zwei Jahre alt wird. Doch es würde den ehemaligen akribischen Formel-1-Piloten nicht ausfüllen, von nun an nur noch Vater und Ehemann zu sein – ein bisschen Beruf darf gerne sein. „Ich befinde mich in einer Findungsphase, was ich in Zukunft machen möchte“, erzählt der gebürtige Wiesbadener, „mal sehen, wo die Reise hingeht.“ Ein Weltmeister auf Jobsuche.

Was mit Autos kann sich der Wahl-Monegasse natürlich vorstellen. Sein Vater Keke ist Teambesitzer eines Rennstalles, derzeit kämpft das Team in der DTM um Punkte, da ließe sich sicher was arrangieren. Formel-1-Legende Niki Lauda ist mit 68 Jahren auch nicht mehr der jüngste, ein Standbein als TV-Experte scheint für einen wie Rosberg, der fünf Sprachen spricht, durchaus erreichbar. Und bei bei der Marke Mercedes, die in der Formel 1 und ab Herbst 2019 auch in der Formel E am Start steht, würde sich garantiert ein Posten für einen Ex-Weltmeister finden lassen. „Mobilität ist ein großes und wichtiges Thema in dieser Zeit“, sagt Rosberg, „Motorsport ist und bleibt meine Leidenschaft. Ich sehe mir die Optionen an und werde dann das Gehirn anstrengen.“ Der ehemalige Rennfahrer bleibt mit seinen Antworten im Unkonkreten – alles ist möglich.

Zu Besuch in Wimbledon

Diese Findungsphase dürfte der Arbeitssuchende so schnell nicht abschließen, Rosberg hat viel Privates nachzuholen, nachdem er den Kalender von Technik-Briefings, Sponsoren-Aktionen, Interviews und Großen Preisen entrümpelt hat. Eine Wunschliste hat er aufgestellt mit Dingen, die er unbedingt erleben möchte. Abgehakt hat er bereits den Besuch beim Tennis in Wimbledon, wo er Roger Federer getroffen hat, aber auch Probleme mit der Etikette bekam. „Ich hatte keine Socken an“, erzählt er. Auch der Besuch im kalifornischen Silicon Valley, dem IT-Zentrum, ist erledigt, und Rosberg könnte sich ein Kompaktstudium „an der Stanford Business School“ vorstellen. Noch kein Haken steht an der Teilnahme an der Mille miglia, der Traditionswettfahrt in Italien in historischen Autos. Und auch die Safari ist noch nicht terminiert. „Ich beobachte und fotografiere sehr gerne Tiere“, erzählt er.

Und dann ist da noch ein Ort, der zwar nicht auf der To-do-Liste des 32-Jährigen steht, den er als Liebhaber für historische Automobile aber sehr gerne noch besuchen würde: das Porsche-Museum in Zuffenhausen. Auch wenn dort kein Fahrzeug des einstigen Mercedes-Piloten steht, mit dem er einige wichtigen Rennen gewonnen hat.

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