Im Foyer stirbt der Schwan – Szene aus dem Theaterparcours „Wir sind aus solchem Stoff wie Träume sind“ des Stuttgarter Staatstheaters Foto: dpa

Dass Stuttgart eine Kulturmetropole ersten Ranges ist, weiß man auch jenseits des Atlantiks: Nachdem die „New York Times“ bereits zweimal die 1:1-Konzerte in der Landeshauptstadt gefeiert hat, singt sie jetzt eine Hymne auf den „Theaterparcours“ der Staatstheater.

Stuttgart - Dass Stuttgart auch und gerade in der Corona-Saison eine Kulturmetropole ersten Ranges ist, hat sich in Stuttgart selbst vielleicht noch nicht überall herumgesprochen. Jenseits des Atlantiks weiß man es: Die „New York Times“ (NYT) singt eine Hymne auf die Inszenierung „Wir sind aus solchem Stoff wie Träume sind“, den vor einer Woche eröffneten Theaterparcours des Staatstheaters – und das, nachdem die renommierteste Zeitung der Welt zuvor bereits zwei Mal innerhalb kürzester Zeit über die Art und Weise berichtet hat, wie auch die Orchester der Landeshauptstadt mit ihren 1:1-Konzerten der Pandemie trotzen. Welch eine Ehre für die Stuttgarter Kultur!

Der NYT-Kritiker A. J. Goldmann schreibt, dass der von Burkhard Kosminski gestaltete Traumparcours „zu den intensivsten Erlebnissen seiners Theaterlebens“ zählt. Während überall in Deutschland das Kulturleben mit Hygieneregeln und Sicherheitsmaßnahmen langsam zurückkehre, habe der Regisseur eben diese Regeln und Einschränkungen benutzt, um eine „neue ästhetische Erfahrung“ zu schaffen. Und während er, Goldmann, die „intime Präsentation“ der einzelnen Stationen dieser Inszenierung wie „unter Hypnose“ genossen habe, habe er sich zugleich auch sehr privilegiert gefühlt, weil „nur ein paar wenige Glückliche“ diese Erfahrung teilen dürfen – der bis Mitte Juni angesetzte Parcours ist in der Tat längst ausverkauft.

Von Stuttgart lernen

Am Ende seiner ausführlichen Rezension spannt der Kritiker noch den Bogen von Stuttgart zum Broadway – und in die ganze Welt: „In den Broadway-Theatern bleibt der Vorhang noch mindestens bis zum Ende des Sommers geschlossen . . . Aber Kunsteinrichtungen in New York und anderswo könnten von Stuttgart lernen, wie man mit kreativer Flexibilität und Einfallsreichtum auf verantwortungsvolle Weise den kulturellen Lockdown aufhebt – weltweit.“

Aber nicht nur der Shakespeare-Trip, auch die Stuttgarter „1:1-Konzerte“ werden in der „New York Times“ in höchsten Tönen gelobt. „Ein Kontinent öffnet wieder“ heißt es in der Schlagzeile – und als herausragende Beispiele für das neu erwachte Europa hat der Reporter Patrick Kingsley auf seiner mehr als 5500 Kilometer langen Reise quer durch den Kontinent eben just die „1:1-Konzerte“ des Staatsorchesters an der Oper und des Symphonieorchesters des SWR ausgewählt.

„Das Coronavirus hat zur Absage der meisten Kulturereignisse geführt, Konzerte eingeschlossen. Aber zwei deutsche Orchester finden einen Weg, um auf sehr intensive Weise weiterzuspielen“, schreibt der Reporter. Wie das im Einzelnen geschieht, beobachtet er bei einem „1:1-Konzert“ des Staatsorchesters im IHK-Weinberghäuschen auf dem Killesberg. Der Kontrabassist Manuel Schattel schaut der Zuhörerin Claudia Brusdelyns eine Minute lang in die Augen und spielt danach „Greensleeves“ – eine „überwältigende Erfahrung“ für beide, so Kingsley, nachdem der umfassende Lockdown zuvor alle direkten Kontakte unterbunden und ins Internet verlegt habe. Museen, Theater und Orchester seien in Deutschland nur noch über Streams vorhanden gewesen, heißt es sinngemäß weiter.

Im Land der Kunst-Tüftler

Mittlerweile habe es allein in Stuttgart mehr als 1100 Konzerte im 1:1-Format gegeben, schreibt der Reporter, danach seien fünf andere Städte diesem Vorbild gefolgt: „Und was als kluge Anpassung an die Corona-Hygieneregeln begann, ist zu weitaus mehr geworden: zu einer Methode, menschliche Kontakte herzustellen in einer Zeit, wo genau das immer schwieriger wird“.

Folgt man der „New York Times“, liegt also zumindest eines der Copyrights für diese geniale Erfindung im Land der Tüftler, denen auch musikalische Ideen durch den Kopf schießen und theatralische obendrein. Das ist der Stoff, aus dem die Träume sind – zumindest im Stuttgarter Staatstheater.

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