Fellbachs Oberbürgermeisterin Gabriele Zull bei der Begrüßung der Gäste. Foto: Patricia Sigerist

Der gesellschaftliche Höhepunkt zum Jahresauftakt wird in Fellbach zur Werbung für 164 tolle Tage im Remstal genutzt. Doch auch Wohnen, Verkehr, der Breitbandausbau und die Parksituation am Wohn-Tower zählen zu den großen Themen.

Fellbach - Ob sich die Fellbacher Oberbürgermeisterin Gabriele Zull bei der Wahl ihrer Garderobe am geplanten Blumenschmuck für den Neujahrsempfang orientiert hat oder die Blüten nach ihrer farblichen Vorgabe auswählen ließ – darüber kann nur gemutmaßt werden. Jedenfalls passte ihr pinkfarbenes Spitzenkleid perfekt zur wunderschönen Blumendekoration mit blassroten Amaryllisblüten und bizarren Zweigen, die Florist Thilo Schick kunstvoll arrangiert hatte.

Ein „gelungener Neujahrsempfang“ sei es gewesen, war am Sonntag beim Ständerling allenthalben zu hören. Mehr als 1000 Bürger hatten sich für das gesellschaftliche Ereignis, bis hoch auf die Empore war der Hölderlinsaal der Schwabenlandhalle besetzt. Und die Promi-Dichte war hoch:Politische Schwergewichte aus Bund, Land und Kreis, Regionalpräsident Thomas Bopp und Rems-Murr-Landrat Richard Sigel gaben sich ebenso die Ehre wie Fellbachs Alt-OBs Friedrich-Wilhelm Kiel und Christoph Palm und zahlreiche Bürgermeister aus der Nachbarschaft. Und selbstredend ließ sich auch Fellbachs Society nicht nehmen, Gabriele Zull und ihrem Mann Martin persönlich Neujahrsgrüße zu überbringen.

Ausdrücklich wies sie in ihrer Begrüßung auf die gut 10 000 Veranstaltungen im Gartenschaujahr hin

Eingestimmt aufs gut zweistündige Programm wurden die Gäste mit Vogelgezwitscher, sanfter Musik und einem Kamerarundflug über die Stadt, die sich ab Mai bei der Remstal-Gartenschau von ihrer besten Seite zeigen will. Dann ließen die sangesfreudigen Männer der Concordia Schmiden unter Leitung von Kai Müller das erste von vier Liedern erklingen, mit denen sie den Neujahrsempfang musikalisch umrahmten.

„Wir sind von Herzen dankbar, wie gut es uns geht“, sagte Gabriele Zull und drückte ihre Hoffnung aus, dass 2019 „Gutes und Segensreiches“ bringen möge. Ausdrücklich wies sie in ihrer Begrüßung auf die gut 10 000 Veranstaltungen im Gartenschaujahr hin. „Wir alle befinden uns in einem kollektiven Zustand der unendlichen Vorfreude auf 164 tolle Tage“, sprach sie von einem unvergesslichen Ereignis für alle beteiligten Städte und Gemeinden. Die Gartenschau zeige, dass die kommunale Familie gemeinsam auch unendlich stark sei. Triennale, Fellbacher Herbst, der Besinnungsweg und die Natur-Kunst-Räume im Weidachtal würden ebenso wie viele Open-Air-Veranstaltungen alleine schon in Fellbach für ein umfangreiches Programm sorgen.

Dem Mangel an Wohnraum begegne man in Fellbach mit der Wohnbauoffensive

Besonders ist das Jahr 2019 aber nicht nur wegen der Gartenschau, sondern auch wegen runder Geburtstage von für die Stadtgesellschaft stehenden Institutionen. Ausdrücklich betont wurde von Gabriele Zull die Gründung des Evangelischen Vereins vor 100 Jahren und das 90-jährige Bestehen der Fellbacher Arbeiterwohlfahrt. Dass 2019 auch an die 500-jährige Geschichte des Turms der Lutherkirche gedacht wird, fand in der Begrüßungsrede allerdings keinen Platz. Statt mit dem alten beschäftigte sich die OB mit dem neuen Fellbacher Wahrzeichen – und lobte das „so starke und zugleich geräuschlose“ Wirken von Insolvenzverwalter Ilkin Bananyarli. Der zum Neujahrsempfang eingeladene Rechtsanwalt hatte sich nach dem Baustopp erfolgreich um eine Lösung für den Gewa-Tower bemüht und laut Zull in der Berliner CG-Gruppe „einen renommierten und starken Investor“ für den 107 Meter hohen Wohnturm gefunden. Der Gemeinderat habe zweifellos richtig entschieden, den Tower nicht als ewige Bauruine in die Stadtgeschichte eingehen zu lassen. „Dass in der restlichen Bauzeit ein Parkierungs- und Mobilitätskonzept entwickelt werden muss, ist eine eisenharte Bedingung“, betonte die Fellbacher Rathauschefin.

Als kommunale Arbeitsschwerpunkte nannte die Oberbürgermeisterin am Sonntag den Wohnungsbau, den Verkehr und die Digitalisierung. Dem Mangel an Wohnraum begegne man in Fellbach mit der Wohnbauoffensive, die bis 2022 rund 1000 neue Wohnungen schaffen will und mit einer flächenschonenden Nachverdichtung auch preisreduzierte Appartements im Blick haben soll. Zweites Mega-Thema sei der Verkehr, auch beim Breitbandausbau gehe es um den Erhalt von Wirtschaftskraft und Arbeitsplätzen.

Im Rahmen des Neujahrsempfangs am Sonntag haben Oberbürgermeisterin Gabriele Zull und die Fraktionsvorsitzenden insgesamt neun Bürgerinnen und Bürger mit der Ehrenplakette der Stadt ausgezeichnet

Bevor die Ehrenplaketten der Stadt an neun engagierte Ehrenamtliche vergeben wurden, ehrte die Oberbürgermeisterin ein Urgestein der Kommunalpolitik: Harald Raß, im Oktober nach 43 Jahren aus dem Gremium ausgeschiedener SPD-Stadtrat, bekam für sein vielschichtiges Wirken die Ehrenmedaille überreicht. Den künstlerischen Schlusspunkt setzten Emily Kruse und Jugendhausleiter Peter Hauser mit einer Lesung in Sachen „Fake News“: Das Märchen von Hänsel und Gretel lieferte den Stoff für einen Wirtschaftskrimi um die Erfindung des Nürnberger Lebkuchens.

Im Rahmen des Neujahrsempfangs am Sonntag haben Oberbürgermeisterin Gabriele Zull und die Fraktionsvorsitzenden insgesamt neun Bürgerinnen und Bürger mit der Ehrenplakette der Stadt ausgezeichnet. Wir listen die Namen hier in einer Kurzbiografie auf.

Die geehrten Ehrenamtlichen sind in Fellbach im gesellschaftlichen, sozialen und sportlichen Bereich engagiert. Mathias Fischer Im Alter von 15 Jahren kam er zum Fußball beim SV Fellbach. Von 1995 bis 2003 war er Pressesprecher und Schriftführer und ab 2002 bis heute Abteilungsleiter des Fußballabteilung. Margot Gauß Angefangen hat alles vor rund 25 Jahren mit der Leitung der Krabbelgruppe und dann der Kinderkirche, seither ist Margot Gauß in der Katholischen Kirchengemeinde Oeffingen engagiert, als „Gruppenmutter“ bei Erstkommunion und Firmgruppen. Seit 1996 Mitglied und seit 2005 Vorstandsmitglied des Oeffinger Katholischen Kirchengemeinderats. Ursula Heinricy Am 1. Februar 2001 trat die promovierte Medizinerin in den DRK-Ortsverein Fellbach ein und ist als Bereitschaftsärztin seither aktives Mitglied der DRK-Bereitschaft. Die hohe fachliche Kenntnis der DRK-Bereitschaft ist ihr zu verdanken. Seit 2004 vertritt sie den DRK-Ortsverein bei Rotkreuz-Ärztetagungen. Annika Joos Mit 19 Jahren wurde sie Vorsitzende der Fellbacher Landjugend und Mitglied in der Kreislandjugend Rems-Murr. Für die Landjugend Württemberg-Baden ist sie seit drei Jahren im Redaktionsteam der Mitgliederzeitschrift „BreitSeite“. Unter ihrem Vorsitz entwickelte sich die Fellbacher Landjugend zu einem Verein für Jugendliche aus allen drei Ortsteilen. Gisela Klebert Letztmals veranstaltete der Evangelische Verein Fellbach 2018 sein Kinder- und Familienfest „Fröhlichen Gemeindetage“, wie schon seit fast 70 Jahren. 1988 stieß Gisela Klebert zum Organisations-Team dazu und war ab 1989 komplett verantwortlich für die Tombola. Michael Mayer Seit 34 Jahren ist Michael Mayer aktives Mitglied der Abteilung Fellbach der Freiwilligen Feuerwehr Fellbach. Seit 2000 gehört er dem Feuerwehrausschuss an und ist Zugführer des Löschzugs 1 der Abteilung Fellbach. Carola Mombrei Seit mehr als einem Vierteljahrhundert hat sie sich der Kinder- und Jugendarbeit der Evangelischen Kirchengemeinde Schmiden verschrieben, bis heute aktiv bei der Jungschar. 2014 ist sie Vorstand des Fördervereins Evangelische Jugendarbeit in Schmiden. Sigrid und Gerhard Müller Das Ehepaar eint die Liebe zum Turnen und zum TSV Schmiden. Gerhard Müller ist seit fast 60 Jahren Mitglied beim TSV und war jahrelang als Übungsleiter und Trainer in den verschiedensten Turngruppen aktiv – so auch von 1968 bis heute als „Vorturner“ bei den Alt-Herren-Turnern. Sigrid Müller leitet seit 1984 die Gruppe „Fit trotz Gewicht“, von 1998 bis 2017 die Gruppe „Sport nach Krebs“.

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