Entspannt bei ihrer Anhörung im US-Senat: die Generäle Wolters und Townsend Foto: Williams/AP

Sie sind hochdekoriert, waren an vielen Krisenherden der Welt. Der eine kennt Pfälzer Saumagen hautnah, der andere hat sogar deutsche Wurzeln. Bald tritt US-General Wolters an die Eucom-Spitze und General Townsend wird Africom führen.

Stuttgart/Washington - Sie sind hochdekoriert, waren an vielen Krisenherden der Welt im Einsatz: Der eine ist studierter Psychologe mit deutschen Wurzeln, der andere kennt Pfälzer Saumagen hautnah. Jetzt lautet der neue Auftrag der beiden: Stuttgart.

Mit Deutschland verbindet den einen US-General eine einzigartige Biografie. Auf die Welt kam Stephen J. Townsend 1959 im mittelfränkischen Flecken Scheinfeld. Seine deutsche Mutter, eine Kunststudentin, hatte sich in einen afghanischen Medizinstudenten verliebt. Kurz nach seiner Geburt wurde Townsend aber von einem Feldwebel der Army und dessen Frau adoptiert.

Afghanischer Vater

Bis Anfang dreißig ging er davon aus, er sei Halbitaliener. Das hatten die deutschen Behörden seinen US-Adoptiveltern mitgeteilt. Von seinen afghanischen Wurzeln erfuhr er erst Anfang der 90er Jahre, als seine deutsche Familie mit ihm Kontakt aufnahm. Von einem auf den anderen Tag hatte er neben Verwandten in Deutschland auch afghanische, die Anfang der 80er Jahre vor den sowjetischen Invasoren über Deutschland in die USA geflüchtet waren. Dies erzählte Townsend 2002 der „Washington Post“, nachdem er als Oberstleutnant gerade ein Bataillon der 10. Gebirgsjägerdivision gegen die Taliban im afghanischen Shahi-Kot-Tal in die Schlacht geführt hatte.

Der andere US-General, Tod D. Wolters, kommandiert seit Sommer 2016 die US-Luftstreitkräfte in Europa und Afrika und gleichzeitig das Nato-Luftwaffenkommando in Ramstein in der Pfalz. Jede Menge Bezüge nach Deutschland also für zwei US-Vier-Sterne-Generäle, die in einigen Monaten in Stuttgart neue Kommandeursaufgaben übernehmen: Luftwaffengeneral Wolters folgt auf General Curtis Scaparrotti als Kommandeur der US-Streitkräfte in Europa (Eucom) und als neuer Nato-Oberbefehlshaber. General Townsend übernimmt im Sommer die Führung des ebenfalls in Stuttgart ansässigen US-Afrika-Kommandos (Africom) vom Marineinfanteristen Thomas Waldhauser. Die Bestätigung durch den US-Senat gilt als sicher.

Die geografischen Zuständigkeiten – für Europa und Afrika – sind verschieden. Dafür klangen die Sorgen der beiden US-Offiziere im Senat jüngst verblüffend ähnlich: Wolters und Townsend betonten bei ihrer Anhörung, Russland und China bereiteten ihnen die größten Kopfschmerzen. Wolters forderte mit Blick auf einen möglichen Konflikt mit Russland mehr Soldaten, zwei zusätzliche Zerstörer und weitere Anstrengungen, die Infrastruktur in Osteuropa zu verbessern, „damit wir schneller an den Gegner herankommen“. Zu den verstärkten Investitionen Chinas in europäischen Häfen und zu Plänen Pekings, in einen Flugplatz in Grönland zu investieren, meinte er: „Das gibt uns zu denken.“ Townsend sagte zu Russen und Chinesen in Afrika: „Sie bieten eine Menge Militär- und Wirtschaftshilfe an.“ Das gehe auf Kosten „unseres Zugangs und unseres Einflusses“. Die Ära wachsender Rivalität unter den Großmächten nimmt an Fahrt auf.

„Keine leichten Jobs“

Die US-Offiziere sind für ihre neuen Aufgaben gerüstet. Weit umziehen muss Wolters, mit mehr als 5000 Flugstunden vom F-15-Jet bis zum Tarnkappenjäger F-22, nicht. Doch weilt er meist im militärischen Nato-Hauptquartier im belgischen Mons. Ramstein sollte ihn für seine diplomatisch heikle Mission gut vorbereiten – mit den Nato-Partnern vor allem Russland abzuschrecken. Wolters kann darauf verweisen, dass die USA ihre Ausgaben zur Verteidigung Europas zuletzt um 40 Prozent erhöht haben. Der 59-Jährige war in Kampfeinsätzen in Afghanistan und Irak, dazu hat er reichlich Kommandeurs- und Operationserfahrung. „Alles keine leichten Jobs“, so ein Insider.

Dasselbe gilt für den neuen Africom-Kommandeur. Nach schnellem Aufstieg in Elite-Einheiten des US-Heeres, darunter die 82. und die 101. Luftlandedivision, diente er zuletzt als Befehlshaber des Ausbildungskommandos des Heeres in Fort Eustis, Virginia. Und nun die neue Herausforderung für beide Topmilitärs: Stuttgart.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: