Konsequent: die neue Radwegekoordinatorin Karen Fischer hat ihr Auto abgeschafft. Foto: Jan Potente

Karen Fischer tritt beim Landratsamt des Rems-Murr-Kreises eine neu geschaffene Stelle an – die 26-Jährige kennt den Kreis schon gut aus der Fahrradperspektive. Ihr Auto hat sie komplett abgeschafft.

Rems-Murr-Kreis - Frisch von der Hochschule auf eine maßgeschneiderte, neu geschaffene Stelle im Waiblinger Landratsamt – so lässt sich der berufliche Werdegang Karen Fischers in aller Kürze beschreiben. Seit Anfang Oktober ist die 26-Jährige im Straßenbauamt als Radwegekoordinatorin tätig. Schon während sie an der Dualen Hochschule in Mosbach Projektmanagement im Bauwesen studierte, war sie für eine Praxisphase in der Kreisbehörde beschäftigt. „Wir wussten, was kommt, und haben Frau Fischer im Hinblick auf die Stelle ausgesucht und ausgebildet“, sagt dazu der Straßenbauamtsleiter Stefan Hein.

Radwege werden wichtiger – deshalb die neue Stelle

Was kommt, das ist die Weiterentwicklung des Radnetzes von Baden-Württemberg, das auf Kreisebene verfeinert werden soll. „Gerade in Zeiten von Feinstaubalarm und Dieselfahrverboten brauchen wir dringend nachhaltige Alternativen zum Auto. Zudem kann die Förderung des Radverkehrs eine Medizin gegen den drohenden Verkehrsinfarkt sein“, sagt der Landrat Richard Sigel. „Deshalb hat der Rems-Murr-Kreis ganz bewusst eine Stelle für die Koordination des Radwegebaus geschaffen - und mit einem Eigengewächs besetzen können.“ Außerdem habe man grünes Licht für eine Erhöhung der finanziellen Mittel gegeben. „Zusätzlich zwei Millionen Euro werden in den nächsten vier Jahren in die Radwege fließen“, kündigt Sigel an.

Vor der Einstellung Karen Fischers sei der Radwegebau im Straßenbauamt einfach so mitgelaufen, berichtet Hein. „Aber die Aufgaben im Straßenbauamt werden immer umfangreicher, vor allem für Radwege haben sie rasant zugenommen. Deswegen wird man der Sache nicht mehr gerecht, wenn man sie nur nebenher macht.“

Darum hat die Radwege-Koordinatorin ihr Auto abgeschafft:

Wie die Radwege im Kreis aussehen, das weiß Karen Fischer aus eigener Erfahrung nur zu gut. Ihre Freizeit verbringt sie häufig auf dem Sattel ihres Fahrrads. Zwar gehört sie nicht zu den sportlich ambitionierten Radlern, doch hat sie einen radbegeisterten Freund. So geht es zu den Ausflugszielen im Kreis, wie dem Ebnisee oder dem Plüderhausener Badesee, mit dem Zweirad.

Ihr Auto, mit dem die Wahl-Schwaikheimerin während ihres Studiums noch regelmäßig zur Mosbacher Hochschule gependelt ist, hat sie inzwischen abgeschafft. „Das würde nur noch herum stehen“, sagt sie über ihren Entschluss. Denn wenn sie einmal für den Weg zur Arbeit nicht in die Pedale treten wolle, nehme sie den Zug. Schließlich liegt der Waiblinger Bahnhof nicht weit vom Technischen Landratsamt entfernt.

Das wird sich in puncto Radwege ändern:

Und wie radelt es sich im Rems-Murr-Kreis? Auf jeden Fall nicht so einfach wie in ihrer Heimatstadt Mannheim, sagt Karen Fischer: „Da ist es flacher.“ Auf der Strecke von Schwaikheim nach Waiblingen etwa könne sie zwar ganz idyllisch über die Felder hinunter zur Rems und an ihr entlang fahren, aber am Schluss erwartet sie dafür die lange Steigung die Talstraße hinauf. Und natürlich sieht sie auch, wo es überall etwas für sie als Radwegekoordinatorin zu tun gebe, um ein kreisweites Netz zu schaffen. „Der erste Punkt ist der Ausbau.“ Denn teilweise seien die bestehenden Wege zu schmal.

Als Zweites seien Neubauten nötig. Stellenweise bliebe Radfahrern gar nichts anderes übrig als auf der Straße zu fahren, wie etwa sie von ihren Ausflugsfahrten zum Ebnisee wisse. Als Drittes brauche es eine gute Beschilderung der Strecken, damit Radfahrer wissen, wo sich diese befinden. Zum Gesamtpaket gehörten des Weiteren Abstellmöglichkeiten. „Es bringt nichts, wenn man beispielsweise einen tollen Weg zum Bahnhof hat, dort aber keinen Platz findet sein Rad abzustellen.“

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: