Auch am Flughafen Stuttgart ist die Einreise aus Großbritannien und Nordirland eingeschränkt. Foto: SDMG/Kohls

Eine neue Variante des Coronavirus sorgt kurz vor Weihnachten für Sorge und Chaos im europäischen Reiseverkehr. Auch am Flughafen Stuttgart gilt das Einreiseverbot der Regierung.

Stuttgart - Wegen einer besonders ansteckenden neuen Variante des Coronavirus verbieten immer mehr Länder die Einreise aus Großbritannien. Zahlreiche EU-Staaten, darunter Deutschland und Frankreich, kündigten an, ab Montag vorübergehend keine Passagierflüge mehr aus Großbritannien landen zu lassen. Auch der Eurotunnel zwischen Frankreich und Großbritannien wurde geschlossen.

Die deutsche EU-Ratspräsidentschaft berief ein Krisentreffen für Montag ein, um sich in der Reaktion auf die neue Variante abzustimmen. Diese ist nach bisherigen Erkenntnissen um 70 Prozent ansteckender als bekannte Varianten des Coronavirus.

Auch der Stuttgarter Flughafen ist von dem Einreiseverbot betroffen. Beim Kurznachrichtendienst Twitter verweist er Flughafen auf die offizielle Mitteilung des Verkehrsministeriums und bittet darum, sich bei Fragen an die jeweilige Fluggesellschaft zu wenden.

Der britische Premier Boris Johnson hatte am Samstag mit Blick auf die rasante Ausbreitung des Coronavirus in London und im Süden Englands einen neuen Lockdown für die Region verkündet. Johnson sagte dabei, die schnelle Verbreitung des Virus sei offenbar auf die neue Variante zurückzuführen. Es gebe aber keine Hinweise, dass diese auch öfter zum Tod oder zu schweren Krankheiten führe.

Die neue Variante des Coronavirus wurde im September im Südosten Englands identifiziert und zirkuliert seitdem dort, wie Maria Van Kerkhove von der Weltgesundheitsorganisation WHO am Sonntag der BBC sagte. Die Mutation sei auch schon in Dänemark, den Niederlanden und Australien aufgetaucht. In Australien habe es sich aber nur um einen einzelnen Fall gehandelt, der sich nicht weiter verbreitet habe. Auch in Südafrika wurde die neue Variante festgestellt. Deshalb kündigten unter anderem Deutschland und Israel an, Flüge auch von dort nicht mehr landen zu lassen.

Susan Hopkins von der englischen Gesundheitsbehörde PHE sagte, die neue Virusvariante sei zwar schon seit September bekannt, aber erst diese Woche habe man ausreichend Beweise dafür gehabt, dass sie sich auch wirklich so viel rascher ausbreite. Patrick Vallance, wissenschaftlicher Berater der britischen Regierung, erklärte, dass die neue Variante im Dezember bereits für mehr als 60 Prozent der Ansteckungen in London verantwortlich gewesen sei.

Besorgniserregende Veränderungen des Virus

Dass Viren mutieren ist an sich nichts Ungewöhnliches. Beim Coronavirus sind Tausende verschiedene Mutationen bekannt. Die meisten haben aber keine Auswirkungen darauf, wie schnell sich das Virus verbreitet oder wie schwer die Symptome der Erkrankten sind. Bei dieser neuen Virus-Variante sei besorgniserregend, dass es darin 23 Veränderungen gebe, die Einfluss darauf hätten, wie das Virus sich an Zellen bindet und in sie eindringt, sagte Vallance.

Um zu verhindern, dass die Variante auch auf dem europäischen Festland Fuß fasst, brachten zahlreiche EU-Staaten den Verkehr von und nach Großbritannien weitgehend zum Erliegen. Neben Deutschland und Frankreich gaben bis Sonntagabend Italien, die Niederlande, Belgien, Österreich, Irland und Bulgarien Einschränkungen des Reiseverkehrs mit dem Vereinigten Königreich bekannt.

Zudem lässt Kanada Flüge aus Großbritannien nicht mehr ins Land. Premierminister Justin Trudeau teilte am Sonntagabend mit, ab Mitternacht sei allen Flügen aus Großbritannien für 72 Stunden die Landung verboten. Reisende, die noch am Sonntag eingetroffen seien, würden gründlich untersucht. Frachtflüge sind nach einer weiteren Mitteilung der Regierung nicht von der Sperre betroffen. Später verkündete auch das zentralamerikanische Land El Salvador Beschränkungen: Wer innerhalb der zurückliegenden 30 Tage in Großbritannien war, werde nicht ins Land gelassen.

Der italienische Gesundheitsminister Roberto Speranza sagte, die Einreise aus Großbritannien und für alle, die in den vergangenen 14 Tagen in dem Land waren, sei bis zum 6. Januar verboten. Die Niederlande verboten Flüge mindestens bis zum Jahreswechsel, Belgien kündigte zunächst einen 24-stündigen Stopp sowie eine Unterbrechung des Zugverkehrs mit der Insel an. Die Anordnung gelte ab Mitternacht für 24 Stunden, sagte der belgische Ministerpräsident Alexander De Croo. „Es gibt sehr viel Fragen zu dieser neuen Mutation“, sagte De Croo. Frankreichs Reisestopp gilt vorerst für 48 Stunden, wie die Regierung mitteilte.

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