So soll der Eingangsbereich des Hotels einmal aussehen. Foto: Grossmann Architekten

Ein Schweizer Unternehmer will das frühere Offenburger Gefängnis zu einem Luxus-Hotel umbauen. Der Name: Liberty. Die Zimmer werden allerdings größer als die einstigen Zellen. Und es wird keine gestreifte Bettwäsche geben.

Offenburg - Als Justizminister kommt er zu spät: Für das alte Offenburger Gefängnis ist Guido Wolf (CDU) qua Amt nicht mehr zuständig, es hat als Knast ausgedient. Weil Wolf aber zugleich auch Tourismusminister ist, könnte er dennoch ein guter Eröffnungsredner sein, wenn Ende des Jahres 2017 im alten Knast ein neues Hotel eröffnet wird. „Hotel Liberty“ soll es heißen, ein programmatischer Namen für einen Ort, der mehr als 160 Jahre lang eine feste Burg der Unfreiheit war.

„Ja, da steckt unheimlich viel schlechte Energie drin“, räumt Marc Aeberhard ein. „Es ist eine harte Nuss, die umzupolen.“ Der Schweizer Hotelbetreiber will aus dem Knast eine ganz spezielle Herberge „im High-End-Bereich“ machen, mit 38 Zimmern und Suiten, wo man sich frei und wohlfühlen könne.

Prominente politische Gefangene

Die „schlechte Energie“ rührt nicht allein aus der Unterbringung von „normalen“ Kriminellen in den letzten Jahren her. Im Offenburger Gefängnis schmachteten von Anfang an auch politische Gefangene. Gebaut wurde es vom Großherzogtum Baden zwischen 1843 und 1845. Offenburg war schon damals neben Karlsruhe und Freiburg das Oberzentrum der Region zwischen Rhein und Schwarzwald. Heute leben in der Hauptstadt des Ortenaukreises 57 000 Einwohner. Im Offenburger Wirtshaus zum Salmen verkündeten Friedrich Heckerund Gustav Struveam 12. September 1847 die „Forderungen des Volkes in Baden“, das Programm der darauf folgenden Badischen Revolution.

Als diese zwei Jahre von preußischen Truppen später niedergeschlagen war, landeten 40 Revolutionäre, die sich nicht über die nahe Grenze in Sicherheit bringen konnten, hinter den Mauern des Knastes in der Offenburger Grabenallee. In der Zeit der Bismarck’schen Sozialistengesetze wurden Sozialdemokraten, dann auch einmal ein Verleger aus politischen Gründen inhaftiert. Die Nationalsozialisten sperrten 1933 Kommunisten und Sozialdemokraten in „Schutzhaft“, bei der Reichspogromnacht am 10. November 1938 alle ortsansässigen männlichen Juden in das Gefängnis. Im Herbst wurden 1943 französische Widerstandskämpferinnen und junge Elsässer inhaftiert, die sich der Zwangsrekrutierung entziehen wollten.

Schäuble-Attentäter uns Flowtex-Betrüger Schmider saßen ein

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Gefängnis für Kriminelle genutzt, die aus den unterschiedlichsten Gründen verurteilt worden waren. Die bekanntesten U-Häftlinge waren 1990 der Attentäter von Wolfgang Schäuble (CDU) und ein paar Jahre später der Flowtex-Chef und Betrüger Manfred Schmider. Schließlich wurde der Platz knapp, und im April 2009 wurde eine neue, größere und moderne Justizvollzugsanstalt mit 440 Plätzen für Straf- und Untersuchungshäftlinge außerhalb der Stadt auf der grünen Wiese eröffnet. Das historische Gefängnis an der Grabenallee wurde geschlossen. Die Diskussion über die künftige Verwendung des alten Gemäuers zog sich über Jahre. Zunächst war ein Boarding-Haus im Gespräch, also ein Beherbergungsbetrieb für Langzeitgäste. Doch die Offenburger Immobilienmakler Dietmar und Christian Funk entschieden sich für ein Hotel. Wie viel sie investieren, wollen sie nicht verraten. Die Umbauarbeiten haben gerade erst begonnen, die Gestaltung liegt in den Händen des Kehler Architekten Jürgen Grossmann­.

Projektmanager hat weltweit besondere Hotels gebaut

„Wir werden jetzt etwas richtig Schönes draus machen“, beteuert Marc Aeberhard. Der 47-jährige Schweizer ist Projekt- und Hotelmanager und weltweit unterwegs. Er hat an der Schweizer Universität Bern und der Hotelfachschule Lausanne studiert und sich auf das Gründen und Führen von kleinen Hotels in besonderen Lagen spezialisiert. Es sind luxuriöse Herbergen im Inselstaat Sri Lanka, auf den Seychellen, auf Zypern oder auf den Malediven. Oder in der französischen Provence nahe Avignon in der 1848 erbauten Sommerresidenz eines Seidenfabrikanten.

Ein ehemaliges Gefängnis baut Aeber­hard aber zum ersten Mal um. „Es gibt Auflagen des Denkmalamtes, und wir werden dezent dafür sorgen, dass die frühere Funktion des Gebäudes erkennbar bleibt.“ Aber nicht in den Zimmern, die alten Zellenwände werden herausgerissen, nur das Gewölbe bleibt. „Wir werden keinen Gruseltourismus machen“, betont Aeberhard. Gestreifte Bettwäsche oder sonstige Verballhornungen werde es nicht geben. „Meine Herangehensweise“, betont er, „ist auch nicht, irgendein weiteres Luxushotel einzurichten, sondern eine ganz besondere Adresse zu schaffen“. Eine, die „für jeden Gast zu einem unvergesslichen Erlebnis“ werde. Ob sich auch Guido Wolf als neuer Tourismusminister Baden-Württembergs dieses Erlebnis einmal gönnen wird, das weiß man noch nicht.

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