In den Insektenhotels von Bernhard Lunke tummeln sich Bienen sowie Marienkäfer, Florfliegen oder Ohrenzwicker. Foto: Caroline Holowiecki

Bernhard Lunke aus Stuttgart-Plieningen hat sein Wohnhaus mit Insektenhotels und unzähligen Löchern in Holzteilen versehen. Millionen Wildbienen danken es ihm. Auf seiner Homepage will der Künstler andere animieren, es ihm gleichzutun.

Plieningen - Die Frau, drei Töchter und Hündchen Mucky – mit wem Bernhard Lunke noch so unter einem Dach wohnt, ist schwer zu sagen. Der Mann, den alle Welt nur Oerny nennt, blickt sich im großen Hof seines umgebauten Bauernhauses in Plieningen um. Ein Fledermaus-Nistkasten hängt weit oben an der Fassade der 200 Jahre alten einstigen Scheune, nebenan sind die Wohnungen für die Schwalben. Im Steinhaufen hausen Mäuse, nebenan auf einer grünen Insel inklusive Feuchtbiotop gehen Kröten und Molche ein und aus. Und dann sind da natürlich noch die anderen Untermieter. In klitzekleinen und riesigen Insektenhotels, in großen Schwemmholzblöcken und den vielen, vielen kleinen Bohrlöchern, die Bernhard Lunke in nahezu jedes Holzelement gebohrt hat, das sich auf seinem Grundstück findet, kreuchen und fleuchen Wildbienen. Erdhummeln, Mauerbienen, Maskenbienen, Hosenbienen. Ameisenkleine Flieger und dicke Brummer, außerdem ihre Nachbarn, die Marienkäfer, die Florfliegen oder Familie Ohrenzwicker. Millionenfach.

Der 58-Jährige hat sich dem Schutz der Wildbienen verschrieben. Auslöser: ein Aha-Erlebnis im eigenen Garten. „Ich habe 15 Obstbäume gepflanzt, aber es kamen keine Bienen“, erzählt er. Auch an der kapitalen Blütenpracht des Nachbarn: Ebbe. Nur ein außerirdisch anmutendes Insekt mit seltsam langen Fortsätzen am Kopf sitzt im Apfelbaum. „Ich kannte es nicht. Ich dachte: Was ist das jetzt, eine chinesische Kampfbiene?“ Bernhard Lunke recherchiert, stolpert im Internet erst über die sogenannte Langhornbiene, dann über die Homepage eines Obstbauern vom Bodensee, der online berichtet, wie er mit einem Wildbienenkasten auf seinem Grundstück seinen Ernteertrag aufs Zweieinhalbfache gesteigert hat. Bernhard Lunke besorgt sich im Supermarkt ein Insektenhotel – und bekommt schon wenig später Gesellschaft von Mauer- und Löcherbienen.

Bernhard Lunke sieht sich als Impulsgegner

Gut acht Jahre ist das her. Seither hat sich Bernhard Lunke intensiv in die Materie hineingefuchst. Der Grafiker, Fotograf und Airbrushkünstler tüftelt an perfekten Mischungen für Wildblumensamen, pflanzt Kräuter an, auf die die Bienen besonders fliegen – „Duftnesseln aus dem Wald sind der Hammer“ – baut und kauft Nisthilfen. Immer wieder streift er mit seiner Kamera durch die Wiesen rund ums Haus und macht Makroaufnahmen von seinen summenden Anwohnern. „So habe ich erst gesehen, was in diesem Mikrokosmos vorkommt.“ Seine Erkenntnisse hält er auf seiner Homepage fest. Ein überdimensionaler QR-Code an seiner Hauswand an der Fraubronnstraße geleitet Interessierte auf die Website. Dort gibt es etwa Basteltipps fürs perfekte Bienenhaus und Infos über geeignete Hölzer und den Durchmessern der Bohrlöcher. Außerdem berät er Schulen, die Projekttage ausrichten möchten, oder stellt Infotafeln für Vereine zusammen. Auch mit Gärtnereien hat der gebürtige Bernhau­sener schon zusammengearbeitet.

Bernhard Lunke ist Naturfan und Überzeugungstäter. „Ich bin ein nachhaltiger Mensch“, sagt er, und er möchte andere animieren, es ihm gleichzutun. „Ich bin ein Impulsgeber, man kann sich Inspiration holen“, sagt er. Sein Wunsch: „Jeder sollte sich informieren, was die Wildbiene ist.“

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