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Dessau-Rosslau - Das Umweltbundesamt (UBA) warnt angesichts unerforschter Risiken vor einer sorglosen Verwendung von Nanoteilchen in Nahrungsmitteln, Kleidung, Kosmetika und anderen Produkten. Die Nanotechnik biete erhebliche Potenziale für ökologische Produkte, aber auch Risiken für die Umwelt und die Gesundheit. "Hier bestehen noch gravierende Wissenslücken", erklärte die Behörde am Mittwoch in Dessau-Roßlau in einer Mitteilung.

Verbraucherschützer sehen allerdings keinen Grund zur Panik. "Derzeit besteht kein Anlass, richtig Angst zu haben", sagte der Umweltexperte der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen, Rolf Buschmann, dem Rundfunksender MDR Info.

Mehr als 800 Unternehmen arbeiteten in Deutschland bereits im Bereich Nanotechnik. Das Verfahren wird unter anderem eingesetzt, um in Textilien das Wachstum von Bakterien zu hemmen und damit üblen Geruch zu verhindern oder in Sonnencremes UV-Strahlen abzuhalten.

Das Umweltbundesamt fordert ein Register für Produkte mit Nanomaterialien sowie einen rechtlichen Rahmen für die sichere Anwendung der Nanotechnik. Nach Angaben des Verbraucherschützers werden Nanopartikel in Europa bislang nur in kratzfestem Autolack und Sonnenmilch verwendet. Es sei sehr gut nachgewiesen, dass dabei keine Gefährdung bestehe.

In einem Hintergrundpapier hat das UBA Chancen und Risiken der Nanotechnik zusammengetragen. Das Amt erklärte, es komme eine rasch wachsende Zahl von Produkten auf den Markt, die sich "vermutlich positiv auf Umwelt und Wirtschaft auswirken". So könnten nanotechnisch optimierte Kunststoffe Gewicht und damit Treibstoff bei Autos oder Flugzeugen sparen. Doch die Wirkungen der Nanomaterialien in der Umwelt und mögliche gesundheitliche Risiken für den Menschen seien noch unzureichend erforscht. Dennoch würden Nanopartikel mit der zunehmenden Anwendung vermehrt in Boden, Wasser und Luft verbreitet.

Niemand kennt die Nebenwirkungen

Die Bundestagsfraktion der Grünen forderte deshalb ein Kennzeichnungssystem für Nanoprodukte. Verbraucherschützer Buschmann unterstützt dieses Anliegen. Es gehe dabei weniger um eine Warnung als um eine Wahlmöglichkeit für den Verbraucher, sagte er.

Für Menschen potenziell problematisch könnte das Einatmen von Nanoteilchen, das Verschlucken und die Aufnahme über die Haut sein, listet das UBA auf. So gebe es aus verschiedenen Tierversuchen Hinweise auf krankmachende Eigenschaften. Ungiftige Nanoteilchen können bei Nagetieren Lungentumore auslösen, winzige Kohlenstoffröhrchen machten im Tierversuch auf ähnliche Weise krank wie Asbestfasern. Bei Ratten könnten manche Nanopartikel über die Nase direkt ins Gehirn wandern.

"Die Verwendung von Produkten, die Nanomaterialien enthalten und freisetzen können, sollte - so lange ihre Wirkung auf Mensch und Umwelt weitgehend unbekannt ist - möglichst vermieden werden", empfiehlt das UBA. Notwendig sei eine transparente und von der Industrie, Forschung und Behörden anerkannte Bewertung nanotechnischer Verfahren und Produkte. Dabei seien die Hersteller gefragt, aussagekräftige Daten zur Wirkung ihrer Produkte zusammenzustellen und mögliche Entlastungen der Umwelt zu dokumentieren.

Die Verwendung millionstel Millimeter kleiner Partikel ist für viele Industriebranchen interessant, weil sie nützliche chemische und physikalische Eigenschaften besitzen. Die Winzigkeit der Nanopartikel birgt laut UBA allerdings auch die Gefahr, dass sie viel eher die natürlichen Barrieren im Körper überwinden - die Blut-Hirn- Schranke etwa.

Die Bundestagsfraktion der Grünen forderte in einer Mitteilung in Berlin, die Risikoforschung zu verstärken. Die Technologie biete große Chancen für "ressourcenleichtes Wirtschaften". Die könnten aber nur genutzt werden, wenn ihre Risiken erkannt und beherrscht werden. Die neue Regierung müsse daher die notwendigen Regelungen zügig umsetzen. "Wer die Risiken nicht frühzeitig erfasst und begrenzt, verspielt auch die Chancen dieser neuen Technologie", heißt es von Seiten der Oppositionspartei.

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