Die U1 an der Endhaltestelle Lutherkirche soll eine Schwester-Bahn erhalten. Foto: Patricia Sigerist

Pendler aus dem Speckgürtel von Stuttgart profitieren vom Stadtbahnausbau. Auch das Feinstaub-Paket nutzt den Fellbacher Fahrgästen.

Fellbach - Auf den Bau einer Stadtbahn nach Schmiden und Oeffingen werden die Pendler unterm Kappelberg noch warten müssen. Die Gedankenspiele um eine Verlängerung der U 19 von Stuttgart-Neugereut gen Osten sind bisher nicht mehr als Zukunftsmusik. Zwar wurde die Erweiterung der Schienenstrecke in einem Strategiepapier der Stuttgarter Straßenbahnen AG bereits vor Jahren als ein ebenso sinnvolles wie wünschenswertes Angebot bezeichnet. Doch vor dem Jahr 2030 wird wohl kein Nahverkehrszug in die beiden Teilorte rollen – auch wenn der Berufsverkehr auf der Höhenstraße den Bedarf an einer zusätzlichen Linie ebenso belegt wie die Auslastung der Parkflächen am S-Bahn-Halt in Stuttgart-Sommerain.

Mehr Komfort, flotterer Takt, günstigere Ticketpreise

Deutlich schneller als die Verlängerung der U 19 sind allerdings drei andere Maßnahmen für den Nahverkehr spruchreif. Das Paket könnte Fahrgästen aus Fellbach bereits in den nächsten zwei bis drei Jahren echte Vorteile bescheren – und zwar durch mehr Komfort, einen flotteren Takt und vor allem günstigere Ticketpreise. Überspitzt gesagt, profitieren die Bürger im Speckgürtel um die Landeshauptstadt nämlich vom Stuttgarter Feinstaubproblem – und dem Zwang, endlich etwas gegen steigende Luftverschmutzung im Talkessel zu tun. Um Stickoxid und Feinstaubbelastung zu senken, sollen künftig deutlich mehr Pendler als bisher von der Straße auf die Schiene gelotst werden. Dem in der Euphorie über sechsspurige Innenstadtringe und S-21-Begeisterung von den Stuttgarter Stadtplanern jahrzehntelang vernachlässigten Nahverkehr wird in den neuen Luftreinhalteplänen mittlerweile deutlich mehr Gewicht eingeräumt.

Mehr Passagiere verkraften die Waggons nicht

An Ideen für ein verbessertes Netz von Bussen und Bahnen führt kein Weg mehr vorbei. Schließlich – das haben die jüngsten Alarm-Tage gezeigt – ist der Nahverkehr hoffnungslos überlastet, wenn auch noch sonst im Stau stehende Pendler aufs Auto verzichten und dank vergünstigter Feinstaubtickets umsteigen. Schon im Normalbetrieb sind viele Linien an der Kapazitätsgrenze, noch mehr Passagiere verkraften die Waggons im Berufsverkehr nicht.

Geplant ist deshalb, vor allem bei der Stadtbahn auf verlängerte Züge zu setzen. Auf der nach Fellbach rollenden U 1 etwa sollen voraussichtlich ab 2022 so genannte 80-Meter-Züge rollen. Von der intern als „Doppeltraktion“ bezeichneten Neuerung versprechen sich die Stuttgarter Straßenbahnen eine Entlastung bei den Sitzplätzen – und mehr Komfort für die Fahrgäste.

Das Problem bei der Planung: Um die in Wirklichkeit 75,44 Meter langen Stadt-bahnen auch abfertigen zu können, müssen die Haltestellen umgerüstet werden – mit teils erheblichen baulichen Auswirkungen. Planerisches Sorgenkind dürfte vor allem die Endstation an der Fellbacher Lutherkirche sein: Die XXL-Version der Stadtbahn hat an der jetzigen Station keinen Platz, mit dem Hochbahnsteig droht die Verschiebung der kompletten Haltestelle.

Eine Zusatzlinie ist geplant

Weniger Kopfzerbrechen machen die übrigen Stationen: Bei der Schwabenlandhalle müsste der Langzug laut Wolfgang Schmidt vom Stadtbauamt gerade noch reinpassen, bei der Haltestelle Höhenstraße ist ausreichend Platz. Der Übergang beim Kölle-Markt aber müsste wohl um einige Meter verlegt werden. Keine Schwierigkeiten für die Verlängerung sieht der Bauexperte auch bei der Station in der Beskidenstraße – zumal die ohnehin auf Stuttgarter Gemarkung liegt.

Auf die besorgte Nachfrage von Stadträten, ob womöglich die Stadt Fellbach die Kosten schultern muss, gab es im Bauauschuss jüngst Entwarnung: Die Umrüstung zahlt der Verkehrsbetrieb im Normalfall selbst. Ob das auch für die Station Lutherkirche gilt, für die es aus Fellbacher Sicht spezielle Wünsche der Stadt gibt, soll bei einem Gespräch der Rathausspitze mit SSB-Technikvorstand Wolfgang Arnold geklärt werden.

Zur Sprache kommen wird bei dem Termin auch eine Unklarheit beim Tarifsystem. Die komplette Stuttgarter Innenstadt soll künftig bekanntlich zu einer Zone werden, der Rest der Region ebenfalls mit nur einem Ticket befahrbar sein. Just auf der Grenze der Tarifzonen liegen exakt zwei Kommunen: Korntal-Münchingen und eben Fellbach – weshalb sich die Frage stellt, ob die Verbindung in die Stuttgarter City oder in die Kreishauptstadt Waiblingen künftig per Kurzstrecke zu haben ist.

So oder so soll nach Fellbach bereits in ein bis zwei Jahren eine parallel zur U 1 fahrende Zusatzlinie rollen. Die bei der SSB als U16 bezeichnete Unterstützerlinie doppelt die U1 und biegt in Cannstatt in Richtung Feuerbach und zur Endstation Stuttgart-Giebel ab. Fahrgästen aus Fellbach würde die bereits zum Fahrplanwechsel 2018/19 geplante Einrichtung eine Halbierung der Wartezeiten bringen – zumindest bis Bad Cannstatt wären Pendler im Berufsverkehr künftig im Fünf-Minuten-Takt unterwegs.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: