Nachtleben in Stuttgart Auch die CDU sieht jetzt die Sperrstunde kritisch

Von Sascha Maier 

Das White Noise, einer der Clubs, über den sich Anwohner ärgern. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski
Das White Noise, einer der Clubs, über den sich Anwohner ärgern. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Die CDU hat sich in der Vergangenheit nicht unbedingt als Anwältin eines ausschweifenden Nachtlebens in Stuttgart hervorgetan. Nachdem Grüne, SPD, Linke/SÖS-plus die Wiedereinführung der Sperrstunde kritisiert hatten, sind nun auch die Christdemokraten davon nicht begeistert.

Stuttgart - Der Kreis der Unterstützer der Stadtverwaltung in der Diskussion um die Wiedereinführung der Sperrstunde an der Eberhardstraße schrumpft. Nachdem sich die Grünen, die SPD und das Fraktionsbündnis SÖS/Linke-plus bereits dagegen ausgesprochen hatten, das Quartier um die Eberhardstraße an Wochenenden ab 5 Uhr mit einer Sperrstunde zu belegen und damit dem Nachleben einen Riegel vorzuschieben, findet jetzt auch die CDU kritische Worte dafür. Das „Clubsterben“ sei „besorgniserregend.“

Darum weisen die Christdemokraten in einem Antrag darauf hin, dass die Sperrstunde für Clubs, in denen bis spät in die Morgenstunden gefeiert wird, eine „existenzbedrohende Wirkung entfalten könnte.“ Tatsächlich wird es in dem neuen Sperrstunden-Areal für drei Clubs besonders eng: Dilayla, White Noise und die Bar Romantica – hier geht die Party oft erst los, wenn die Sperrstunde schon vor der Tür steht.

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Die CDU will demnach einen Weg finden, die Sperrstunde wieder aufzuheben. Deutlicher als die anderen Fraktionen im Gemeinderat wollen die Antragsteller aber auch die Anwohnerinteressen berücksichtigen – diese hatten die Wiedereinführung der Sperrstunde an der Eberhardstraße und am Josef-Hirn-Platz mit massiven Lärmbeschwerden, hoch bis zum Regierungspräsidium, erst erwirkt.

Übelriechende Haufen und Pfützen

Die CDU fragt daher: „Wie kann zukünftig sichergestellt werden, dass subkulturelle Einrichtungen und Anwohnerinteressen auch ohne Sanktionen vereint werden können?“ Aus der Sicht mancher Anwohner: wohl gar nicht. „Wir sind sehr glücklich über die Verkürzung der Sperrzeit“, sagt eine Anwohnerin. Seitdem die Sperrstunde wieder gelte, seien die Müllberge am Wochenenden kleiner und die „übelriechenden Haufen und Pfützen vor der Haustür und das Gegröle der umherziehenden Gruppen von Betrunkenen“ seltener geworden.

Sehen Sie im Video, was Stuttgarter von der Sperrstunde halten:

Die Anwohnerin betont, dass ein vielfältiges Nachtleben wichtig sei – der Zustand an der Eberhardstraße im Morgengrauen aber nur „schwer erträglich.“ Insofern habe es nichts mit schwäbischem Spießertum zu tun, wenn Anwohner die Stadt aufforderten, die Interessen der Wohnbevölkerung zu berücksichtigen.

Dem widerspricht aktuell keine Fraktion im Stuttgarter Gemeinderat. Dennoch bezweifeln sie in großer Mehrheit, ob die Wiedereinführung der Sperrstunde ein vernünftiges Instrument ist, einen Kompromiss der Interessen aller Beteiligten zu erzielen. Feststehen dürfte: Wenn sich das Ordnungsamt demnächst vor dem Verwaltungsausschuss erklären muss, steht die Sperrstunde auf wackligen Beinen.

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