Wegweisend: Daimler sichert E-Jobs in Untertürkheim. Foto: picture alliance/dpa/Marijan Murat

Massiv gespart hat der Daimler-Konzern durch den monatelangen Poker um die E-Jobs in Untertürkheim offenbar nicht – doch dafür steigt die Flexibilität. Das ist angesichts der neuen Technologie mit all ihren Unwägbarkeiten ein nicht zu unterschätzender Vorteil, meint StN-Autor Klaus Köster.

Stuttgart - Es ist gerade einmal vier Wochen her, da stellte Daimler-Chef Ola Källenius harte Bedingungen an die Belegschaft des Konzerns und kündigte den Abbau zahlreicher Arbeitsplätze ab. Gemessen am gewaltigen Spardruck, den die oberste Führungsebene dem Konzern auferlegt, sind die Konditionen, die der Chef des Daimler-Standorts Untertürkheim, Frank Deiß, und der dortige Betriebsratschef Michael Häberle bei ihren Verhandlungen über die E-Mobilität vereinbarten, wahrlich moderat.

Die Betriebsräte und ihr As im Ärmel

Von der Forderung nach Einsparungen in dreistelliger Millionenhöhe ist keine Rede mehr. Stattdessen bekommt die Unternehmensleitung mehr Flexibilität, die die Beschäftigten vergleichsweise wenig kostet, dem Konzern aber viel bringt. Denn heute lässt sich nicht einmal verlässlich abschätzen, wie viele Autos mit E-Antrieb man zunächst überhaupt wird verkaufen können.

Es ist wahrscheinlich kein Zufall, dass immer dann, wenn der Betriebsrat anfängt, Überstunden oder andere Anpassungen der Arbeitszeit zu verweigern, die Einigung kurz bevorsteht. Die Flexibilität ist ein Faustpfand, mit dem die Belegschaftsvertreter auch dieses Mal wirkungsvoll umzugehen verstanden.

Zahl der E-Jobs bleibt eher niedrig

So wichtig es für die ganze Region ist, dass Daimler einen Kernbereich des E-Autos in Untertürkheim ansiedelt – die Zahl der Jobs, um die es bei der E-Mobilität geht, ist vergleichsweise gering. Zudem hat sich Daimler bei der Einigung über die Produktion von Teilen des Antriebsstrang für das Elektroauto in Untertürkheim ein Hintertürchen für weitere Verhandlungen offengehalten – denn ausgerechnet über die Fertigung der Bauteile des E-Motors, die in Untertürkheim zusammengesetzt werden, wurde gar nicht entschieden. Die Konkurrenz mit den Zulieferern soll auch bei Kernkomponenten nicht verschwinden – zumal auch diese dringend versuchen, beim E-Auto einen Fuß in die Tür zu bekommen. Die Daimler-Belegschaft hat im Kampf um Jobs einen wichtigen Etappensieg errungen, doch der Weg hin zu neuen Technologien wird mühsam bleiben.

klaus.koester@stuttgaerter-nachrichten.de

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