Philipp Bürkle ist der Chef der Baden-Württembergischen Jungen Union. Er kommt aus Bad Wurzach bei Ravensburg. Foto: dpa

Der Vorsitzender der Landes-JU heißt Philipp Bürkle. In den sozialen Medien ist er quasi nicht aktiv. Jetzt holt sich die JU Hilfe von einem ehemaligen Youtuber, der einen neuen Arbeitskreis leiten soll.

Stuttgart - Der Rezo-Schock blieb in der Jugendorganisation der CDU nicht ohne Folgen. Kurz vor der Europawahl hatte der Youtuber Rezo die Politik der Christdemokraten in beinahe allen Themenbereichen – allen voran beim Klimaschutz – zerpflückt. Die Reaktion der Partei war langsam und unentschlossen. Erst war von einem Antwortvideo die Rede, das schlussendlich doch nicht veröffentlicht wurde. Das ganze Hin und Her habe „zu einem sehr negativen öffentlichen Bild, v.a. bei jungen Menschen“ geführt.

So steht es in einem „10-Punkte-Plan zur digitalen Kommunikation der CDU“, das die Junge Union (JU) auf Bundesebene Ende Juni verabschiedet hat. Die Forderungen haben es in sich. Nichts weniger als einen „Neustart für die Kommunikation der CDU“ verlangt die Jugendorganisation der Christdemokraten.

Ein „Chief Digital Officer“ soll entscheiden

Der Plan der JU sieht unter anderem vor, dass die CDU schnell einen Newsroom einrichten soll, wie es auch andere Parteien schon getan haben. Dank eines „Chief Digital Officers“ sollen Freigaben von Posts erleichtert werden und die Reaktionsgeschwindigkeit steigen. 50 „Digital-Manager“ pro Jahr sollen innerhalb der Partei in einem neuen Schulungsprogramm ausgebildet werden.

Zu guter Letzt fordert die Junge Union für sich selbst mehr Einfluss bei der Kommunikation im Internet. Etwa 100 000 Mitglieder zwischen 14 und 35 Jahren hat die Junge Union bundesweit. „Mit einer erheblichen Anzahl an netzaffinen Mitgliedern können Themen gesetzt und besetzt werden“, heißt es in dem Papier. Die Partei solle sich die Reichweite der JUler zunutze machen.

Zwei Tweets und auch sonst ziemlich wenig

Philipp Bürkle dürfte für diesen Plan zunächst wenig hilfreich sein. Der 28-Jährige Landesvorsitzende der Jungen Union Baden-Württemberg ist in den sozialen Medien ist so gut wie nicht aktiv. Bürkles letzter von insgesamt zwei Tweets stammt aus dem Dezember 2018. Auf Instagram hat Bürkle zwar immerhin knapp 460 Follower, aber noch nie etwas gepostet.

„Der Bereich ist ausbaufähig“, sagt Bürkle selbst. Er nutze soziale Medien bislang hauptsächlich zum Zuhören. Man habe das Thema intern thematisiert. „Ehrlicherweise ist es so, dass nicht alle in der JU-Baden-Württemberg gleich große Netzaffinität haben.“

Bei anderen Mitgliedern des Landesvorstands, die die Organisation auf ihrer Webseite auflistet, ist die Präsenz im Netz ähnlich gering. Der stellvertretende Landesvorsitzende Fabien Knaus ist auf Twitter und Instagram – zumindest mit seinem Klarnamen – nicht zu finden. Auf Facebook sieht man im öffentlich zugänglichen Teil seines Profils lediglich einige Updates seiner Profilbilder der letzten Jahre. Auch der Medienreferent Theodor Lammich ist unter seinem Klarnamen nicht auf Twitter aktiv.

Neuer Arbeitskreis „Kampagne“

Nun will die Baden-Württembergische Junge Union das Thema angehen. Ein Arbeitskreis „Kampagne“ wurde ins Leben gerufen. Er soll nach Angaben von Bürkle aus etwa 15 bis 20 Mitgliedern bestehen. Das Gründungstreffen ist für September geplant. Leiten wird den Arbeitskreis Simon Mai. Der 23-Jährige ist Vorsitzende der Jungen Union Stockach. Dort war er auch für die Gemeinderatswahl angetreten. Einen Sitz hat er knapp verfehlt. Zudem ist Mai Referent für Digitales und Strategie im JU Bezirksverband Südbaden.

Mai hat einen Youtube-Kanal mit rund 45 000 Abonnenten, auf dem er bis vor zwei Jahren aktiv war. Er veröffentlichte hauptsächlich Tipps und Tricks für den Alltag, sogenannte Life Hacks. Der junge Mann zeigt in kurzen Videos, wie man sich aus Panzerband eine Schaukel basteln kann oder wie der Handyakku länger hält. Die meisten von Mais Videos wurden einige Tausend Mal geklickt. Manchmal erreichte er aber auch mehrere Millionen Zuschauer – zum Beispiel mit „Handy doppelt so schnell aufladen“.

„Youtube wird erwachsener“

Eine Weile lang habe der Kanal gut funktioniert und ihm viel Freude bereitet. „Als sich dann aber der Trend zu sinnlosen Pranks und weiteren sinnentleerten Videos abzeichnete, wollte ich mich mit ‚diesem YouTube’ nicht mehr identifizieren“, sagt Mai. Außerdem hätten die Videos viel Zeit gebraucht, die er zwischenzeitlich lieber in sein Studium investiert habe. Aktuell habe er das Gefühl, dass Youtube „langsam erwachsener wird“, sagt Mai. Das macht die Plattform für ihn wieder interessant – „auch im Hinblick auf eventuelle neue Videos meinerseits.“

Politischer als in seinen Video-Life-Hacks wird Mai gelegentlich auf Instagram. Kurz vor der Europawahl hat er dort in einem langen Post auf Rezos Video reagiert. Mai erklärte damals, warum die CDU aus seiner Sicht sehr wohl mit jungen und offenen Werten kompatibel sei.

Mehr Mikrokampagnen geplant

Nun soll der neue Arbeitskreis „Kampagne“ die Kommunikation der Jungen Union Baden-Württemberg im Internet voranbringen. „Die politischen Inhalte sind ja schon da, wir müssen sie nur besser zu den Leuten bringen“, sagt Simon Mai. Er will mehr Mikrokampagnen, zum Beispiel anlässlich von Parteitagen.

Zudem solle die Landes-JU auf den verschiedenen Social-Media-Plattformen aktiver werden. Bislang wird nur relativ selten gepostet. Der letzte Instagram-Post stammt von Mitte April, der letzte Tweet von Mitte Mai. Bei Häufigkeit und Art und Weise der JU-Posts „wird sich einiges ändern“, sagt Mai.

JU setzt auf Instagram

Man wolle verstärkt auf Instagram setzen, um mehr junge Menschen zu erreichen. Bei dem ersten Treffen des Arbeitskreises im September wolle man sehen, wer in dem neuen Arbeitskreis welche Fähigkeiten hat und wie man sich aufteilen kann.

Falls die Jugendorganisation von Mais Videokompetenz profitieren kann, wäre schon viel gewonnen. Die Junge Union Baden-Württemberg ist schon seit 2012 auf Youtube. Bislang hat sie dort aber nur 59 Abonnenten. Ganz oben auf der Seite wird neuen Besuchern ein Video angezeigt, in dem Nikolas Löbel den „neuen Internetauftritt“ vorstellt. Das Video ist sechs Jahre alt, Löbel schon seit zwei Jahren nicht mehr Vorsitzender. Bevor der neue Arbeitskreis Innovationen angeht, gibt es so manche Altlast aufzuarbeiten.

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