Der Klavierlehrer Joachim Spohn ist an der Musikschule L.-E. für die studienvorbereitende Ausbildung zuständig. Foto: Norbert J. Leven

In 35 Jahren hat die städtische Musikschule in Leinfelden-Echterdingen
70 Schüler auf die schwere Aufnahmeprüfung zum Musikstudium vorbereitet.

Leinfelden-Echterdingen - Was können Kinder, Jugendliche und Erwachsene an einer Musikschule lernen? Ein Musikinstrument. Singen. Notenlesen. Das sind die häufigsten spontanen Antworten auf diese einfache Frage. Die in einem Fachverband organisierten kommunalen Musikschulen wollen sich allerdings nicht allein auf diese Kernaufgaben fokussieren. Seit Jahrzehnten bereiten sie, weitgehend unbemerkt von der Öffentlichkeit, talentierte junge Menschen auf die Aufnahmeprüfung an einer Musikhochschule vor.

Mit Erfolg. In den zurückliegenden 35 Jahren haben 70 in Leinfelden-Echterdingen gecoachte Schüler die hohe Hürde ins Studium überwunden. Verantwortlich für diesen Erfolg ist der Musiklehrer Joachim Spohn. Er hat 1980 als Klavierlehrer an der ein Jahr zuvor aus der Taufe gehobenen Musikschule L.-E. angeheuert. Auf Bitten seines damaligen Chefs Peter Amadeus Schneider hat Spohn dann die sogenannte studienvorbereitende Ausbildung aufgebaut. Sie gehört bis heute zu seinem Unterrichtsdeputat. „Für eine Musikschule unserer Größe ist das eine beachtliche Zahl“, sagt Spohn. Durchschnittlich 1200 Schüler werden in L.-E. ausgebildet.

Jede Hochschule hat ihre eigenen Kriterien

Einfach wird es für einen Schüler, der die Musik zum Beruf machen möchte, nicht. Die Vorbereitung auf das Studium ist eine individuelle Angelegenheit, denn: „Jede Musikhochschule hat ihre eigenen Aufnahmekriterien“, sagt Spohn und zieht ein Buch aus seiner Aktentasche, in dem die Anforderungen eines jeden Standorts beschrieben sind. „Brutal“ und „hart“ nennt Spohn die Auswahlverfahren.

Spohn baut sozusagen die Brücke zum Studium. Sein Instrument gut zu beherrschen, reiche nicht aus, um zum Musikstudium angenommen zu werden. Ein Beispiel: Zur Geige als Hauptfach gehört Klavier im Nebenfach. Dazu kommen noch Musiktheorie, Gehörbildung, Instrumentenkunde und Musikgeschichte. „Mit normalem Schulwissen ist die Aufnahmeprüfung zum Studium nicht zu schaffen. Das reicht bei Weitem nicht aus“, sagt Spohn.

Die meisten Absolventen haben Musikpädagogik studiert

23 der 70 Absolventen der studienvorbereitenden Ausbildung gehörten zuvor einer Instrumental- oder Vokalklasse an der Musikschule L.-E. an. „Der überwiegende Teil der Interessenten kommt von außerhalb, beispielsweise von privaten Musiklehrern oder von umliegenden Musikschulen“, erläutert Spohn. Die Studienorte verteilen sich auf 26 Städte im Bundesgebiet und sieben Hochschulen im angrenzenden europäischen Ausland.

Einige seiner Absolventen arbeiten heute als Instrumentalisten in renommierten Orchestern, „bis hin zu den Münchener Philharmonikern“. Mehr als die Hälfte der von Joachim Spohn betreuten Schüler hat jedoch Musikpädagogik studiert. Das Interesse an diesem Beruf lässt aber nach. „Es hat sich herumgesprochen, dass die Anstellung an einer Musikschule ein Schleudersitz ist und die Verdienstmöglichkeiten nicht besonders gut sind“, sagt er mit Bedauern im Unterton.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: