Hinter diesen Mauern wird nicht nur gefeiert, sondern auch Theater gespielt. Foto: A. Conrad

Das Kindertheater „Spielwerk“ hat bei der TSVgg Münster eine neue Spielstätte gefunden.

Münster - Der Regisseur kann sich nicht zurückhalten. Marcus Helm demonstriert selbst, wie er sich das vorstellt: „Auf die Kinder zugehen!“, ruft er. „Sie mitnehmen! Du kannst das Publikum direkt ansprechen!“ Schon macht Ramona Bess es ihm nach: Als Stinktier verkleidet springt die Schauspielerin durch den Zuschauerraum. Sie tut zumindest so, als spräche sie direkt zu Kindern. Doch noch sind keine da. Das junge Theaterensemble Spielwerk probt für die erste Aufführung Anfang März.

Dann kann es endlich losgehen. Die Schauspielgruppe hat mit dem Boulevärle in der Vereinsgaststätte der TSVgg Münster, Neckartalstraße 261, eine neue Spielstätte gefunden. „Wir machen im März und im April fünf Vorstellungen zur Probe“, erläutert Helm. Weitere Aufführungen hingen dann von der Resonanz ab. „50 bis 70 Zuschauer wären super“, hofft der Regisseur. Dann würde er gerne zwei- bis dreimal im Monat in Münster auftreten.

Künftig wird also ein Kindertheater das Angebot im Boulevärle ergänzen. Zum bisherigen Angebot mit den unterhaltsamen Boulevard-Stücken auf Schwäbisch scheinen die Aufführungen für den Nachwuchs ganz gut zu passen. „Auch Kindertheater muss fröhlich sein“, erläutert der Regisseur Helm. „Wir binden die Kinder mit Aktionen ein.“ Die kleinen Zuschauer dürfen bei der Aufführung auch dazwischen reden. Die Kinder sollten immer merken: „Das hat was mit mir zu tun.“

„Da muss man ehrlich spielen“

So will „Spielwerk“ den Kindern mehr bieten als nur Unterhaltung. Marcus Helm geht es auch um Pädagogik mit den Mitteln des Theaters. Er legt Wert darauf, dass jedes Stück einen Inhalt mitbringt. „Bei Fritzl und Fratzl geht es um Freundschaft und Liebe“, erklärt er. Die Geschichte vom Stinktier erzähle von der Suche nach der besonderen Gabe, die jeder habe. Am „Clown mit der grünen Nase“ könnten die Kinder erleben, wie sich Anderssein anfühlt. Die Begeisterung an seiner Arbeit ist bei Helm zu spüren: „Mein Herz hängt am Kindertheater“. Nach vielen Jahren unter anderem beim Theater am Olgaeck und bei Nellys Puppen Theater hat er 2010 das Spielwerk Junges Theaterensemble gegründet. Er schreibt die Stücke selbst und studiert sie dann mit professionellen Schauspielern ein. Nach drei Jahren in Esslingen möchte das Kindertheater jetzt das Stuttgarter Publikum für sich gewinnen.

Dabei hat Marcus Helm Kinder ab drei Jahren im Blick. Und er hat Respekt vor seinem Publikum: Die Kinder seien sehr anspruchsvoll. „Denen kann man nichts vormachen, da muss man ehrlich spielen.“ Je jünger das Publikum, desto ungenierter würde es die Schauspieler entlarven, wenn etwas nicht stimme oder nicht authentisch gespielt sei. Sein eigener Sohn sei jetzt drei Jahre alt, erzählt er und staunt dabei: „Kinder wissen so viel und sie kriegen so viel mit.“ Kein Wunder, wenn das Stinktier sie direkt anspricht.

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