Auch die Karlsruher Uni wurde ausgezeichnet. Foto: dpa/dpaweb

Jubel hier, Ernüchterung dort: Vier der sechs Kandidaten aus Baden-Württemberg dürfen künftig den Titel „Exzellenzuniversität“ tragen. Das bringt nicht nur Prestige mit sich, sondern auch viel Geld. Aber nicht jeder freut sich darüber.

Bonn - Gleich vier Hochschulen aus Baden-Württemberg haben sich im bundesweiten Rennen um die begehrten „Exzellenzuniversitäten“ durchgesetzt. Tübingen, Konstanz und Heidelberg können den Titel weiterhin tragen, wie die Exzellenzkommission am Freitag in Bonn mitteilte. Karlsruhe rückt nach dem Ausscheiden in einer früheren Runde wieder in die Spitzengruppe auf. Die Universitäten erhalten künftig eine millionenschwere Förderung von Bund und Land. Die Universitäten Stuttgart und Freiburg konnten sich nicht durchsetzen.

Bundesweit konkurrierten 17 Unis und zwei Verbünde aus mehreren Hochschulen um die elf Plätze in der Auswahl. Baden-Württemberg ist damit das Bundesland mit den meisten Eliteuniversitäten.

Für Ministerpräsident Winfried Kretschmann haben die Titel vor allem langfristige Bedeutung: „Baden-Württemberg braucht starke Universitäten als Zentren in einem dichten Netz von Forschung und Innovation, Hochschulen und Unternehmen“, sagte der Grünen-Politiker in Stuttgart: „Hier reifen unsere Talente und hier werden entscheidende Impulse für die Zukunft gegeben.“

Die Arbeitgeber sehen das ähnlich: „Das sehr gute Abschneiden Baden-Württembergs im Wettbewerb um die Exzellenzuniversitäten ist ein Meilenstein bei der nachhaltigen Stärkung unseres Innovations- und Wirtschaftsstandorts“, sagte Stefan Küpper von den Arbeitgeberverbänden Baden-Württemberg.

Neue Möglichkeiten durch Förderung

Die für Hochschulen zuständige Landesministerin Theresia Bauer (Grüne) sieht den Wissenschaftsstandort Baden-Württemberg „bestens aufgestellt“, wie sie am Freitag sagte: „Damit ist Baden-Württemberg Deutschlands Wissenschaftsstandort Nummer eins.“

Freude auch in den Unis: „Mit diesem hart erkämpften Erfolg ist die Grundlage gelegt, um Tübingen dauerhaft in der kleinen Gruppe der weltweit besten Universitäten zu etablieren“, sagte der Rektor der Universität in der Neckarstadt, Bernd Engler. Die finanzielle Förderung eröffne die Möglichkeit, die Universität nicht nur in einzelnen Forschungsgebieten zu stärken. Sie könne sich nun auch strukturell und in einer großen thematischen Breite weiterentwickeln.

Die Rektorin der Universität Konstanz, Kerstin Krieglstein, sieht den Grund für den Erfolg der Hochschule am Bodensee nach eigenen Angaben in der Kultur der Kreativität und dem Miteinander. Der Präsident des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT), Holger Hanselka, sprach zudem von einem „beachtlichen Imagegewinn“. Das KIT wolle exzellente Wissenschaftler sowie Studierende gewinnen und Kooperationen stärken.

Bereits 2007 und 2012 war die Universität Heidelberg in den beiden Vorgängerprogrammen der Exzellenzinitiative erfolgreich. Nach der erneuten Auswahl freute sich der Rektor der Ruperto Carola in Heidelberg, Bernhard Eitel, über einen „großartigen und verdienten Erfolg“. Heidelberg galt bei Kritikern als Wackelkandidat. Die Uniklinik war zuletzt wegen eines umstrittenen Bluttests zur Erkennung von Brustkrebs in die Schlagzeilen geraten.

Studenten üben scharfe Kritik

Um sich als Exzellenzuniversität bewerben zu können, müssen Hochschulen mindestens zwei „Exzellenzcluster“ vorweisen können. Das sind fachübergreifende Forschungsprojekte, die eigene Fördermittel erhalten. Neu ist, dass der Staat Universitäten nun auch dauerhaft fördern will. Nach sieben Jahren soll überprüft werden, ob die „Elite-Unis“ noch die Fördervoraussetzungen erfüllen. Wenn ja, fließen die Extra-Millionen weiter.

Für ihre Exzellenzstrategie stellen Bund und Länder jährlich rund 533 Millionen Euro zur Verfügung. 148 Millionen davon gehen an die Exzellenzunis, der Rest direkt an ausgewählte Cluster. Die Förderung der neuen Exzellenzunis beginnt ab Anfang November.

Im Vorfeld der Vergabe hatten Studenten den Wettbewerb scharf kritisiert. In einer Mitteilung von Studentenvertretungen mehrerer Universitätsstädte hieß es: „Einige Universitäten freuen sich über die zusätzlichen Mittel und den Titel, viele werden leer ausgehen“. Es sei Zeit, diesem sinnlosen Wettbewerb ein Ende zu setzen.

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