Turbinenschaufel eines Wasserkraftwerks, das Voith nach Sibirien liefert. Foto: Voith

Der Industrie-Konzern Voith richtet sein Geschäft neu aus. Ein Unternehmensteil mit rund 20.000 Mitarbeitern steht zum Verkauf. Die Umstrukturierung hinterlässt im abgelaufenen Geschäftsjahr tiefe Schrammen.

Heidenheim/Stuttgart - Voith, eines der größten Familienunternehmen Deutschlands, kämpft seit geraumer Zeit mit diversen konjunkturellen oder hausgemachten Problemen. Vom Rekord-Jahresüberschuss von 200 Millionen Euro im Geschäftsjahr 2010/11 (Stichtag: 30. September) ist man heute weit entfernt. Im gerade abgelaufenen Berichtszeitraum steht unter dem Strich sogar ein dickes Minus von 93 Millionen Euro. Allerdings ist dies einem Sondereffekt geschuldet. Operativ verdient Voith immer noch Geld. Die Umsätze sind von 5,7 Milliarden Euro 2011/12 auf gut 5,3 Milliarden Euro aktuell gesunken und werden demnächst – nach dem geplanten Verkauf des milliardenschweren Service-Geschäfts – noch 4,3 Milliarden Euro betragen.

Die Umstrukturierung

Jahrelang litt Voith unter einer Auftragsflaute in wichtigen Konzernbereichen. So wurde die Lokomotiven-Fertigung in Kiel eingestellt. Besonders betroffen war auch die Papier-Sparte, der traditionell größte der derzeit noch vier Voith-Geschäftsbereiche. Hier stellt das Unternehmen Maschinen zur Produktion von Papieren und Kartons her. Während der Verkauf von kleinen und mittleren Anlagen sich recht solide entwickelt, ist der Absatz von sehr aufwendigen Maschinen zur Produktion hochwertiger grafischer Papiere radikal eingebrochen. Zuletzt gab es hier keine Neuaufträge mehr. Im Februar 2015 kündigte Voith daher ein umfassendes Restrukturierungsprogramm an, durch das jährlich 250 Millionen Euro Kosten eingespart werden sollen. Dazu soll einerseits das Papiergeschäft neu ausgerichtet werden. Andererseits soll Doppelarbeit vermieden werden, indem Verwaltungstätigkeiten zusammengelegt werden. Bei der Umsetzung des Programms sei man auf Kurs, sagte Konzernchef Hubert Lienhard am Mittwoch in Stuttgart bei der Vorstellung der Jahreszahlen. „Was wir uns vorgenommen haben, haben wir umgesetzt. Wir sind sogar weiter. “

Werke und Mitarbeiter

Im Vergleich zu vor einem Jahr hat sich Voith von „mehr als 1000 Mitarbeitern“ getrennt, vor allem in der Verwaltung und in der Papier-Sparte. „Wir mussten relativ viele Mitarbeiter abbauen, um den Konzern zukunftsfähig zu machen“, sagte Finanzvorstand Hermann Jung. Die Standorte in Krefeld und Neuwied wurden geschlossen, die Produktionskapazitäten in Ravensburg und im österreichischen St. Pölten stark zurückgefahren. Durch den beschlossenen Verkauf der Dienstleistungssparte Industrial Services trennt sich Voith von rund 18 400 Vollzeitstellen. Die Veräußerung solle bis „ Ende März 2016“ abgeschlossen sein, sagte Lienhard. Dann würde Voith gemessen an den Mitarbeitern um fast die Hälfte schrumpfen. Einst arbeiteten mehr als 42 000 Menschen bei dem 1867 gegründeten Unternehmen.

Die Zukunft

Tatsächlich scheint es, als ob sich die angestrebte Re-Orientierung auf besonders profitable Technologiebereiche auszahlen könnte. Trotz der tiefroten Zahlen – diese wurden durch das 230 Millionen Euro teure Umstrukturierungsprogramm verursacht – verdiente Voith im Jahr 2014/15 aus dem laufenden Geschäft deutlich mehr Geld als im Vorjahr. Die operative Ertragskraft der dauerhaft im Voith-Konzern verbleibenden Unternehmmensteile stieg um 15 Prozent auf 270 Millionen Euro. Im lange darbenden Papier-Geschäft versiebenfachten sich die Gewinne nahezu auf 58 Millionen Euro. Der Konzernumsatz stieg leicht an und auch die „Ergebnisqualität sei spürbar besser als im Jahr zuvor“, wie Jung sagte. Bei der Umsatzrendite peilt das Unternehmen die acht Prozent an. Für die kommenden Monate ist man daher optimistisch. „Wir werden in der Lage sein, den Konzern wieder wachsen zu lassen“, sagte Lienhard. Zwar sollen Umsatz und Neuaufträge etwa auf Vorjahresniveau bleiben, beim Gewinn geht man aber wieder von „deutlich positiven Werten“ aus. „Wir sind über den Berg“, sagte Lienhard.

Industrie 4.0

Um im Zukunftsfeld der Digitalisierung der Maschinenwelt Fuß zu fassen, bündelt Voith die Kräfte und gründet einen eigenen Konzernbereich (Voith Digital Solutions), in dem rund 600 Mitarbeiter zusammengezogen werden sollen und in dem zunächst 250 Millionen Euro Umsatz erwirtschaftet werden sollen. Durch eine strategische Partnerschaft mit dem chinesischen Papiermaschinenbauer Huatai will man das deutsche Industrie-4.0-Know-How im fernöstlichen Markt verankern und nicht zuletzt die Zusammenarbeit mit dem Roboterbauer Kuka intensivieren, an dem Voith 2014 für knapp 600 Millionen Euro einen 25,1 Prozent-Anteil erworben hatte. Auch Zukäufe schließt Lienhard nicht aus: „Wir haben eine ganze Reihe von Firmen auf unserer Liste. “

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